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Stormarn Ausgleich für den E-Highway: Aus Dünger-Acker wird blütenreiche Wiese
Lokales Stormarn Ausgleich für den E-Highway: Aus Dünger-Acker wird blütenreiche Wiese
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11:01 08.10.2019
Der Biologe Philipp Meinecke prüft die Saat, die den Acker in eine blühende Naturwiese verwandeln soll. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld/Heilshoop

Wer durch Bebauung in die Natur und Landschaft eingreift, muss einen Ausgleich dafür schaffen. Das schreibt das Bundesnaturschutzgesetz so vor. Auch für dieTeststrecke des E-Highways, die auf der A 1 zwischen Lübeck und Reinfeld eingerichtet wurde, ist eine ökologische Ersatzmaßnahme nötig. Beim Bau des E-Highways sind Eingriffe in den Naturhaushalt erfolgt. „Beispielsweise die Beseitigung von Gehölzen, ebenso Eingriffe in das Landschaftsbild.

Daher sei eine Kompensierung über Maßnahmen in einem Ökokonto erforderlich“, teilt das Kieler Umweltministerium mit. Auf einem etwas mehr als zwei Hektar großen Gelände hinter dem Golfplatz zwischen Reinfeld und Zarpen erfolgt deshalb jetzt eine Renaturierung. Ein intensiv genutzter Acker wird in eine Wiese umgewandelt.

2,4 Hektar Ausgleich für den E-Highway

„Es wird eine Wiese mit vielen Blüten und Pflanzenarten, was für Insekten und Vögel besonders schön ist“, sagt Philipp Meinecke, Projektmanager der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, die eine 100prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz ist. Die Stiftung Naturschutz habe die Fläche vor zwei Jahren gekauft, da sie viel Aufwertungspotenzial für Natur- und Artenschutz biete. „Nun ist der Acker in den Ausgleich für den E-Highway geflossen“, teilt Meinecke mit. Insgesamt 24 400 Quadratmeter umfasst die Ausgleichsfläche für den E-Highway, auf dem demnächst versuchsweise Hybrid-Lkw rollen sollen.

Heilshoop: Wiesenbach wird wiederbelebt

Auch nördlich von Heilshoop entsteht ein Renaturierungsprojekt. Auf einem acht Hektar großen, hügeligen Gelände haben die Baumaßnahmen für ein neues Ökokonto begonnen. Auf einem bisher intensiv genutzten Acker rückte der Bagger an, um den natürlichen Wasserhaushalt wieder herzustellen. Vier Tage waren die Arbeiter damit beschäftigt, um auf der Fläche Drainagen zu entfernen und einen ehemaligen Wiesenbach wieder freizulegen.

Auch die Weideflächen sollen noch vergrößert werden. „Dazu wird neues Grünland eingesät und vorhandenes künftig extensiv genutzt. Das heißt, es wird hier nicht mehr gedüngt und nicht mehr gespritzt“, erklärt Philipp Meinecke von der Ausgleichsagentur. In Teilbereichen sollen auch artenreiche Hecken mit Brombeerbüschen und Schlehen gepflanzt werden, auch Wald ist vorgesehen. Durch die Renaturierungsmaßnahme entstehen neue Lebensräume für Insekten und Schmetterlinge, für Feldlerche, Neuntöter und Wiesenpieper. „Es wird ein wunderschönes, blühendes Wiesental werden“, sagt Meinecke.

Zwei Jahre lag die Fläche brach. „Wir fangen jetzt quasi wieder bei Null an und können die Pflanzenarten einbringen, die wir haben wollen“, erläutert Meinecke. 60 Kilogramm Regio-Saat werden für eine für den Naturschutz optimierte Wiese auf dem Acker eingesät und angewalzt. „Das ist eine zertifizierte Saatmischung, die möglichst viele heimische Pflanzenarten enthält, die gefährdet sind. Die Samen der Wilden Möhre, Bibernelle, Wiesenknautie, Schafgarbe oder Schneckenklee finden sich zum Beispiel darin. Alles Pflanzen, die in der intensiven Grünlandbewirtschaftung nicht erwünscht sind, aber die für die Natur und die Biodiversität von großer Bedeutung sind“, weiß der Biologe der Ausgleichsagentur. Schließlich verschlechtere sich die Grünlandqualität zunehmend aufgrund von Monotonisierung, Überdüngung und Intensivierung der Landwirtschaft.

Saatgut besteht aus echten Wildsorten

Das Saatgut, das gleichmäßig, aber sparsam auf der Fläche verteilt wird, hat seinen Preis. „Das Kilo kostet zwischen 50 und 100 Euro, je nachdem welche Mischung es ist und ob besondere Arten dabei sind. Es ist so teuer, weil es kein gezüchtetes Kulturgras ist, sondern es handelt sich um echte Wildsorten, die extra angebaut und vermehrt werden.“

Rund um den Acker wurden zudem Hecken angelegt. „Also Knicks ohne Wall“, ergänzt Biologe Meinecke. Da für die Errichtung der Strommasten des E-Highways über die insgesamt zehn Kilometer lange Strecke etliche Sträucher gerodet wurden, mussten auf der Ausgleichs-Ökofläche im Gegenzug Ersatzgehölze gepflanzt werden. „Das war der spezielle Wunsch für das Projekt“, sagt Meinecke.

Klimaschädlicher Moorboden

Eine weitere Besonderheit: Ein Teil des Ackers besteht aus moorigem Boden, zu erkennen an der dunkleren Farbe der Erde. „Der organische Moorboden ist ein Kohlenstoffspeicher, der durch Ackerbau freigesetzt wird. Das heißt: „Hier hatten wir im Grunde eine enorme Klimagasemission, solange der Acker bearbeitet und aufgewühlt wurde. Sobald wir Grünland anlegen, haben wir künftig geringere Emissionen von CO2 auf der Fläche“, erläutert der Experte der Ausgleichsagentur. „Das ist also nicht nur ein Gewinn für die Artenvielfalt und die Landschaft, sondern gleichzeitig hat der neue Lebensraum auch einen positiven Effekt auf das Klima.“

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