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Stormarn Eine Schule ohne Schüler
Lokales Stormarn Eine Schule ohne Schüler
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16:00 28.01.2019
Schulleiterin Nikola Fehlinger von der Oldesloer Kurparkschule. Quelle: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Die Schule am Kurpark in Bad Oldesloe ist eine von zwei Schulen ohne eigene Schüler im Kreis Stormarn. „150 Schüler waren hier mal“, sagt Schulleiterin Nikola Fehlinger. Doch, statt wie früher das Förderzentrum zu besuchen, verteilen sich Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf seit der Inklusionsbewegung auf sechs andere Oldesloer Schulen. Und werden dort sowohl von der Schulleiterin als auch von den 23 Lehrkräften der Kurparkschule unterstützt.

In Bad Oldesloe gab es die erste „Hilfsschule“, wie sie damals hieß, bereits vor rund 100 Jahren. In den 1950er Jahren waren die Förderklassen an die Stadtschule angegliedert. Ende der 1960er Jahre wurde das Förderzentrum Schule am Kurpark gebaut. Seitdem das Schulgesetz den Eltern im Rahmen des im Behindertengesetz von 2009 verankerten Rechts auf Teilhabe das Wahlrecht für ein Förderzentrum oder eine integrative Beschulung gibt, schrumpften auch an der Schule am Kurpark die Schülerzahlen.

Immer mehr Eltern aus Bad Oldesloe und dem Amt Oldesloe-Land entschieden sich für eine integrative Beschulung. Fehlinger: „Das Förderzentrum wurde immer kleiner.“ Die Sonderschulrektorin, wie ihre offizielle Dienstbezeichnung lautet, ergänzt: „Ab 2014 sind hier keine Schüler mehr gewesen.“ Sie selbst ist erst im Sommer 2015 Schulleiterin der Schule am Kurpark geworden. Davor arbeitete sie an der Fritz-Reuter-Schule in Ahrensburg. Der zweiten Stormarner Schule ohne eigene Schüler.

Die Schüler werden an den Oldesloer Regelschulen unterstützt.

„Aktuell betreuen wir etwa 160 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf“, sagt sie. „Wir sind an allen Grund- und Gemeinschaftsschulen. Es gibt keine Grund- oder Gemeinschaftsschule mehr, die keine Kinder in der Integration hat.“ Die Anzahl der Lehrkräfte sei mit 23 ungefähr gleich geblieben. „Die meisten der Kollegen sind fest an einer Regelschule.“ Alle drei Wochen treffen sich sämtliche Oldesloer Sonderschullehrer zur Konferenz.

Inklusion heißt: Alle lernen gemeinsam an einem Thema – nur auf unterschiedlichem Niveau. Fehlinger: „Die Ziele werden weiter nach unten gesetzt.“ Es werde individuell geschaut, wo das Kind stehe, welches der nächste Schritt sei. Und wenn im Idealfall bis zur dritten Klasse der Zahlenraum bis 1000 beherrscht werden solle, könne das Ziel für einige der Schüler realistisch bei 100 oder vielleicht sogar bei lediglich 20 gesteckt werden.

Die Unterstützung an den Schulen kann recht unterschiedlich sein. So findet eine Differenzierung bei den Materialien statt. Oder Grundschul- und Gemeinschaftslehrkräfte werden bei der Differenzierung beraten. Denn: „Wir sind nicht bei jeder Stunde dabei“, sagt Fehlinger. Vielleicht nur bei acht von 30 Unterrichtsstunden. Die anderen 22 Stunden unterrichtet der Lehrer der jeweiligen Regelschule dann sämtliche Schüler allein.

Für die gemeinsamen Stunden jedoch gilt: „Wir haben eine Doppelbesetzung.“ Die restlichen Stunden sind die Grundschul- und Gemeinschaftslehrer gefordert, obwohl sie gar nicht die entsprechende Ausbildung haben. Fehlinger: „Das macht Inklusion so schwierig. Wenn wir alle Stunden doppelt besetzt hätten, wäre das super.“

Die Schulleiterin: „Die Schere ist einfach noch größer geworden.“ Früher wurden am Förderzentrum selbst zehn bis 15 Schüler in einer Klasse unterrichtet. In Bad Oldesloe liegt der Durchschnitt bei Erstklässlern jedoch bei 23 bis 26. In den weiterführenden Schulen werde versucht, die Kinder mit Unterstützungsbedarf in einer Klasse zu beschulen und die Anzahl der Schüler dann auf 20 zu begrenzen. Doch das gelinge nicht immer.

Die Schulleiterin selbst unterrichtet an den sogenannten Flexklassen der Theodor-Storm-Schule und im präventiven Bereich an der Stadtschule. In den ersten Klassen wird nämlich in Schleswig-Holstein noch kein Förderbedarf festgestellt. Alle Kinder werden an einer Grundschule eingeschult und haben das Recht, drei Jahre lang in der Eingangsphase zu bleiben. Das heißt, sie haben drei Jahre lang Zeit, den Stoff aus den ersten zwei Jahren zu lernen.

Bleiben die Lernschwierigkeiten jedoch groß, werden sie von den Lehrern ans Förderzentrum gemeldet. Dann erfolgt eine sonderpädagogische Überprüfung. Dazu gehören eine Leistungsüberprüfung, ein Konzentrationstest, ein IQ-Test. Entsprechend wird dann bei Bedarf eine Unterstützung eingeleitet.

Die drei Säulen

Das Konzept der Schule am Kurpark basiert auf den drei Säulen Prävention, Inklusion und Beratung.

In mehr als 35 Klassen der sechs Oldesloer Grund- und Gemeinschaftsschulen werden Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet.

Kontakt: Förderzentrum Schule am Kurpark, Homepage: www.schule-am-kurpark.lernnetz.de

Die Unterstützung kann auch präventiv sein. Dabei wird aktiv versucht, den sonderpädagogischen Bedarf zu verhindern. Dann gehen Fehlinger oder eine der Kollegen beispielsweise als 2. Lehrkraft in ersten und zweiten Klassen mit in den Unterricht und schauen, ob es Kinder mit Unterstützungsbedarf gibt. Da kann es recht vielfältig um zusätzliche Materialien zum Lesen und Rechnen gehen, um Konzentrationstraining, Lesetraining oder Feinmotorik-Training.

Fehlinger selbst pendelt zwischen drei Oldesloer Schulen. In der Schule am Kurpark hat sie ihr Büro. Es gibt ein Sekretariat, das an vier Tagen in der Woche für insgesamt zehn Stunden besetzt ist. Und zwei Schultrainingsmaßnahmen mit jeweils einer Handvoll Schüler laufen dort auch noch täglich vier Stunden in Kooperation mit Oldesloer Schulen und dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef.

„Es ist durchaus nicht einsam. Das Gebäude wird vielfältig und von vielen Menschen genutzt“, berichtet Fehlinger. Die DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) der Stadtschule sind dort untergebracht, Musikschule und Stormarn Magic proben dort, die Volkshochschule näht im Schulgebäude. Die Schulleiterin ist eine Verfechterin der Inklusion: „Die Schüler lernen viel voneinander und haben ein größeres Angebot, aus dem sie schöpfen können.“

Susanna Fofana

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