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Stormarn Bockwoldt baut Stellen ab
Lokales Stormarn Bockwoldt baut Stellen ab
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11:58 04.04.2019
Die Firma Bockwoldt ist in der Sehmsdorfer Straße in Bad Oldesloe ansässig.  Quelle: mc
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Bad Oldesloe

Das Oldesloer Traditionsunternehmen Bockwoldt ist erneut in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Als Konsequenz werden bei dem Getriebehersteller etwa ein Viertel der 42 Stellen gestrichen und ganze Bereiche ausgegliedert.

„Es wird Kündigungen geben, zudem laufen einige befristete Verträge aus“, bestätigt Geschäftsführer Felix Oehme Informationen der LN. „Es gibt einen Sozialplan, aus dem Abfindungen gezahlt werden.“ Hintergrund: Bockwoldt wird laut Geschäftsführung künftig verschiedene Leistungen von externer Seite erbringen lassen und dementsprechend mehrere Abteilungen schließen. „Dies betrifft insbesondere die Produktion, während die Montage am Standort in Bad Oldesloe erhalten bleibt“, sagt Oehme, der erst vor drei Jahren – nach einer Insolvenz der Firma – das Ruder bei dem jetzt 105 Jahre alten Unternehmen übernommen hatte. „Wir gehen davon aus, nach Umsetzung dieser Maßnahmen gestärkt und wettbewerbsfähig für die Herausforderungen der Zukunft aufgestellt zu sein.“

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Sozialplan ohne Gewerkschaft verhandelt

Nach LN-Informationen hatte Bockwoldt noch mehr Kündigungen vorgesehen, ruderte aber nach Widerstand der Belegschaft und einem Termin vor dem Arbeitsgericht in Lübeck wieder etwas zurück. Der Betriebsrat wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Für die IG Metall kommt die Entwicklung nicht ganz überraschend. „Wir haben aber seit Dezember nichts mehr von der Firma gehört, obwohl viele Mitarbeiter Mitglied bei der IG Metall sind“, sagt Gewerkschaftssekretär Martin Schulz. An der Ausarbeitung des Sozialplans sie die Gewerkschaft dementsprechend auch nicht beteiligt gewesen. Nach seinen Informationen leide Bockwoldt schon länger unter Absatzschwierigkeiten, geschuldet auch einem alten Maschinenpark.

Erst 2016 war das Unternehmen heftig ins Schlingern geraten. Nach einigen unsicheren Monaten wurde die 1914 in Hamburg von Carl Bockwoldt gegründete Firma an den Lübecker Unternehmer Johann W. von Eicken verkauft. Dieser wird zusammen mit Felix Oehme als Geschäftsführer geführt.

Insolvenz und Verkauf 2016

Ende 2015 hatte der Getriebemotorenhersteller aufgrund der Insolvenz eines türkischen Hauptlieferanten Produktionsausfälle erlitten und wurde deshalb Anfang 2016 zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Reinbek ordnete daraufhin das von der Geschäftsführung beantragte sogenannte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an und bestellte den Rechtsanwalt und Steuerberater Berthold Brinkmann zum Sachwalter. Nach mehr als einem Jahr Fortführung des Betriebes gelang es dann, einen Käufer zu finden.

Schon damals waren Mitarbeiter bereit, ihre Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich um einige Stunden zu erhöhen. Die Identifikation war zu dem Zeitpunkt offenbar immer noch groß. Denn obwohl andere Betriebe in der Umgebung damals händeringend entsprechende Mitarbeiter suchten, hielten fast alle Bockwoldt bis heute die Treue.

Markus Carstens

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