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Stormarn Bad Oldesloe setzt Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie
Lokales Stormarn Bad Oldesloe setzt Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie
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07:00 28.08.2019
Laden am Sonntag ein zum großen Friedensgottesdienst: (v.l.) Hildegard Pontow, Walter Albrecht, Heiko Winckel-Rienhoff und Martin Pommerening.
Laden am Sonntag ein zum großen Friedensgottesdienst: (v.l.) Hildegard Pontow, Walter Albrecht, Heiko Winckel-Rienhoff und Martin Pommerening. Quelle: Carstens
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Bad Oldesloe

Walter Albrecht und Heiko Winckel-Rienhoff sind unermüdlich. Jedes Jahr organisieren sie zum weltweiten Antikriegstag am 1. September eine Gedenkveranstaltung, entweder eine Demonstration oder eine Kundgebung. Diesmal gehen sie zum ersten Mal in die Kirche. Der etwas andere Gottesdienst beginnt um 10 Uhr, um 11.30 soll zudem ein Gedenkstein gesetzt werden.

„Der 1. September ist diesmal ein Sonntag“, erklärt Walter Albrecht seine Initiative. „Außerdem passen wir vom Bündnis gegen Rechts, der DGB und die Kirche einfach gut zusammen.“ Dazu kommt noch die Stadt Bad Oldesloe in Person von Bürgerworthalterin Hildegard Pontow und die Künstlergruppe 9. November. Außerdem ist auch ein Zeitzeuge angefragt, der von seinen Erfahrungen im 2. Weltkrieg berichten soll.

Predigt vom neuen Pastor

Martin Pommerening sieht das genauso. Der Pastor ist gerade erst von Bad Segeberg nach Bad Oldesloe gewechselt und wird am 1. September gleich die Predigt halten. Von seiner neuen Gemeinde ist er begeistert, auch die Gottesdienste seien immer gut besucht.

Deshalb rechnen die Veranstalter an dem Sonntag mit einem vollen Gotteshaus – zumal auch die katholische Kirchengemeinde und die Oldesloer Moschee mit im Boot sind. Für St. Vicelin wird Beate Finger sprechen, für die islamische Ditib-Gemeinde der Nord-Vorsitzende Sedat Simsek aus Hamburg. Ausdrücklich eingeladen sind aber natürlich alle Bürger aus Bad Oldesloe und Umgebung, auch die konfessionslosen. Deshalb gibt es laut Pastor Volker Hagge auch keine Gottesdienste in Bad Oldesloe, die parallel laufen.

55 Friedenssteine für Stormarn

„Das zeigt die Wichtigkeit der Veranstaltung“, sagt Walter Albrecht. „Wir wollen ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie setzen.“ Jeder einzelne sei gefordert und müsse gegen den wachsenden Rechtsextremismus in Europa aufstehen. Heiko Winckel-Rienhoff, Kreisvorsitzender der Deutschen Gewerkschaftsbundes, pflichtet ihm bei: „Die weltpolitische Lage ist bedrohlich. An vielen Enden wird gezündelt. Es bedarf nur eines Funken, und das Pulverfass explodiert.“

Damit das nicht passiert, setzt sich auch die Stormarner Künstlergruppe 9. November für Frieden und Freiheit ein. Axel Richter aus Ammersbek hatte bereits im Frühjahr damit begonnen, Friedenssteine für alle 55 Gemeinden des Kreises zu schaffen. Ilse Siebel aus Bad Oldesloe trat nun an die Organisatoren des Gedenktages heran und musste nicht viel Überzeugungsarbeit liefern. Der erste der Steine wird nun am Sonntag in der Kreisstadt auf dem Bahnhofsvorplatz gesetzt.

Besonderer Satz im Stein

„Der eignet sich besonders gut, da er auch als Platz für unsere Städtepartnerschaften dient“, betont Hildegard Pontow. Bad Oldesloe pflegt Partnerschaften mit Beer Yaacov in Israel, Olivet in Frankreich, Kolberg in Polen und Jifna in Palästina. Pontow wird zudem eine Friedensbotschaft auf einen Zettel schreiben, der dann in den Hohlraum des Steines eingelassen wird.

Zweiter Stein wird in Grabau verlegt

Insgesamt 55 Friedenssteine hat der Ammersbeker Künstler Axel Richter anlässlich einer Aktion der Gruppe 9. November im April Trittau hergestellt. Ziel: Alle Gemeinden in Stormarn sollen einen solchen Stein erhalten und aufstellen – als Zeichen für ein friedliches Miteinander. Alle Stormarner Bürgermeister und Bürgervorsteher wurden diesbezüglich angeschrieben.

„Inzwischen hat es diverse Rückmeldungen gegeben, so dass am 1. September der erste Stein in der Kreisstadt Bad Oldesloe gesetzt wird“, sagt Axel Richter. Der zweite Stein wird dann am 10. September in der Gemeinde Grabau um 19 Uhr am Kriegerdenkmal gesetzt. Grabau ist eine Gemeinde, die am Ende des 2. Weltkrieges eine große Zahl an Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten aufnahm.

Woher kommt unsere Bezeichnung Friedensstein? Richter klärt auf: „Der Friedensstein ist in seiner Form ein Grenzstein. Diese dienten zunächst dazu, geheiligte Friedensbereiche zu markieren. Diese Tradition der Kennzeichnung von Grenzen breitete sich in ganz Europa aus.“

Üblicherweise wird beim Setzen von Grenzsteinen ein sogenannter Zeuge unter den Grenzstein gesetzt, für den Fall, dass der Stein entfernt wird. Stattdessen hat Axel Richter einen Hohlraum in den Grenzstein eingearbeitet, in den eine von den Kommunen aufgeschriebene Friedensbotschaft hineingelegt wird, bevor der Stein dann in ein Betonbett gesetzt wird.

Dieses Projekt ist als Vernetzungsprojekt gedacht. „Mit dem Setzen der Friedenssteine und ihrer eingefügten Botschaften sollen die Stormarner Kommunen zu einem friedensbezogenen Netzwerk zusammengefügt werden“, erklärt Richter. Die Friedensbotschaften würden dokumentiert und am Ende allen beteiligten Kommunen sowie dem Kreis zur Verfügung gestellt.

Von Markus Carstens