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Stormarn Bad Oldesloes Innenstadt im ständigen Wandel
Lokales Stormarn Bad Oldesloes Innenstadt im ständigen Wandel
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08:00 19.05.2019
Kaufmann Maik Neudek schließt seinen Fachhandel für Küchenbedarf und wechselt in eine andere Kleinstadt. Quelle: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Die Nachricht, dass der Oldesloer Kaufmann Maik Neudek zum Jahresende sein Fachgeschäft für Küchenbedarf in der Mühlenstraße schließt, machte schnell die Runde durch die Stadt. In welcher anderen Kleinstadt er einen größeren Laden öffnet, möchte er derzeit noch nicht öffentlich verraten. Nur so viel: Der neue Standort werde nur acht Autominuten von der Ostsee entfernt sein.

Wenige Meter weiter am Mühlenplatz hat sich vor kurzem die HC Parfümerie vergrößert, die auch noch den bisherigen Laden in der Besttorstraße, ehemals Bartels, betreibt. Filialleiterin in Bad Oldesloe ist seit zwei Jahren Patricia Musik, die nun mit ihrem fünfköpfigen Team neue Düfte in die frisch renovierten ehemaligen Douglas-Räume bringt.

Schnäppchenmiete“ für stadteigenen Laden

Wer der Chef oder die Chefin in der städtischen Immobilie in der Hindenburgstraße 47, ehemals Traumfänger (Deko), sein wird, soll schon bald feststehen. Bis zum 5. Juni können sich Existenzgründer noch mit einer guten Idee bei der Stadt Bad Oldesloe um den Innenstadtladen mit einer für zwei Jahre auf 388 Euro reduzierten Miete bewerben. Die Teilnehmer am Auswahlverfahren sollten nicht nur kompetent sein, sondern auch ein Sortiment anbieten, das es in der Oldesloer City bisher noch nicht gibt.

Kaufmann Maik Neudek schließt zum Jahresende seinen inhaberbetriebenen Laden in der Oldesloer Innenstadt. Es gibt noch weitere Veränderungen in der City.

Das Sortiment, für das Kaufmann Neudek stand, wird es nach seinem Weggang so in Bad Oldesloe wohl nicht mehr geben. Gebürtig aus Wismar an der Küste hatte er zunächst bei Möller am Markt (Glas- und Porzellanwaren) gearbeitet und sich dann vor acht Jahren mit dem Fachgeschäft in der Mühlenstraße selbstständig gemacht. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, gesteht er.

Zum einen habe er hier viele Freunde und Bekannte gewonnen, zum anderen sieht der 47-jährige hier kein berufliches Weiterkommen. Deshalb suche er Ende des Jahres eine neue Herausforderung. Vor allem die geplante und für ihn auch notwendige Neugestaltung der Fußgängerzone mit womöglich jahrelanger Bauzeit bereitet ihm Sorgen. Von anderen Städten wisse er, dass die Läden während der Bauphase 30 bis 35 Prozent weniger Umsatz machten. „Das bekomme ich nicht aufgefangen,“ betont Neudek.

„Da muss man jetzt noch mal einen Schnitt machen“, sagt er. „Ich gehe in Richtung Wasser.“ Er sei „Wassermann“, sein Vater und zwei Onkel seien Seefahrer gewesen. Dort, wo er hin wechsele, sei eine schöne Fußgängerzone auch bereits fertig. Der künftige Laden habe die doppelte Größe. „Ich bin hoch motiviert“, sagt der Kaufmann.

Ein Highlight fehlt in Bad Oldesloe

Was ihm in Bad Oldesloe fehle, sei ein besonderes Highlight. So wie Mölln den Till Eulenspiegel habe, Bad Segeberg Kalkberg, Kliniken und Karl-May-Spiele, Wismar den Hafen und Eutin das Schloss sowie die fünf Seen. Neudek im Hinblick auf Bad Oldesloe: „Ich weiß nicht, was wir haben.“ Bad Oldesloe sei zwar ein niedliches Städtchen. Ein Anziehungspunkt fehlt nach Ansicht von Neudek jedoch. Wenigstens eine Einkaufspassage oder Shop-in-Shop-System hätte er sich gewünscht. Oder mal probeweise kostenloses Parken für zwei Stunden in der Weihnachtszeit.

Agnes Heesch vom Stadtmanagement zum Weggang Neudeks; „Natürlich bedauere ich, dass er aufhört.“ Sie habe ihn als engagierten Kaufmann kennengelernt. Es sei ein Verlust für Bad Oldesloe. Sie wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Die Überplanung der Innenstadt solle gemeinsam und im Dialog und Austausch mit den Einzelhändlern erfolgen.

„Wir schließen nicht“, tritt Marcus Straßburg von City-Sport Bad Oldesloe Gerüchten entgegen. Gerade letztes Jahr zum fünften Geschäftsgeburtstag habe er den Mietvertrag verlängert und theoretisch noch die Option für weitere neun Jahre. Allerdings betrachtet auch er die Entwicklung in der Innenstadt mit Sorgenfalten und spitzem Rechenstift.

Denn schon wieder schließe ein inhabergeführtes Fachgeschäft innerhalb kürzester Zeit. Vollblutkauffrau Bruszies schließe Ende des Monats ihren Kindermodeladen aus Altersgründen, Wollywood habe in der City dicht gemacht, der „Traumfänger“ nicht lange durchgehalten. Straßburg: „Es ist ein wenig beängstigend, dass schon wieder ein Fachgeschäft schließt.“ Seine Befürchtung: Bad Oldesloe verliert weiter an Attraktivität.

„Der Standort schwächelt immer mehr“

Schon jetzt beobachte er mit Sorge einen „Frequenzverlust in der Stadt“. Bad Oldesloe ziehe kaum noch Kunden von außerhalb an. Die Strahlkraft nach außen fehle. Auch an den permanent analysierten eigenen Zahlen erkenne er, „dass der Standort immer weiter schwächelt“. Die Stammkunden seien da. Straßburg: „Uns fehlt der typische Bummelkunde.“ Er weiß, dass der stationäre Handel heute überall seine Schwierigkeiten habe. Intersport arbeite daran, die rund 1500 Geschäfte für die Zukunft fit zu machen. Das bedeute weitere Investitionen, die sich jedoch auch auszahlen müssten. Es sei „unternehmerische Weitsicht“, sich mit den Zahlen zu beschäftigen.

Nicole Brandstetter von der Wirtschaftsvereinigung findet es „superschade, dass Herr Neudek die Stadt verlässt“. Auch sie beobachte, dass die Kundenfrequenz in Bad Oldesloe seit zwei, drei Jahren zurückgehe. In puncto Aufenthaltsdauer und Attraktivität habe Bad Oldesloe „noch Entwicklungspotenzial“. Brandstetter: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die Innenstadt.“ Man müsse sich die Frage stellen, ob die Fußgängerzone in der jetzigen Ausdehnung Bestand haben könne. Auch wenn eine bauliche Veränderung geplant sei, könne in der Zwischenzeit etwas zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität getan werden. Die Wirtschaftsvereinigung beispielsweise stelle im Juni erneut Blumentaschen auf.

Wichtig ist für Brandstetter vor allem eines: „Wir müssen alle mehr zusammenhalten.“ Sie hält es für wichtig, dass die Oldesloer Unternehmer, 65 sind in der Wirtschaftsvereinigung vertreten, frühzeitig miteinander reden und sich austauschen. Dies scheint manchmal schwer zu sein in Bad Oldesloe, hat sie festgestellt.

Weitere Infos zum Thema:

https://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/IFH-Studie-bewertet-die-Attraktivitaet-von-Bad-Oldesloe

https://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/Baeckerei-und-Bar-eroeffnen-neu-in-Bad-Oldesloe

https://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/Einstige-GOK-Chefin-gibt-Laden-nach-Krankheit-in-Bad-Oldesloe-auf

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