Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Bäcker brauchen Nachwuchs
Lokales Stormarn Bäcker brauchen Nachwuchs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 27.12.2018
Jasmin Fahje und Mark Lessau in der Backstube der Braaker Mühle. Quelle: Albrod
Braak

Um Mitternacht aufstehen, von 2 Uhr nachts bis um 10 Uhr arbeiten und dann nachmittags wieder ins Bett gehen – sieht so der Traumjob aus? Für Jasmin Fahje schon. Sie lernt das Bäckerhandwerk in der Backstube der Braaker Mühle in Braak und ist im dritten Lehrjahr. „Ich habe auch zuhause gerne gebacken und wollte deshalb das Handwerk lernen“, erzählt die 18-Jährige, während sie zwei Teigstränge zu einem kunstvollen Weißbrotzopf ineinander schlingt. „Der Beruf gefällt mir gut.“

Sie ist eine von zwölf bis 15 Auszubildenden pro Jahr, die zum Backteam der Mühle gehören. „Vier von ihnen machen ein duales Studium an der Berufsakademie Hamburg und verbinden BWL mit dem Bäckerhandwerk“, erklärt Juniorchef Mark Lessau. Er kann über Nachwuchsmangel nicht klagen, muss dafür aber auch viel tun. „Früher gab es viele Bewerber auf wenige Stellen, da haben sich immer welche bei uns gemeldet.“ Inzwischen habe sich die Situation gewandelt und man müsse sich bekannt machen, damit Auszubildende aufmerksam werden. „Das machen wir zum einen über unsere Läden, die gut sichtbar sind, zum anderen über eine gute Öffentlichkeitsarbeit.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Berufsakademie bringe Nachwuchs.

Jobmesse und Instagram

Unter anderem sind die Braaker auf den Jobmessen der Schulen in der Region vertreten, um sich vorzustellen, sie sind auf facebook, Twitter, Instagram und anderen sozialen Medien präsent und berichten darüber, wenn es einen Brot-Sommelier in der Familie oder andere Besonderheiten gibt. Mit dem Back-Drive, wo man Backwerk am Schalter kaufen kann, haben sie öffentliches Interesse geweckt, und auch sonst bemüht sich der Familienbetrieb um Attraktivität. Das ist laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die gerade für höhere Löhne kämpft, auch dringend nötig.

In der Backstube herrscht ab 2 Uhr nachts Hochbetrieb.

„Sollte sich die Bezahlung von Bäckern und Verkaufspersonal nicht rasch deutlich verbessern, droht ein Fachkräfte-Schwund“, warnt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung. Schon jetzt hätten viele Bäckereien im Kreis Stormarn damit zu kämpfen, dass bewährte Mitarbeiter in andere Branchen abwanderten. Die harten Arbeitsbedingungen in Bäckereien führten bereits heute dazu, dass sich immer weniger Schulabgänger für die Branche entschieden, so die NGG weiter. „Es kommt vor, dass Bäckereifachverkäuferinnen abgeworben werden sollen“, bestätigt Mark Lessau. „Da kommen Leute an die Theke und geben ihre Visitenkarte ab, das ist schon eine offensive Art der Abwerbung.“

Zuschuss zum Führerschein

Der Betrieb hält mit guten Ausbildungsbedingungen dagegen. „Jeder darf sich bei uns nach Schichtende sechs Brötchen und ein Brot mitnehmen“, erklärt Lessau, „außerdem ist täglich ein großer Tisch mit Frühstück gedeckt. Die, die die Waren herstellen, sollen sie auch selber essen können.“ Für Azubis gibt es einen Zuschuss zum Führerschein, denn Braak liegt auf dem Lande. „Der letzte Bus kommt um ein Uhr nachts an, wir beginnen um zwei Uhr. Da muss man Auto fahren können.“ Weiterbildung ist problemlos möglich, und alle zwei Jahre laden Lessaus alle 200 Betriebsangehörigen zu einer Feier ein. „Zuletzt haben wir eine Schifffahrt auf der Elbe gemacht.“ Außerdem soll einmal im Monat ein Lehrlingsbacken auf die Gesellenprüfung vorbereiten. „Da können die Azubis ihre Fähigkeiten verbessern und für die Prüfung üben.“

Dabei lernen sie unter anderem, ohne Uhr und Schmuck zu arbeiten, auch muss der Kopf immer bedeckt sein. „Ringe sind das Unhygienischste überhaupt beim Backen“, betont Mark Lessau. „Bei Ketten besteht die Gefahr, dass man hängen bleibt.“ Oder aber gebrandmarkt wird, ergänzt Jasmin Fahje. „Wenn man am Ofen steht, wird Metall glühend heiß.“ Aber gerade das Backen am Ofen hat die Rahlstedterin gereizt. „Mir gefällt der Betrieb, weil er eine eigene historische Mühle hat und weil man hier noch selber in der Backstube stehen kann.“ Auch zuhause bäckt Jasmin Fahje noch gerne, kommt allerdings nicht mehr so oft dazu. „Wenn ich frei habe, treffe ich mich mit Freunden, höre gerne Musik, und ich möchte wieder reiten.“ Allerdings sind die Wochenenden kurz. „Am Sonntag muss ich um 16 Uhr ins Bett, weil ich dann wieder früh aufstehen muss.“ Da ist der Berufsschultag fast Luxus: Der Unterricht beginnt erst um acht Uhr.

Bettina Albrod

Die Zeichen stehen auf Grün: 2019 stellt die Stadt Reinfeld einen Klimaschutzmanager ein. Darauf haben sich die Stadtverordneten geeinigt. Der Vertrag soll zunächst auf zwei Jahre laufen.

27.12.2018

Daran wird sie sich noch lange erinnern: Als 7000. Besucherin des Shanty-Weihnachtssingens bekam Gunda Lindemann eine Ente von geschenkt.

27.12.2018

Bürgermeister Jörg Lembke und Bürgerworthalterin Hildegard Pontow wünschen den Oldesloern alles Gute

25.12.2018