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Stormarn Mit 49 immer noch schnell: Barbara Kehbein schwimmt auf Erfolgswelle
Lokales Stormarn Mit 49 immer noch schnell: Barbara Kehbein schwimmt auf Erfolgswelle
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15:46 08.04.2019
Barbara Kehbein ist nicht nur bei Wettkämpfen sehr ehrgeizig, sondern gibt auch beim Training alles. Quelle: privat
Bad Oldesloe

Drei Starts, drei Siege und deutsche Altersklassenrekorde über 100 Meter Brust, 100 Meter Lagen und 200 Meter Freistil – so die Bilanz Barbara Kehbeins bei ihrem ersten Wettkampf in diesem Jahr und in der AK 50. Die Reinfelderin, die mit ihren 49 Jahren das Höchstleistungsalter (16 bis 23 Jahre) beim Leistungsschwimmen längst überschritten hat, ist 2019 erfolgreicher denn je. Und bei der VfL-Jahreshauptversammlung Ende März wurde Barbara Kehbein für ihre sportlichen Erfolge 2018 geehrt.

„Ich hatte Angst vorm Wasser“

„Dabei hatte ich, als meine Familie mit mir als dreijährigem Steppke nach Reinfeld an den Herrenteich gezogen ist, noch panische Angst vorm Wasser“, erinnert sich Barbara Kehbein. Erst 1976 ließ sie sich vom Papa zu ersten Schwimmversuchen überreden.

Dann ging’s aber Schlag auf Schlag: „Erika Dinse vom SV Preußen Reinfeld entdeckte mein Talent und nahm mich in ihre – eigentlich schon volle – Schwimmgruppe mit auf“, erinnert sich Kehbein noch heute sehr dankbar an ihre damalige Trainerin.

Die erste Goldmedaille errang die Reinfelderin dann 1980 über 200 Meter Rücken. Bereits ein Jahr später gehörte sie zur Deutschen Nationalmannschaft, „Rücken“ wurde zu ihrer Paradedisziplin, in der sie von Erfolg zu Erfolg schwamm. Denkbar knapp an der Qualifikation zu Olympia vorbeigeschrammt, holte Kehbein 1987 bei den „Hapoel Games“ – den Spielen für die Dritt- und Viertplatzierten – in Israel einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. „Darauf bin ich heute noch besonders stolz“, strahlt die Reinfelderin, die als erste deutsche Schwimmerin die 50 Meter Rücken unter 30 Sekunden schwamm.

Obwohl sie ihren Sport liebte, war sie mit ihrer Paradedisziplin aber nie wirklich glücklich. „Ich bin eigentlich schon immer viel lieber Schmetterling und Kraul geschwommen“, gibt sie zu. Nach ihrem Abitur kam es dadurch zur ersten „Schwimmpause“ der Erfolgsathletin.

„Tatsächlich wollte ich ganz aufhören, aber als mein heutiger Mann Axel, der damals schon als Coach tätig war, mich mal mitgenommen hat zum Training, hab ich nach einem knappen Jahr wieder angefangen.“ Kehbein war wieder ganz in ihrem Element. „Nur wenig später bin ich Wettkämpfe geschwommen –nun endlich in Schmetterling und Freistil.“

Schmetterling und Freistil sind Kehbeins „Lieblinge“

Erneut reihten sich en masse Siege an Rekorde – bis 2002. „Damals wurde bei mir Belastungsasthma diagnostiziert, ich hätte nur schwimmen dürfen mit einer Portion Cortison vorab.“ Das war das Ende für Kehbein. „Da dies als Dopingmittel galt und ich so nicht gewinnen wollte, hörte ich auf.“

Die gelernte Bankkauffrau beendete ihre Schwimmkarriere von jetzt auf gleich.

Ohne Sport ging’s jedoch nicht, so dass Barbara das Laufen für sich entdeckte und sogar am Hamburg-Marathon teilnahm – und gleich bei ihrer Premiere eine Zeit unter vier Stunden lief. Cortison setzte sie dabei nicht ein, hatte aber trotzdem keine Atemprobleme, so dass sie heute selbst vermutet: „Vielleicht war beim Schwimmen einfach der Druck von außen zu groß geworden, da man von mir aufgrund meiner Erfolge bei jedem neuen Wettkampf immer nur Siege erwartet hat.“

Zehn Jahre lang hielt sie ihre selbstauferlegte Schwimmabstinenz durch, dann war es erneut ihr Mann Axel, der sie zurück ins Wasser brachte. Er war inzwischen Trainer beim VfL Oldesloe. Als die Schwimmhalle geschlossen wurde, wollte er die Mannschaft über die Teilnahme an den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften zusammenhalten. Dabei sind acht Mitglieder Vorschrift, er hatte aber nur sieben.

Weil Barbara ihrem Mann, der als Bundesgrenzschutzbeamter mehrmals die Woche die Schwimmgruppe trainierte, dieses ermöglichen wollte, sprang sie spontan ein.

Im nassen Element erfolgreich

Die erste Berührung mit dem Wasser war alles andere als aufbauend: „Ich hatte den Eindruck, ich kann gar nicht mehr schwimmen, das Wassergefühl, was man sich über das tägliche Schwimmen jahrelang aufgebaut hatte, fehlte plötzlich völlig“, erinnert sie sich.

Nächste Wettkämpfe im Visier

Ihre Stärke ist jedoch ihre Konsequenz – und wenn Barbara Kehbein einmal etwas zugesagt hat, dann zieht sie es auch durch. Und nach dem ersten Wettkampf hatte sie dann auch „Blut geleckt“. Fortan war sie wieder dabei, trainiert heute fünfmal die Woche und schwimmt erneut von Erfolg zu Erfolg.

Im Moment absolviert die 49-jährige trotz zurzeit lädierter Schulter im Oldesloer Travebad ein Trainingslager. Ihr nächstes Ziel sind die Sommerwettkämpfe in Kiel am 15. Juni 2019. Auch hier gilt: Wenn die Schulter mitmacht, startet sie über den Lagen-Vergleich, ansonsten nur über Freistil und im schlimmsten Fall gar nicht.

„Auch wenn ich älter bin als alle anderen, solange es mir Spaß macht und die Rahmenbedingungen stimmen, mache ich weiter“, sagt die Leseratte, die in ihrer Freizeit gerne Brot backt und in ihrem Heimatort Reinfeld viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist.  

In ihrer Freizeit steckt Barbara gern die Nase in ein Buch – Lesen ist ein großes Hobby der Schwimmerin. Quelle: Sandra Freundt

 

Werdegang und Erfolge

1977: Barbara Kehbein tritt in den SV Preußen Reinfeld ein, von 1980 bis 85 und ab 1993 bis heute VfL Oldesloe. 1980: Gold über 200 m Rücken, Bronze über 200 m Lagen. Von 1981-89 Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft. 1987 1 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze bei den Hapoel Games. In den folgenden Jahren über 100 Landesrekorde. 2015: AK Europarekord über 100 m Schmetterling, 200 m Lagen und 200 m Freistil. AK DSV-Rekord über 100 m Freistil, 100 m Schmetterling, 200 m Lagen und 200 m Freistil. 2016: AK DSV-Rekord über 400 m Lagen. 2017: AK DSV-Rekord über 200 m Brust. 2019: AK DSV-Rekorde über 100 m Brust, 100 m Freistil und 200 m Lagen. Seit 1992 trainiert von Ehemann Axel Kehbein. SF

Sandra Freundt

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