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Stormarn Bargteheide: Bahnsteige zu niedrig
Lokales Stormarn Bargteheide: Bahnsteige zu niedrig
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22:11 23.08.2018
Der Bahnsteig in Bargteheide ist so niedrig, dass Andreas Reigbert mit seinem E-Scooter nicht in den Zug gelangen kann. Quelle: Fotos: B. Albrod
Bargteheide

Mit seinem Scooter kommt er nicht in die Waggons. Zwar gibt es im Wagen hinter der Lok eine Rampe, die bei Bedarf ausgefahren werden kann, aber die ist für Skooter nicht geeignet. „Oben ist ein Knick, den der Scooter nicht überwinden kann.“

Andreas Reigbert aus Bargteheide ist gehbehindert und deshalb mit einem E-Scooter unterwegs. Aber mit dem hat er es am Bargteheider Bahnhof schwer. „Hier hat der Bahnsteig eine Höhe von 38 Zentimetern“, erklärt Reigbert, „um barrierefrei zu sein, sind aber 76 Zentimeter nötig.“

Auf Anfrage erhielt Reigbert den Rat, mit dem Bus nach Ahrensburg zu fahren und dort am barrierefreien Bahnhof einzusteigen. Kurz darauf wurden Scooter in Bussen aber nicht mehr mitgenommen. „Seit einem Jahr ist es wieder möglich, wenn der Scooter vier Räder und eine Feststellbremse hat.“ Die fehlt bei seinem Fahrzeug, so dass er erst wieder Bus fahren kann, wenn er sich einen neuen Scooter kauft. „Mir bleibt nur die Möglichkeit, mit dem Taxi oder einem Fahrdienst nach Ahrensburg zu fahren. Das kostet jedes Mal 50 Euro, erstattet wird das nur für eine Fahrt im Monat.“

Auf dem Rückweg sieht es nicht besser aus. Zwar kann Reigbert in Hamburg barrierefrei in den Zug steigen, er kann ihn in Bargteheide mit dem Scooter aber nicht barrierefrei verlassen. „Deshalb muss ich immer bis Bad Oldesloe oder Ahrensburg und dann von dort mit Taxi oder Fahrdienst zurück nach Bargteheide fahren.“ Mehr noch: Gleis 3 ist in Bargteheide sogar nur 18 Zentimeter hoch und damit nicht nur für den Scooter, sondern auch für Rollstühle nicht zugelassen. Man komme an Gleis 1 und 2 mit einem leichten Rollstuhl die Rampe hoch, so der Bargteheider, an Gleis 3 könne man dann trotzdem nicht in Bargteheide aussteigen.

Auch für Rollatoren und Kinderwagen seien die niedrigen Bahnsteige ein Problem. Sein Fazit: „Der 153 Jahre alte Bahnhof ist nur bedingt barrierefrei und für Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Behinderungen nur sehr schwer oder an Gleis 3 überhaupt nicht nutzbar.“ Er lobt allerdings ausdrücklich die Mitarbeiter der Bahn. „Die sind immer freundlich, helfen und tun, was sie können“, betont Reigbert.

Bahn untersucht Lösung

Seit drei Jahren schreibt der Bargteheider an Land, Bund, Deutsche Bahn und Nah.SH und schildert sein Problem. Er hat die Sorge, dass wegen des geplanten Ausbaus der S 4 vorher gar nichts am Bargteheider Bahnhof passiert. „Dann müsste ich weitere sechs Jahre warten. Die Nah.SH hatte mir 2017 angekündigt, dass sie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn planen, wenigstens den Bahnsteig an Gleis 3 auf einem Teilstück von 30 Metern Länge zu erhöhen, so dass er zukünftig auch für die Nutzung mit Rollstühlen und E-Scootern geeignet ist“, so Reigbert. Das sei ihm jetzt gerade noch einmal bestätigt worden. „Land und Nah.SH haben die Deutsche Bahn grundsätzlich davon überzeugen können, mit dem barrierefreien Ausbau der Bahnsteigkante Gleis 3 nicht bis zum Bau der S 4 zu warten und nach einer kostengünstigen Zwischenlösung zu suchen“, erklärt Dennis Fiedel, Sprecher von Nah.SH.

Das Land habe die Vorplanung hierfür finanziert und sei auch bereit, den Bau der Interimslösung mit zu finanzieren, um der DB AG die Umsetzung möglichst leicht zu machen. „Die Vorplanung für das Vorhaben liegt uns vor.“ Wegen technischer Gegebenheiten könne der Bahnsteig jedoch höchstens auf 32 Zentimeter aufgestockt werden. Die Machbarkeit werde derzeit an einem Modell geprüft.

„Anfang August wurde gemeinsam mit der Nah.SH eine Rahmenvereinbarung für die Modernisierung von Bahnstationen unterzeichnet“, erklärt eine Bahnsprecherin dazu. „Insgesamt 41 Stationen sollen ganz oder teilweise modernisiert werden, darunter fällt auch Bargteheide im Rahmen der S 4.“ Die Möglichkeit, vorher schon den Bahnsteig 3 auf 32 Zentimeter zu erhöhen, sei geprüft worden. „Leider kann die Variante nicht umgesetzt werden, da diese den Eisenbahnbetrieb beeinträchtigen würde.“ Derzeit werde jedoch eine weitere Variante geprüft. Menschen mit Behinderung könnten ihre Fahrten über die Mobilitätszentrale der Bahn organisieren.

Ziel von Bund und Bahn sei es, mobilitätseingeschränkten Reisenden einen barrierefreien Zugang zum Eisenbahnsystem zu ermöglichen. Dazu hätten die DB und der Bund 2017 bundesweit einheitliche Regeln entwickelt.

Mittlerweile leitet Reigbert die Stormarner Kontaktstelle des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) in Bargteheide: „Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige in Bargteheide bin, der durch den Bahnhof eingeschränkt ist.“ Indes funktionieren inzwischen die Reinfelder Fahrstühle: „Nach den nicht zufrieden stellenden Anlaufschwierigkeiten läuft der Aufzug“, erklärt eine Bahnsprecherin. „Gänzlich sind Störungen leider nicht auszuschließen. Fahrgäste können sich jederzeit über die App „Bahnhof Live“ über die aktuelle Verfügbarkeit der Aufzüge informieren.“

Bahnsteighöhen

Seit 1991 sieht die Eisenbahn- und Betriebsordnung vor, dass Bahnsteige eine Höhe von 76 Zentimetern aufweisen müssen, um barrierefrei zu sein. Von 216 Bahnhöfen in Schleswig-Holstein ist das bei 128 Bahnhöfen umgesetzt. 42 Stationen haben eine Höhe von 38 Zentimetern, bei drei Stationen gibt es Gleise unter 38 Zentimeter Höhe. Eines davon ist Gleis 3 in Bargteheide mit derzeit 18 Zentimetern.

Quelle: kleineanfragen.de/bundestag/19/3246-bahnsteighoehen-in-deutschland

Bettina Albrod