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Stormarn Was tun gegen die Flut an Plastikmüll?
Lokales Stormarn Was tun gegen die Flut an Plastikmüll?
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15:12 14.03.2019
Die Menschen produzieren immer mehr Plastikmüll, der unter anderem im Meer landet. Quelle: Stock-Adobe
Bargteheide

„Plastic is not fantastic“ - unter diesem Motto diskutierten am Mittwoch Vertreter verschiedener Fachrichtungen auf Einladung der Bargteheider Grünen im Stadthaus. Denn Plastik ist offenbar so fantastisch, dass die Produktion von Jahr zu Jahr steigt, zuletzt um vier Prozent in 2018. Angesichts der Gefahr von Mikroplastik im Essen und verschmutzter Meere suchten die Gäste auf dem Podium nach Lösungen.

Dennis Kissel Quelle: ba

Die sind durch den Verzicht auf die Kunststofftüte oder das Mehrweggeschirr nicht schnell herbeizuführen, machte Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) und Ingenieur für Umweltschutztechnik deutlich. „Der Aufreger Plastik wird derzeit sehr emotional diskutiert“, sagte er, was angesichts von 450 Jahren Haltbarkeit einer Kunststoffflasche verständlich sei. Bei allem guten Willen seien aber das größte Problem der Mensch und seine Trägheit, das Plastik richtig zu entsorgen. Dadurch landeten gelbe Säcke statt beim Recycling in der Verbrennungsanlage, denn beim „intelligenten Fehlwurf“ würden auch diejenigen Kunststoffe in den gelben Sack getan, die keinen grünen Punkt hätten. Dazu komme Restmüll, der die Verwertung unmöglich mache. Hier soll die Wertstofftonne Abhilfe schaffen, die 2020 kommen soll.

Entsorgung ist ein Geschäft

„Die Kunststoffverwertung ist ein Geschäft“, betonte Kissel. Dazu gehöre auch, dass Kunststoffmüll ins Ausland verkauft werde, wo er dann unsachgemäß entsorgt werde und so in die Meere gelangen könne. Ein Gegensteuern könne nur durch finanzielle Aspekte und Ordnungsrecht mit Geboten und Verboten funktionieren. „Das ist eine Handlungsaufforderung an die Politik“, erklärte Kissel.

„Produzenten in die Verantwortung nehmen“

Marlies Fritzen, die für die Grünen im Landtag sitzt, stimmte ihm zu. „Pro Jahr werden 32 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert“, sagte sie, „dazu werden immer neue Kunststoffe erfunden. Es ist ein Umsteuern nötig.“ Freiwillige Vereinbarungen zum Eindämmen der Plastikflut funktionierten nicht, deshalb seien Verbote nötig. Ihr sei es wichtig, die Produzenten in die Verantwortung zu nehmen. „Wenn ein Hersteller von Plastik auch für die Entsorgung seines Materials zuständig wäre, gäbe es deutlich weniger Kunststoffmüll.“

Rund 60 Zuhörer waren gekommen. Quelle: Bettina Albrod

Einen Beitrag dazu leistet bereits Katja Seevers mit ihrem Unternehmen, das alternative Verpackungen aus abbaubaren Rohstoffen wie Zelluloid anbietet. Ihre Zellulosefolie besteht zu 99 Prozent aus Zuckerrohr und ist recyclebar, Angebote wie Zahnbürsten oder Umverpackungen können auf dem Kompost landen, weil sie sich dort auflösen. Claudia MacArthur von den Bargteheider Grünen gab ein Beispiel, wie Lebensmittelmärkte über Banderole statt Plastikpackung Müll sparen könnten. Ein Allheilmittel sei die alternative Verpackung dennoch nicht: „Der Kompostierungsvorgang dauert noch zu lange“, bedauerte Katja Seevers, „der TÜV verlangt einen Abbau nach 90 Tagen bei einer industriellen Kompostierung, da brauchen unsere Stoffe noch länger.“ Problem sei auch, ergänzte Kissel, dass die Kunststofftrennung durch Maschinen erfolge, die den Unterschied nicht erkennen könnten. „Eine Trennung lohnt sich erst, wenn genügend Masse an alternativer Verpackung da ist.“

Hausmüll macht nur ein Zehntel aus

Selbst wenn man jetzt überall Unverpacktläden und Jute statt Plastik durchsetzen könne, wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, hieß es. „Der Verpackungskunststoff beträgt höchstens ein Zehntel des Kunststoffmülls“, sagte Kissel. „Der größte Verursacher für Mikroplastik ist der Abrieb von Autoreifen.“ Dazu kämen die Industrie mit Autobau, Leitungsbau und dem Bauwesen. „Die Wärmeverbundsysteme bei der Isolierung von Häusern sind das Müllproblem der Zukunft“, warnte Kissel. Die Kunststoffe seien teilweise mit Fungiziden versehen und schwer zu entsorgen. „Beim Abfall gilt: vermeiden, verwerten, verbrennen als Rangfolge.“ Müllexport ins Ausland müsse verboten werden, waren sich Kissel und Marlies Fritzen einig. Einen Sinn hätten die Bemühungen jedes Einzelnen dennoch: „Das sensibilisiert die Menschen für den Umgang mit Plastik“, sagte eine Zuhörerin.

Bettina Albrod

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