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Stormarn Kantorei Bargteheide: „Carnegie wir kommen!“
Lokales Stormarn Kantorei Bargteheide: „Carnegie wir kommen!“
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13:59 12.12.2018
Sänger der Kantoreien Bargteheide und Eichede singen die Messe Misantango von Martin Palmeri in der Bargteheider Kirche. Quelle: PRIVAT/HFR
Bargteheide/Eichede

 Artur Rubinstein, Enrico Caruso, Leonard Bernstein, aber auch die Beatles, Frank Zappa und Bob Dylan standen dort schon auf der Bühne. Die Liste namhafter Musiker, die mit ihren Kompositionen Weltpremiere in der New Yorker Carnegie Hall feierten, ist ebenso lang. Und nun kommt die Bargteheider Kantorei. 30 Sängerinnen und Sänger bekommen die Chance, auf Einladung des Veranstalters DCINY (Distinguished Concerts International New York) in dem legendären Konzerthaus aufzutreten. Gemeinsam mit anderen Chören aus der ganzen Welt nehmen sie an Workshops teil und bringen die Messe „Misa a Buenos Aires“ von Martín Palmeri zu Gehör. Das Ganze steigt zwar erst im Juni 2019, aber die Akteure sind schon jetzt aus dem Häuschen.

Eine Außenansicht der Carnegie Hall in New York 2016 wurde das 125-jährige Bestehen des berühmten Musik-Tempels gefeiert. Quelle: DPA

Strenger Dresscode gefordert

No shoes, no service, so heißt es meisthin in amerikanischen Lokalen. Einen weitaus strengeren Dresscode verlangt aber die Carnegie Hall von den dort auftretenden Künstlern.

Männer:Schwarzer Smoking mit passendem weißen Hemd, polierte schwarze Anzugsschuhe mit schwarzen Socken – keinesfalls Sneakers oder Tennisschuhe.

Frauen: knöchel- bis bodenlange, ebenfalls schwarze Kleidung mit moderatem Ausschnitt. Freigestellt ist, ob es sich um Kleid oder Hose handelt. High Heels sind ein No-Go für die Carnegie Hall. Die Absätze dürfen eine bestimmte Höhe nicht überschreiten. Sorgsam muss die Dame auch ihren Schmuck aussuchen. Er darf nicht zu stark im Scheinwerferlicht reflektieren, um die Zuschauer nicht abzulenken. Von zu stark duftendem Parfum wird ebenfalls abgeraten. Allergisch veranlagte Bühnenkollegen könnten in Probleme bekommen.

Kantor: „Ich dachte, das sind Fake News.“

„Ich habe es zuerst nicht geglaubt. Ich dachte, das sind Fake News“, erinnert sich Kantor Andis Paegle an den Moment, da er die E-Mail aus den USA geöffnet hatte. Der Konzertveranstalter schrieb darin explizit, dass die Kantorei aufgrund des hohen sängerischen Niveaus geeignet sei, an einer Aufführung der Messe Misatango des argentinischen Komponisten mitzuwirken. Um ein Haar wäre das aber an dem Kirchenmusiker vorbeigegangen. Der Mauszeiger schwebte schon über dem Spam-Button, um die vermeintliche Werbung zu löschen. Doch hielt er noch rechtzeitig inne und las die Botschaft. Als dann noch ein Telefonat der Agentur hinterherkam, war klar: Das traumhaft klingende Angebot entsprach der Wirklichkeit.

Komponist Martín Palmeri gab die Empfehlung

Wie sich herausstellen sollte, war es Komponist Martín Palmeri selbst, der dem Veranstalter die Bargteheider Kantorei wärmstens empfohlen hatte. Den Ausschlag dafür gab nicht nur, dass er mit Kantor Andis Paegle schon seit Jahren freundschaftlich verbunden ist. Die Kantorei hatte auch schon seine „Misa a Buenos Aires“ im Jahr 2013 und erst kürzlich wieder erfolgreich in der Bargteheider Kirche aufgeführt. Den dramatischen Tango-Rhythmus am Klavier lieferte beim jüngsten Konzert niemand Geringeres als der Urheber des Werks selbst. Spätestens da übertrug sich die Begeisterung für diese ganz andersgeartete Messe aufs gesamte Ensemble. „Am Anfang dachte ich, das wäre nichts für uns. Wir hatten ja bisher nur klassische Stücke wie Bachs Weihnachtsoratorium, Requien oder den Messias gesungen. Aber dann klang es sehr toll“, erzählt Doris Herfurth, die der Kantorei seit 39 Jahren die Treue hält und jetzt schon der Reise nach New York entgegenfiebert.

Martín Palmeri begleitete die Sänger bei ihrem Auftritt in der Kirche höchstselbst. Quelle: JÜRGEN MÜLLER /HFR

Andis Paegle hatte Palmeri über den Freiburger Bandeonisten Wolfgang Weniger kennengelernt, der den Komponisten bei zahlreichen Auftritten in Südamerika und Europa begleitete. Der Kantor schätzt an dem Argentinier, dass er völlig uneitel ist und gleichermaßen gern mit Profis wie auch Laien musiziert. „Für ihn ist es interessant, wie andere seine Musik interpretieren. Das war in Bargteheide auch schon so. Er fühlt sich in das Ensemble ein und agiert nicht so sehr wie der strenge Dirigent“, erzählt der Kirchenmusiker. Anders als bei hiesigen Auftritten des Chors, bei denen er die Leitung übernimmt, wird Paegle in New York den Taktstock an Palmeri weitergeben. „Endlich mal selbst entspannt singen“, sagt er lachend.

Früher Königslutter, jetzt New York

Die Kantorei Bargteheide singt 2019 in der Carnegie Hall. Mit der Organisation sind unter anderem befasst: Kantor Andis Paegle, Pastor Tim Ströver, Susanne Lyon, Ingeborg Sonnenschein und Doris Herfurth (v.l.) Quelle: Dorothea von Dahlen

Die Kunde von der Reise über den großen Teich löste übrigens bei vielen Sängern fast einen Schock aus. Zu auswärtigen Konzerten waren sie in der Vergangenheit ja schon aufgebrochen, aber die hatten allenfalls nach Königslutter geführt. „Ich bin zwei Stunden lang nur in der Wohnung herumgetigert. Dann stieg Stolz in mir auf, welche Ehre es ist, in New York aufzutreten. Ziemlich schnell ging mir aber durch den Kopf: ’Kriegen wir das überhaupt hin?’“, berichtet Kantoreileiterin Ingeborg Sonnenschein. Sie hat diese Frage für sich inzwischen mit einem entschiedenen „Ja“ beantwortet. Wie andere engagierte Sänger ist auch sie schon längst über beide Ohren in die Vorbereitung des musikalischen Abenteuers eingebunden. Mit im Team sitzen neben Doris Herfurth auch Bargteheides Pastor Tim Ströver und Susanne Lyon aus Mollhagen. Auf sie kommt in den nächsten Monaten einiges an Arbeit zu. Unter anderem veranstalten sie Basare zugunsten des Projekts und widmen sich intensiv der Spendenakquise. Denn unabhängig von den Kosten für Anreise und Logis, die jeder Sänger selbst trägt, werden Teilnahmegebühren von insgesamt 20 000 Euro fällig. Vereinzelt haben schon private Sponsoren ihre Geldbörse geöffnet. „Aber wir hoffen auf weitere Unterstützung, sodass wir bis Juni alles zusammen haben. Denn allein aus unserer Chorkasse könnten wir das niemals bestreiten“, sagt die Kantoreileiterin.

Ausgezeichneter Komponist

Geborenwurde Martín Palmeri 1965 in Buenos Aires. Die von ihm komponierten Vokal- und Chor- und Instrumentalwerke sind vom Rhythmus und der Harmonie des Tango Nuevo inspiriert, so auch sein bekanntestes, die Misa a Buenos Aires. Im Oktober 2013 führte er die Misatango gemeinsam mit dem Kölner Domchor und der Roma Sinfonietta zu Ehren von Papst Franziskus auf. Geboren wurde Martín Palmeri 1965 in Buenos Aires. Seine Vokal-, Chor- und Instrumentalwerke sind vom Rhythmus und der Harmonie des Tango Nuevo inspiriert, so auch sein bekanntestes, die „Misa a Buenos Aires“. Im Oktober 2013 führte er die Misatango gemeinsam mit dem Kölner Domchor und der Roma Sinfonietta zu Ehren von Papst Franziskus auf. Beim Konzert im Juni 2019 feiert er übrigens mit einem ganz neuen Stück Weltpremiere. Mehrere erste Preise erhielt Palmeri für besondere Leistungen, so für Chor-Arrangements in Argentinien beziehungsweise beim Kompositionswettbewerb Juan Carlos Paz für sein „Concierto de Danzas“ im Genre „Sinfonisches Werk“. Beim Konzert im Juni 2019 in New York feiert er übrigens mit einem ganz neuen Stück Weltpremiere.

Mehrere erste Preise erhielt Palmeri für besondere Leistungen, so für Chor-Arrangements in Argentinien beziehungsweise beim Kompositionswettbewerb Juan Carlos Paz für sein „Concierto de Danzas“ im Genre „Sinfonisches Werk“.

Spenden nimmt der Förderverein der Bargteheider Kirchenmusik unter dem Stichwort „New York Reise“ an. Details dazu auf der Homepagewww.carnegie-wir-kommen.de 

Dorothea von Dahlen

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