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Stormarn Bargteheider Kantorei ist schon im New-York-Fieber
Lokales Stormarn Bargteheider Kantorei ist schon im New-York-Fieber
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08:00 19.04.2019
Sänger der Kantoreien Bargteheide und Eichede singen die Messe Misantango von Martín Palmeri in der Bargteheider Kirche. Bildautor Quelle: Foto: Jürgen Müller /HFR
Bargteheide/Eichede

Die Visa sind längst beantragt: In knapp drei Monaten geht es für die Bargteheider Kantorei über den großen Teich. 30 der Sängerinnen und Sänger bekommen die einmalige Chance, in der New Yorker Carnegie Hall aufzutreten. Gemeinsam mit acht weiteren Chören aus der ganzen Welt bringen sie dort, wie berichtet, am 23. Juni zeitgenössische Werke von südamerikanischen Komponisten zu Gehör.

Der Vorverkauf für „Buena Onda“ hat begonnen

„Wir treten an dritter Stelle, gegen 14 Uhr auf“, weiß Kantor Andis Paegle, schon jetzt zu berichten. Denn der Vorverkauf für das aus vier Blöcken bestehende Konzert unter dem Titel „Buena Onda“, was soviel heißt wie „Gute Welle“ oder „Cool“, hat längst begonnen. Der Stormarner Kirchenchor singt die „Misa Buenos Aires“ von Martín Palmeri. Das Werk ist den Sängern bereits vertraut, hatten sie es doch unlängst sogar gemeinsam mit dem argentinischen Komponisten in Bargteheide aufgeführt. Doch ihr bevorstehender Auftritt im weltberühmten New Yorker Konzerthaus steht noch unter ganz anderen Vorzeichen.

Ensemble mit Sängern aus der ganzen Welt

Die Stormarner werden Teil eines großen internationalen Ensembles sein, Seite an Seite mit Sängern aus Asien, Südamerika, den USA und ganz Europa. Auch Kantor Paegle legt dafür den Taktstock beiseite und begibt sich in die Rolle eines Chormitglieds. „Ich bin gespannt, wie sich die Probenarbeit gestaltet. Für mich ist es auch eine wertvolle Erfahrung zu sehen, wie andere Kollegen arbeiten. Jeder hat ja seine Routine. Unser Chor kann damit nur gewinnen“, sagt er.

Die besondere Herausforderung in New York bestehe darin, alle Ensembles, die zuvor unter sich geprobt hätten, auf einen Nenner zu bringen. Das betreffe nicht nur die verschiedenen Aussprachen der Texte, die aufeinander treffen, sondern auch die einheitliche Interpretationen des Stückes, die nur gelinge, wenn Tempo, Rhythmus und Dynamik aufeinander abgestimmt seien. „Aber ich bin mir sicher, Palmeri wird eine gemeinsame Form mit den Sängern finden“, sagt der Kantor. Schließlich würden alle in Workshops für den großen Auftritt präpariert.

Sightseeing in der Stadt, die niemals schläft

Abgesehen von dem musikalischen Abenteuer, in das sich die Sänger aus Stormarn begeben, viele von ihnen verbinden auch ganz persönliche Wünsche und Erwartungen mit der Reise über den großen Teich. „Ich treffe meinen Bruder. Er kommt extra aus Seattle nach New York. Wir haben uns schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen“, erzählt Susanne Lyon aus Eichede. „Er ist mit 19 Jahren in die USA ausgewandert und hat an der Columbia-University studiert. Deshalb kennt er New York wie seine Westentasche.“ Doris Herfurth wiederum hat selbst als junge Frau in der Stadt gelebt, die niemals schläft. Ihre Kinder sind dort aufgewachsen. Jetzt will sie Freunde von früher treffen, ihre alte Nachbarschaft besuchen und den Big Apple noch einmal ganz neu kennen lernen.

Kantorei sammelt auch bei Konzerten Spenden

Kleine Osterkörbchen hat Susanne Lyon aus Eichede gebastelt, um aus dem Erlös die Reisekasse für den Chor aufzubessern. Sie gehört einer Arbeitsgruppe des Chors an, die sich der Akquise von Spenden und Benefizaktionen kümmert. So übernehmen die Sänger in den Pausen der Kirchenkonzerte selbst das Catering. Denn nicht nur Tickets und Unterkünfte sind teuer, auch die Teilnahme an den Workshops kostet. Mit vereinten Kräften haben die Kantoreimitglieder so schon 10000 Euro zusammenbekommen. Noch einmal die selbe Summe wird benötigt, um alle Kosten abzudecken.

Einige Konzerte gibt es bis zur Abreise des Chors noch. „Elbphilharmonische Klänge“ erfüllen die Bargteheider Kirche am Sonntag 28. April ab 18 Uhr, wenn das Noah Quartett Mozarts Dissonanzen Quartett C-Dur (KV 465) sowie Beethovens Streichquartett cis-moll op. 13 darbietet. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 8 oder 5 Euro.

Die Klezmer-Gruppe „Yxalag“ gibt am Sonnabend, 1. Juni, gleich zwei Konzerte, eines für Familien bei freiem Eintritt unter dem Titel „Milos und die verzauberte Klarinette!“ ab 16 Uhr sowie am Abend ab 19 Uhr Lieder aus der gerade erschienenen CD „Fun Tashlikh“. Eintritt abends 14 Euro, ermäßigt 12 oder 8 Euro.

Viva Puccini“heißt es am Sonntag, 16. Juni, ab 18 Uhr. Der italienische Abend, den die Bargteheider Kantorei mit der „Messa di Gloria“ von Giaccomo Puccini bestreitet, verspricht ein Feuerwerk aus Arien, Duetten und Opernchören zu werden. Mit dabei sind Robert Franke (Tenor), Till Schulze (Bass) und das Kammerorchester „Verissimo!“ unter der Leitung von Andis Paegle. Eintritt 16 Euro, ermäßigt 14 oder 10 Euro.

Auch Kantoreileiterin Ingeborg Sonnenschein verspürt schon eine „Riesenvorfreude“ und Frauke Vesper hat gar ein touristisches Programm ausgearbeitet, damit auch völlig Ortsunkundige etwas vom Charme der Großstadt entdecken. Denn New York zu verlassen, ohne den Central Park oder das Empire State Building besucht zu haben, das geht in ihren Augen gar nicht. „Ich habe aber schon an alle appelliert, nicht zu viel zu unternehmen“, gebietet Andis Paegle dem Entdeckerdrang der Sänger ein wenig Einhalt. Immerhin gelte es, vor der Aufführung vier Stunden zu proben und das im Stehen und voller Konzentration. Letztlich ist er aber überzeugt, dass alle ihr Bestes geben werden. „Das Adrenalin treibt ja Menschen bekanntlich zu Höchstleistungen wie eine frisch geladene Batterie“, sagt er lachend.

Noch ein Heimspiel vor dem Abflug

Kurz bevor es in den Flieger geht, steht den Bargteheider Sängern aber noch ein Konzert in der heimischen Kirche bevor. Unter der Parole „Viva Puccini“ schlägt die Kantorei einen großen musikalischen Bogen aus bekannten Opernmelodien, in einer abwechslungsreichen Kombination aus Arien, Duetten und Chören. An diesem italienischen Abend zwischen Belcanto und Verismo wirken auch Robert Franke (Tenor), Till Schulze (Bass) und das Kammerorchester „Verissimo!“ mit.

Dorothea von Dahlen

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