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Stormarn Barnitzer Fleisch aus dem Automaten
Lokales Stormarn Barnitzer Fleisch aus dem Automaten
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22:27 22.10.2016
Untergebracht ist der Wurst- und Fleischautomat in einem Holzunterstand, der von der Straße aus gut sichtbar ist.
Barnitz

Es war einmal, dass ausschließlich Angebot und Nachfrage den Preis geregelt haben. Was früher auch für landwirtschaftliche Produkte galt, ist heute längst vorbei, denn immer mehr sind es große Lebensmittelketten und Discounter, die nicht nur die Preise für ihre Kunden vorgeben, sondern auch für die Erzeuger.

Junger Landwirt aus Barnitz geht neue Wege: Er setzt auf die direkte Vermarktung von Fleisch und Wurst. Zu haben sind sie rund um die Uhr.

Das hat in den vergangenen Jahren vor allem Milchbauern in Bedrängnis gebracht, die vermehrt an die Öffentlichkeit gegangen sind, weil sie kaum mehr ihre laufenden Kosten mit dem Ertrag, den sie von den Meiereien für ihre Milch bekommen, decken konnten. Seit rund zwei Jahren haben daher immer mehr Milchbauern wie Dirk Hinsch mit seiner „Seefelder Landmilch“ damit begonnen, ihre Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Quark selbst herzustellen und zu vermarkten.

„Was mit Milch funktioniert, muss auch mit Fleisch und Wurst möglich sein“, hat sich Hans-Christian Rienhoff gesagt, der in Barnitz den Hof seiner Eltern Hans-Jürgen Rienhoff und Anke Jensen-Riedhoff übernommen hat. 250 Sauen leben auf dem Hof, den er in konventioneller Landwirtschaft nach neusten Erkenntnissen führt. Bei der Vermarktung von Schweinefleisch und anderen landwirtschaftlichen Produkten geht er in Norddeutschland völlig neue Wege. Zu haben sind seine Produkte nämlich rund um die Uhr in einem „Regiomaten“, mit dem er dem geänderten Kaufverhalten der Verbraucher entgegenkommt.

Wer zu nachtschlafender Zeit Heißhunger auf ein gebratenes Schnitzel bekommt, wenn sich zum Grillabend oder zum ersten Grünkohlessen der Saison mehr Leckermäuler eingefunden haben und nun Fleisch und Würstchen zur Neige gehen, für den ist der „Regiomat“ in Barnitz die lukullische Rettung. Der Automat hat keine Ladenöffnungszeiten, sondern kann rund um die Uhr angesteuert werden.

Seine 3,5 Quadratmeter große Verkaufsfläche ist in 18 nummerierte Fächer unterteilt. Bestückt sind diese mit eingeschweißten Wurst- und Fleischpaketen und anderen landwirtschaftlichen Produkten, die wie bei einem Getränkeautomaten angewählt werden können. Ist der Bezahlvorgang abgeschlossen, fallen die auf ein bis drei Grad heruntergekühlten und mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehenen Portionen in eine Klappe und können zusammen mit dem Wechselgeld entnommen werden.

Saisonal ist der „Regiomat“ unterschiedlich bestückt. Im Sommer überwiegen Fleisch- und Wurstspezialitäten für die Grillsaison, jetzt haben die einzelnen Fächer eher eine winterlich deftige Note.

Passend zum Grünkohl gibt es Kohlwurst und geräuchertes Kasseler. Zudem sind Schinkenwurst, Bratwurst, Krustenbraten, Kotelett, Schnitzel, Mettwurst und Leberwurst, aber auch Honig, Milch, Joghurt und sogar Freilandeier vom Nachbarn im „Regiomaten“ rund um die Uhr zu haben.

„Immer mehr Verbraucher setzen auf eine gute Fleischqualität. Vor allem wollen sie wissen, woher das Schnitzel oder die Leberwurst hinter der Fleischtheke herkommen“, ist Hans-Christian Rienhoff überzeugt, der Kunden mit Forscherdrang sogar noch mehr bieten kann. „Wir wissen nicht nur, woher das Schwein kommt, sondern wir können sogar ganz genau sagen, aus welchem Schwein das jeweilige Fleischstück geschnitten wurde und wann es als Ferkel von welcher Muttersau auf die Welt gebracht wurde“, erzählt Hans-Christian Rienhoff.

Von der Geburt bis zur Schlachtreife kann er jeden Entwicklungsschritt seiner Schweine dokumentieren. „Sie wachsen in artgerechter Haltung nach den neusten Erkenntnissen auf und haben zudem den Platz, den sie brauchen. Gerade darauf legen immer mehr Kunden Wert. Das ist auch gut so, denn letztendlich wirkt es sich auf die Qualität aus“, ist Rienhoff überzeugt, der seine Schweine in Barnitz bei den Gebrüdern Wetzel zur Wurst verarbeiten lässt.

Die Resonanz auf den „Regiomaten“ ist groß. Der Weg bis dahin aber war weit. „Die Kühlkette einzuhalten, ist die größte Herausforderung gewesen“, erzählt er. Schließlich hat er einen separaten Kühlraum gebaut und den Automaten angeschafft, der mehr als 15000 Euro gekostet hat. Sensoren messen und dokumentieren alle fünf Minuten die Temperatur.

Video bei LN-Online

Landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Erzeugnisse direkt vermarkten, finden Verbraucher in der bundesweiten Datenbank „Einkaufen auf dem Bauernhof“.

Der „Regiomat“ mit den Erzeugnissen von „Rienhoffs Fleischspezialitäten“ steht in Barnitz in der Straße Benstaben 6. Weitere Infos dazu erteilt Hans-Christian Rienhoff unter der Mobilfunknummer 0173/316 94 51.   pd

• Wie der Automat funktioniert, zeigt ein Video auf dem LN-Youtube- Kanal: https://youtu.be/Hh7El-8KeeU

 Petra Dreu