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Stormarn Stormarner Handwerk weiterhin auf Wachstum programmiert
Lokales Stormarn Stormarner Handwerk weiterhin auf Wachstum programmiert
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18:00 14.06.2019
Kreishandwerksmeister Björn Felder begrüßt die Gäste aus Handwerk, Wirtschaft und Verwaltung beim diesjährigen Sommerempfang der Kreishandwerkerschaft Stormarn im Jugendaufbauwerk. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Handwerk hat tatsächlich goldenen Boden im Kreis Stormarn. Die Auftragsbücher der Betriebe quillen über. „Und das wird sich auch so schnell nicht ändern“, sagte Marcus Krause, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stormarn beim diesjährigen Sommerempfang, einem „Meet and Greet“ für Gäste aus Wirtschaft und Verwaltung im Oldesloer Jugendaufbauwerk. Motor für die boomende Entwicklung des Bau- und Ausbaugewerbes sei maßgeblich die anhaltende Niedrigzinsphase. Sie ermutige viele, in Eigenheime oder Fremdimmobilien zu investieren, da klassische Kapitalanlagen derzeit kaum Erträge brächten.

„Smart Home“ als neuer Wachstumsmarkt

Das kann Kreishandwerksmeister Björn Felder nur bestätigen. Ein weiterer Grund für die gute Auslastung sei sicherlich der steuerliche Anreiz, über die Einkommensteuer handwerkliche Leistungen absetzen zu können. Aber auch der Trend, das eigene Haus in ein sogenanntes Smart Home zu verwandeln, entwickle sich zu einem neuen Wachstumsmarkt. Dabei würden Heizung, Belüftung oder elektronische Geräte so vernetzt, dass sie sich von Ferne steuern ließen. So stimulierend die Lage derzeit sei, habe das Ganze auch seine Schattenseiten. „Für Privatleute ist es heutzutage schon sehr schwer, einen Termin beim Elektriker oder in anderen Gewerken zu bekommen. Man braucht eben Geduld“, sagt Felder.

600 Lehrstellen pro Jahr zu vergeben

So sehr die Konjunktur auch brummt, dem Handwerk fehlt generell Nachwuchs. „So extrem wie bei Bäckerbetrieben, die in einer eigenen Innung organisiert sind, ist es bei uns nicht. Aber wir müssen auch sehen, dass wir genügend Auszubildende bekommen. Selbst in Kfz-Handwerk, wo früher schon alle Lehrstellen vor den Sommerferien vergeben waren, sind inzwischen bis September immer noch freie Kapazitäten“, sagt Krause. 600 Lehrstellen stehen nach seinen Angaben im Kreis Stormarn pro Jahr zur Vermittlung, wovon 2018 insgesamt 500 besetzt werden konnten. Die aktuelle Juni-Bilanz falle erstaunlich positiv aus, sei doch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schon eine Steigerung von 38 Prozent zu verzeichnen. Dies könne aber auch damit zusammenhängen, dass die Verträge in den Betrieben in diesem Jahr schon früher abgeschlossen worden seien als 2018.

Stormarner Schüler schwören auf Coaching

Dass junge Stormarner immer noch den Weg in eine handwerkliche Beschäftigung finden, ist laut Krause einerseits einer „extrem hohen Ausbildungsbereitschaft“ der Betriebe zuzuschreiben, resultiere aber auch aus dem Engagement der Kreishandwerkerschaft auf Jobmessen, beim BiZ, dem Bildungsinformationszentrum der Arbeitsagentur, und in den Schulen.

Als Expertin auf dem Gebiet des Coachings kann etwa Stefanie Hartz erstaunliche Erfolge vorweisen. Gemeinsam mit sieben Kolleginnen betreut sie im Rahmen des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projektes Handlungskonzept PLuS (Praxis, Lebensplanung und Schule) 400 Schüler aus 16 Schulen, darunter die allgemeinbildenden, die beiden Berufsschulen und alle Förderzentren. „Wir werden dort mit offenen Armen empfangen von Lehrern und Schülern“, berichtet die Beraterin.

In praktischen Übungen werde getestet, wie geschickt, teamfähig und sozial kompetent die Schüler seien. Eigens dafür engagierte Experten gäben hernach in einem sechsseitigen Bericht Empfehlungen, für welche Berufe die jeweiligen Kandidaten geeignet seien. „Die Eltern sind manchmal völlig erstaunt, dass sich ihr Schützling als sehr ordentlich erwiesen hat, wo er doch zu Hause nie aufräumt“, erzählt Hartz lachend. Ihr zufolge ist es bis dato jedes Jahr gelungen, 98 Prozent der Teilnehmer zu vermitteln – entweder in eine betriebliche oder schulische Ausbildung.

Bald kommt die Prämie für Meistergründungen

Erhebliche Schwierigkeiten bereitet offenbar Inhabern alt eingesessener Handwerksbetriebe die Übergabe an die nachfolgende Generation. Wie Felge berichtet, finden sich oft kaum Interessenten, die bereit sind, das Geschäft weiter zu führen. „Bei einer Umfrage der Kammer hat sich ergeben, dass viele Meister ihre persönliche Altersvorsorge davon abhängig gemacht haben. Wenn sie keine Nachfolger finden, geht diese Rechnung nicht auf“, sagt Felder.

Ein weiteres Problem seien zunehmende Qualitätsmängel in solchen Gewerken, für die es seit 2004 keine Meisterpflicht mehr gebe. „Es hat sich gezeigt, dass die Ausbildung bei den Fliesenlegern stark eingebrochen ist und gleichzeitig immer mehr Fälle von Gewährleistungsmangel vor Gericht gelandet sind“, erklärt der Kreishandwerksmeister. Doch eine Nachbesserung sei wohl in Sicht, da die Bundesregierung neu über die Zulassungspflicht entscheiden wolle. Als positiver Impuls sei sicherlich auch die Meistergründungsprämie der Landesregierung einzustufen, bei der junge Meister, die sich selbstständig machen, künftig mit bis zu 10 000 Euro gefördert werden sollten.

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Dorothea von Dahlen

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