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Stormarn Bauland in Stormarn ist knapp wie nie
Lokales Stormarn Bauland in Stormarn ist knapp wie nie
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22:24 14.02.2015
Hat Glück gehabt: Anna Gritza (35) und ihre Familie konnten schnell ein Grundstück im Neubaugebiet an der B 208 in Rethwischdorf ergattern. In drei Monaten ist Baubeginn in der Brückmannskoppel. Quelle: Bosslet
Bad Oldesloe

Anna Gritza strahlt. In drei Monaten beginnt ihr Abenteuer „Hausbau“. Die 35-Jährige und ihr Mann Björn (34) haben ein Grundstück im Neubaugebiet in der Brückmannskoppel in Rethwischdorf ergattert. „Das ging ganz schnell“, berichtet die Mutter von Ben Finley (2). Da sie im Dorffestausschuss sei, habe sie zeitig davon erfahren, dass die Grundstücke zu vergeben waren. „Das war im Januar“, berichtet Anna Gritza. „Wir wollten aber nicht um jeden Preis bauen. Schließlich wollen wir auch noch ins Kino oder mal Essen gehen. Nachdem mein Mann alles durchgerechnet hat, erfüllt er mir jetzt meinen Traum. Wir hatten einfach Glück.“

Dieses Glück haben derzeit nicht allzu viele Familien im Kreis. „Baugrund ist so knapp wie nie“, sagt Armin Baghai, Immobilienmakler bei der Sparkasse Holstein in Bad Oldesloe. 30 bis 60 Neubauanfragen im Jahr verzeichnet der Banker. „Das sind nicht mehr Bauherren als vor vier oder fünf Jahren. Es gibt einfach kein Angebot mehr. Und wenn es etwas gibt, dann ist es teuer“, sagt der Experte. Mehr als 350 Euro der Quadratmeter koste etwa Bauland im Neubaugebiet Erlenhof in Ahrensburg. Dennoch habe es dort seines Wissens auf 60 Grundstücke 1000 Bewerber gegeben. Zum Vergleich:

In Bad Oldesloe kosten Grundstücke zwischen 150 und 230 Euro, in Reinfeld um die 180 Euro, in der Gemeinde Travenbrück zwischen 90 und 140 Euro und in Rethwischdorf 135 Euro der Quadratmeter.

„Durch die Knappheit haben wir eine enorme Preistreibung. Und das schafft Einseitigkeit“, sagt Baghai. „Für den Mittelstand wird es immer schwieriger, etwas bezahlbares zu finden. Es ist eine schlechte Zeit für Familien.“

Je weiter weg vom Hamburger Speckgürtel gelegen, desto günstiger wird Bauland in Stormarn. „Dennoch verlieren wir viele Bauwillige an benachbarte Kreise. Dort ist es im Augenblick einfacher, etwas zu finden, zum Beispiel auf den Dörfern oder in attraktiven Lagen wie Scharbeutz“, sagt der Immobilienmakler und mahnt: „Der Trend setzt sich fort, die Preise werden weiter steigen. Städte und Gemeinden müssen die Bereitschaft zeigen, sich zu entwickeln. Das erfordert ein gewisses Maß an Mut, denn Entwicklung hat immer auch eine schmerzhafte Seite.“

Mut haben derzeit nur wenige Kommunen. Reinfeld wird noch in diesem Jahr das Neubaugebiet Stavenkamp erschließen. 35 Grundstücke sind dort ausgewiesen. „Der Flächennutzungsplan ermöglicht auch noch eine Bebauung am Dröhnhorster Weg. Aber das wird frühestens 2019/20 etwas werden“, sagt Reinfelds Bauamtsleiter Stephan Kruse. „Wir setzen zunächst auf Innenstadtverdichtung. Dort sind noch Lücken für Wohnungsbau.“

Auch in Bargteheide ist die Nachfrage nach Wohnraum unverändert groß. „Wir haben in den letzten Jahren bereits Neubaugebiete geschaffen“, erklärt Jürgen Engfer, Bauamtsleiter in Bargteheide. „An der Trabrennbahn und an der Kornmühle sowie Am Krögen sind neue Wohngebiete entstanden. Wir sind jetzt dabei, Bargteheide im Norden und im Gebiet Am Krögen zu erweitern, dort sollen zwischen 50 und 70 Wohneinheiten entstehen.“ Damit folge die Stadt einer Empfehlung des Kreises, der wegen der anhaltenden Nachfrage dazu aufrufe, weiteren Wohnraum zu schaffen. „Die Preise werden von einem Gutachterausschuss vorgegeben und liegen derzeit bei um die 230 Euro pro Quadratmeter.“

In Bad Oldesloe ist dagegen ein geplantes Neubaugebiet Am Tegel im Osten der Stadt auf Eis gelegt worden. 50 Wohneinheiten hätten dort entstehen können. Doch die Anwohner spielten nicht mit (die LN berichteten). Die Politik will nun zunächst ein Gesamtkonzept für die Stadt entwickeln.

Anna Gritza tangiert das alles nicht mehr. Glücklich schaut sie auf ihr 660 Quadratmeter großes Eckgrundstück. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass hier schon bald unser Haus steht“, sagt sie.

Und strahlt.

Hier gibt es noch unbebaute Grundstücke
Rethwisch: In Rethwischdorf sind zwölf Grundstücke ausgewiesen. Ein großes Eckgrundstück ist noch frei, 135 Euro/Quadratmeter. Informationen: www.amt-bad-oldesloe-land.de
Reinfeld: B-Plan 32 „Stavenkamp“, 35 Grundstücke, 600 bis 1000 Quadratmeter, 160 bis 185 Euro. Informationen: www.bauland-sh.com/projekte/reinfeld_2/reinfeld_2.htm
Hamberge: In der Planung sind 76 Grundstücke im Gebiet östlich des Kiefernwegs und nördlich des Buchenwegs. Informationen: www.amt-nordstormarn.de
Lasbek: Geplant sind Häuser auf dem Hof Gerken am Lehmskuhlenweg sowie 26 Wohnungen und später auch Häuser auf der Bressler-Brache am Ehksaal von privaten Investoren.

Verena Bosslet und Bettina Albrod