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Stormarn Becher-Aktion: Gratis-Kaffee für Bedürftige
Lokales Stormarn Becher-Aktion: Gratis-Kaffee für Bedürftige
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20:10 28.02.2018
„Wir freuen uns, Gratis-Kaffee an die Bedürftigen ausschenken zu können“, sagt Kirsten Ellmer von der Kleinen Bäckerei.
„Wir freuen uns, Gratis-Kaffee an die Bedürftigen ausschenken zu können“, sagt Kirsten Ellmer von der Kleinen Bäckerei. Quelle: Foto: Matzen
Bad Oldesloe

Die Rede ist vom Grundrecht auf Kaffee. Egal, ob arm oder reich: In Neapel hat jeder Italiener Anspruch auf einen Espresso. „C’e un sospeso?“ hallt es in Kampaniens Hauptstadt durch die Stehcafés.

Übersetzt heißt das: „Gibt es einen Aufgehobenen?“ Den „Caffè sospeso“ gibt es im Süden Italiens seit mehr als hundert Jahren. Wer es sich leisten kann oder in Spendierlaune ist, trinkt einen Espresso, zahlt aber zwei oder mehrere. Der Barista notiert die spendierten Kaffees mit Kreidestrichen auf einer Tafel und serviert später jemandem, der es sich eigentlich nicht leisten kann, eine Tasse „aufgehobenen“ Kaffee. Bedürftige können so ihren Espresso trinken, ohne dafür zu zahlen.

Auch in Bad Oldesloe hat jetzt jeder Anspruch auf eine Tasse Kaffee. Seit ein paar Tagen ist im Café Eigenart und in der Kleinen Bäckerei Kaffee mehr als Kaffee. Zwei bezahlen, einen davon spenden.

„,Wir für Bad Oldesloe‘ hat diese Idee ins Leben gerufen“, sagt Kirsten Ellmer von der Kleinen Bäckerei in der Feldstraße. Spender seien momentan allerdings noch wesentlich aktiver als die Abnehmer.

Rund 30 Bons für Gratis-Kaffee hängen an einem Klemmbrett am Tresen. „Ich vermute, dass die Gratis-Kaffee-Aktion noch nicht so bekannt ist“, so die Chefin der Bäckerei. Es müsse sich wohl noch etwas herumsprechen. Einer sei bislang vorbeigekommen, der sich riesig gefreut habe, dass er seinen Kaffee nicht bezahlen musste. „Es ergab sich auch ein ganz nettes Gespräch, als er bei mir saß, mit einem Kaffee trinkenden Ehepaar. Die haben ihm auch ein Stück Kuchen dazu gekauft. Die haben richtig schön geplaudert.“ Kirsten Ellmer: „Von dem Mann weiß ich, dass er auch zur Tafel geht. Ich habe schon überlegt, wenn er dort einkauft, kann er auch von unserer Aktion berichten.“ So könne er dann sich mit anderen Bedürftigen in der Kleinen Bäckerei zum Kaffeetrinken verabreden.

Bei den Kunden der Kleinen Bäckerei komme der Solidaritäts-Kaffee riesig gut an. „Es sind sogar Neukunden extra deswegen hergekommen“, sagt Sohn Marc Henry Ellmer.

Auch das Café Eigenart in der Hamburger Straße, das von den Stormarner Werkstätten betrieben wird, beteiligt sich an der Geste der Nächstenliebe. „Als wir von der Aktion gehört haben, haben wir sofort gesagt, lass uns das machen“, sagt Einrichtungsleiter Stephan Bruns. Die Aktion passe wunderbar zum Leitgedanken der Einrichtung. „Wir hoffen, dass sich viele unserer Gäste daran beteiligen.“

bma