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Stormarn Bei jeder Demo im Norden dabei: Er ist der Mann mit dem Sarg
Lokales Stormarn Bei jeder Demo im Norden dabei: Er ist der Mann mit dem Sarg
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20:53 12.12.2019
Detlef Mielke und sein Demo-Sarg. Quelle: Bettina Albrod
Bad Oldesloe

Vor acht Jahren hat sich Detlef Mielke beim Bestatter einen Sarg gekauft. Nicht für die letzte Ruhe, sondern für ständige Unruhe: Der Kasten aus hellem Holz ist ein unentbehrliches Requisit bei Mielkes Einsatz für ein gewaltfreies Miteinander. Ob bei der Job-Messe im BiZ in Bad Oldesloe, vor der Berufsschule in Lübeck, in Trittau bei Rheinmetall oder bei den Fridays-for-Future-Demos in BargteheideDetlef Mielke von der Deutschen Friedensgesellschaft in Bad Oldesloe und der Sarg sind dabei. Damit will er in erster Linie einen Denkanstoß liefern.

Anti-Rekrutierungsarbeit als Aufgabe

„Nach der Ausbildung war ich bei der Bundeswehr“, erzählt der 66-Jährige von den Anfängen seines Protests. Als Fahrer war er dafür zuständig, Offiziere an verschiedene Ziele zu kutschieren. Er hörte Geschichten von Kameradschaft und Schikane und kam für sich zu dem Schluss, dass er sich für ein Leben ohne Waffen engagieren wollte. Später verweigerte Mielke als Reservist den Kriegsdienst und begann 1977 in Bad Oldesloe mit Beratungen für Kriegsdienstverweigerer, die er bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 anbot.

Detlef Mielke war auch bei der jüngsten Fridays-for-Future-Demo in Bargteheide dabei. Quelle: Bettina Albrod

„Anlass für den Sarg war die Rekrutierung der Bundeswehr“, sagt er. In Schulen, bei Berufsberatungsmessen oder mit dem Info-Truck würden Rekrutierer Nachwuchs für die Bundeswehr suchen, informierten über Karrierechancen und Ausbildungsmöglichkeiten. „Bei der Bundeswehr geht es aber auch um das potenzielle Töten“, sagt Mielke. Als Gegengewicht zur Werbung will er mit seinem Sarg die andere Seite des Jobs zeigen. „Ich mache Anti-Rekrutierungsarbeit. Da, wo die Bundeswehr wirbt, gehe ich hin, um dem etwas entgegenzusetzen.“ Der Sarg sei ein Hingucker, der dazu diene, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sarg von der Polizei beschlagnahmt

Jede Kundgebung meldet Mielke ordnungsgemäß an, dazu „eine Holzkiste in Form eines Sargs“. Den Sarg – bewusst ein kleines, leichtes Modell, das sich gut transportieren lässt – packt er in den VW-Bus oder einen Kombi, baut ihn am Zielort auf und lädt unter anderem zum „Probeliegen für künftige Bundeswehrsoldatinnen“ ein, komplett mit Helm und Deutschlandfahne. „Bevor sich jemand in den Sarg legt, kommt immer die Ansage, dass es nicht darum geht, sondern im übertragenen Sinn gemeint ist. Der Sarg soll den Bezug zum Sterben herstellen.“ Das bringt Mielke die gewünschten Gespräche, aber auch manches Ungemach. „Die Leute kommen zum Diskutieren, und das wollen wir. Manche beschweren sich aber auch über die Aktion, die sie zu makaber finden.“

In Norderstedt wurde der Sarg 2015 beschlagnahmt. Quelle: René Senenko

Als Mielke und seine Mitstreiter anfangs vor der Berufsschule in Lübeck ihren Sarg auspackten, sollten sie verjagt werden. „Man hat uns mit der Polizei gedroht, aber die hat nichts gemacht: Wir standen nicht auf dem Schulgelände und hatten die Kundgebung ordnungsgemäß angemeldet.“ 2015 beschlagnahmte die Polizei den Sarg bei einer Protestaktion in Norderstedt und ließ ihn auf einem Pritschenwagen abtransportieren. „Damals hatten andere die Aktion organisiert und den Sarg nicht mit angemeldet.“ Mittlerweile habe schon ein Gewöhnungseffekt eingesetzt, und wenn Sarg und Mielke jetzt auftauchen, wird er als alter Bekannter begrüßt. „Ich werde inzwischen wiedererkannt“, hat Mielke die Erfahrung gemacht, der nur will, dass etwas haften bleibt. „Jetzt heißt es: Ach, da bist du ja wieder.“

Die DFG-VK

Die Idee mit dem Probeliegen für zukünftige Bundeswehrangehörige stammt aus Rostock. In Schleswig Holstein war der erste Sarg mit diesem Spruch in Kiel unterwegs und wurde später von Mielke für Stormarn übernommen.

Die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) wurde 1892 von den späteren Friedensnobelpreisträgern Bertha von Suttner und Alfred Herrmann Fried in Berlin gegründet. Die Gruppe in Bad Oldesloe gibt es seit 1972. Damals war es eine VK Gruppe (Verband der Kriegsdienstverweigerer). 1974 tat sie sich auf Bundesebene mit der DFG zusammen. Deswegen heißt die Gruppe in Bad Oldesloe seit 1974 DFG-VK Gruppe.

Bei einer Demo in Trittau im April verkleidete Mielke sich als Sensenmann und transportierte im Sarg, dessen Inneres mittlerweile ein bisschen schmuddelig ist, die Verstärkeranlage, bei den Fridays-for-Future Demos in Bargteheide war der Mann mit dem Sarg ebenfalls dabei. Der Sarg wird je nach Zielsetzung umetikettiert. „Klima ist auch mein Thema“, sagt Mielke, „die Klimakrise trifft zuerst die Menschen, die jetzt schon leiden.“ Außerdem gehöre die Bundeswehr mit ihren Übungsflügen zu den großen Klimakillern.

Etwa 20 mal im Jahr, schätzt Mielke, ist er mit Sarg auf Tour, dazu kommen 30 weitere Aktionen ohne Sarg. Der Sozialpädagoge, der nie einer politischen Partei angehört hat, ist seiner Überzeugung seit 1977 treu; bis heute berät er Soldaten, die nachträglich den Wehrdienst verweigern wollen. „Mir geht es bei allem darum, gewaltfrei zu agieren“, betont Mielke. „Das menschliche Leben ist etwas Besonderes, jeder Krieg ist ein Verbrechen, egal von wem.“ Wichtig sei eine positive Einstellung zu Konflikten, die er ohne Gewalt lösen will. „Die Friedensgesellschaft ist deshalb international organisiert.“

Von Bettina Albrod

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