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Stormarn Fotokunst zugunsten des Klosters
Lokales Stormarn Fotokunst zugunsten des Klosters
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10:22 18.12.2018
Die Fotokünstler CP Krenkler (l.) und Klemens Ortmeyer (r.) präsentieren Fotos, die sie zugunsten des arg sanierungsbedürftigen Jugendhauses des Klosters Nütschau zum Verkauf anbieten. Quelle: Dorothea von Dahlen
Nütschau

So cool kann Kloster sein: 6000 junge Gäste aus ganz Deutschland übernachten alljährlich im Jugendhaus St. Benedikt in Nütschau. Schulklassen, Firmlinge und andere junge Besucher verbringen hier ihre Wochenenden oder die Ferien. Das Pförtnerhaus des einstigen Gutes ist unzweifelhaft eine beliebte Anlaufstelle. Doch platzt das 1906 errichtete Gebäude inzwischen aus allen Nähten und ist stark renovierungsbedürftig. Das hat zwei international renommierte Fotokünstler, die dem Kloster Nütschau sehr gewogen sind, zu einer Benefizaktion inspiriert. Sehr zur Freude von Prior Johannes wollen CP Krenkler und Klemens Ortmeyer mit ihren Kreationen ein Scherflein zur Modernisierung des Jugendhauses beitragen.

Lucia Keppke, Bruder Lukas, Lukas Wende, Finja Barkmeyer, David Hinkelmann und Prior Johannes (v.l.) vor dem arg sanierungsbedürftigen Jugendhaus des Klosters Nütschau. Sie freuen sich über die Unterstützung der Künstler. Quelle: Dorothea von Dahlen

Gebetsorte mit besonderer Aura

In Ortmeyer ruft das Klosteranwesen in Nütschau gar Erinnerungen an seine eigene Jugend wach. Von 1977 an war der heute sehr gefragte Architekturfotograf dort regelmäßig mit der Familie zu Gast. Mitte der 1980er Jahre leistete er als erster Wehrdienstverweigerer überhaupt im Jugendhaus St. Benedikt seinen Zivildienst. Und nicht zuletzt enthielt die Mappe, mit der er sich für ein Fotostudium an der Fachhochschule Bielefeld beworben hatte, lauter Motive aus dem klösterlichen Leben in Nütschau. „Ich bin damals abgelehnt worden und studierte Architektur, aber bis heute habe ich gewissermaßen zwei Seelen in meiner Brust“, erklärt Ortmeyer. Das Fotografieren hat er nie aufgegeben, sondern letztlich in Kombination mit seinem Studienfach weiter perfektioniert. Auftragsarbeiten sowie die Teilnahme an internationalen Projekten – „Entlang der Seidenstraße“ oder „Carawane“ – führten ihn unter anderem nach China, Ägypten, Thailand, Indien und den Iran. Dort fotografierte er städtische Architektur, widmete sich aber ganz besonders der Dokumentation von Tempeln, Moscheen und anderen sakralen Stätten.„Seit 2005 spielen Gebetsorte auf meinen Fotos eine immer größere Rolle. Räume bekommen eine ganz besondere Aura, wenn dort gebetet wird“, sagt Ortmeyer. Und als würde sich der Kreis schließen, so zog es den Künstler im Herbst dieses Jahres zurück nach Nütschau, wo er die Schönheit, Eleganz und spirituelle Ausstrahlung der Klosterkirche mit der Kamera festhielt. Entstanden sind aus mehreren Teilen zusammengefügte Fotos, die an klassische Altarbilder in Form eines Triptychons erinnern. Mit diesem Motiv startet der Künstler sein neues Projekt, „9 to 1“. Nach Nütschau will er in diesem Stil eine ganze Reihe benediktinischer Klöster im deutschsprachigen Raum fotografieren. „Diese ungewöhnliche Serie lädt den Betrachter ein, sich intensiv mit heiligen Räumen auseinander zu setzen. Perspektivische Verschiebungen regen dazu an, das Heilige auf sich wirken zu lassen“, sagt der 54-Jährige.

Hamburgs härteste Milieukneipe im Porträt

Unabhängig von Ortmeyer gelangte auch CP Krenkler im Sommer nach Nütschau. Die Fotokünstlerin und vertritt somit ein ganz anderes Genre. Sie richtet den Blick aber nicht auf schöne Promis, sondern vorzugsweise auf die vergessenen, eher am sozialen Rand stehenden Menschen. Zuletzt begab sie sich in Hamburgs härteste Milieu-Kneipe, dem Elbschlosskeller und porträtierte die vom Alkohol und ihrem zum Teil tragischen Schicksal gezeichneten Stammgäste. Nach dieser sehr zehrenden Arbeitsphase brauchte sie dringend Ruhe und Erholung. Der Pastors der Hamburger St.-Pauli-Kirche hatte ihr den Tipp gegeben, eine Auszeit in einem Kloster zu nehmen. „Ich hatte schon zig Nummern angerufen, nirgendwo war Platz. Ich war schon völlig verzweifelt. Da hat sich die Rezeptionistin hier in Nütschau für mich eingesetzt und ein Notzimmer frei gemacht“, erzählt Krenkler.

Stille des Klosters inspirierte die Künstlerin

Die Atmosphäre des Anwesens zog die Künstlerin gleich in den Bann. Die Stille, die im Kloster herrscht, berührte sie tief. „Ich war fasziniert davon, was man alles wahrnimmt, wenn man schweigt“, sagt sie. Die Bilder, die sich ihr boten, brachten sie letztlich von ihrem Plan ab, die Arbeit während der Auszeit ruhen zu lassen. Während einer Führung durch die Klosterkirche griff sie doch zur Kamera und fotografierte den prächtigen Altarraum, dessen Glasbilder je nach Tageszeit in anderen Farbschattierungen leuchten. „Mit einer solch außergewöhnlichen Architektur hätte ich hier nicht gerechnet. Mich hat die Kirche an die Nationalgalerie erinnert“, sagt Krenkler.

Keine Förderung von Kirche und Staat

Der Zufall wollte es, dass auch Ortmeyer in Nütschau anreiste. Als die beiden hörten, dass für die Modernisierung des Jugendhauses Geld gesammelt wird, boten sie gleich ihre Hilfe an. Sie verspürten das Bedürfnis, die Mönche in ihrer Lebensweise zu unterstützen. Denn für das Projekt erhält das Kloster weder eine Förderung von der Kirche noch von staatlicher Seite. Krenkler und Ortmeyer bieten deshalb jeweils zwei Motive ihrer künstlerisch wertvollen Fotografien in einer Auflage von 25 Stück zum Verkauf an. Den Erlös spenden sie dem Kloster. Wenn es gelingt, alle Bilder zu veräußern, stehen für das Projekt rund 65 000 Euro zur Verfügung. „Dafür sind wir sehr dankbar. Es ist eine große Hilfe. Aber darüber hinaus werden wir noch weitere Spenden brauchen“, sagt Prior Johannes.

Gerahmt und limitiert

Die Erlöse aus dem Verkauf von jeweils 25 Fotografien spenden die Künstler zugunsten der Modernisierung des Jugendhauses. Klemens Ortmeyer bietet Bilder von der Klosterkirche aus der Reihe „9 to 1“ in der Größe 40 mal 40 Zentimeter als Fineartprint gerahmt optional in Ahornweiß oder Nussbaum an. Christiane Paul Krenklers Fotos werden in drei Formaten erhältlich sein und zwar 50 mal 75 Zentimeter (acht Stück) , 26 mal 39 Zentimeter (zehn Stück) sowie 15 mal 22 Zentimeter (sieben Stück). Alles in allem soll die Benefizaktion rund 65 000 Euro einbringen.

 

Den Vertriebder Bilder übernehmen die Künstler selbst. Bestellungen oder weitere Nachfragen sind zu richten an cp@krenkler.eu oder klemens@ortmeyer.de. Darüber hinaus liegen im Empfang des Klosters auch Bestellformulare aus, die an die Künstler weitergeleitet werden.

Dorothea von Dahlen

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