Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Erfolgreiches Benefizturnier für krebskranke Familie in Hamberge
Lokales Stormarn Erfolgreiches Benefizturnier für krebskranke Familie in Hamberge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:20 03.06.2019
Sebastian und Stefanie Ewald mit Jonas (10), Neele (6) und Lenja (9 Monate). Quelle: SUSANNA FOFANA
Anzeige
Hamberge

„Der Zusammenhalt im Ort ist einfach grandios“, ist Sebastian Ewald noch ganz geflasht vom Riesenerfolg des Hamberger Benefiz-Fußballturniers. „Es ist unglaublich. Einfach phänomenal“, betont er und kann allen Beteiligten gar nicht genug danken. „Es gibt Kraft zu wissen, man ist nicht allein“, fasst seine Frau Stefanie zusammen. Beide hatten das Gefühl: „Die Katastrophe macht mal eine Pause.“

Die Katastrophe, mit der die Familie umgehen muss, ist eine Krebskrankheit, die kaum jemand kennt. Sie wurde entdeckt, als man sich Gedanken über die Krebshäufigkeit in der Familie machte. „Die Hiobsbotschaft kam im Februar 2018“, erklärt Stefanie Ewald. Seitdem wissen die Ewalds zumindest, dass die Krankheit eine Ursache hat. Der Gendefekt LFS – das Li-Fraumeni-Syndrom führt zu dem deutlich erhöhten Krebsrisiko. Schon der Vater von Sebastian Ewald starb früh daran.

Anzeige
Große Unterstützung für das Benefizturnier zugunsten von Familie Ewald.

Die „Pink-Ladys“ wollten helfen

Als die Mütter der Spieler in der Fußballmannschaft von der katastrophalen und als unheilbar geltenden Krankheit von Jonas (10) und seinem Vater erfuhren, wollten sie spontan helfen. Mannschaftstrainerin Kathleen Kröger gehört zu die „Pink-Ladys“, die zugunsten der Hamberger Familie am Rande eines Turniers Kaffee und Kuchen verkaufen wollten. Doch der kleine Ursprungsplan entwickelte sich zu einem riesigen und gut organisierten Benefiz-Fest mit rund 2500 Besuchern und unglaublich vielen Helfern. „Die Organisation der ,Fußball-Muttis’ gehört zum Besten, was ich in 45 Fußballerjahren erleben durfte“, war nur eines von vielen Loben für das Team.

Kathleen Kröger und Sven Ciborski trainieren die 15 Hamberger E-Junioren zweimal die Woche. „Jonas hat auch Tore für uns geschossen“, berichtet der Trainer vom Turnier. Am ersten Turniertag traten acht Mannschaften aus Stormarn, Lübeck und Lauenburg gegeneinander an. Am zweiten Tag spielten die Gastgeber in Vertretung für eine fehlende Mannschaft unter anderem mit Teams von Eintracht Norderstedt, FC St. Pauli, dem HSV, Hansa Rostock und VfB Lübeck.

Der SV Hamberge wurde Ausrichter

„Wir machen es gerne. Auch wenn es viel Arbeit ist“, sagt Vereinsvorsitzender Stefan Stapel zum Benefiz-Fußballturnier für die krebskranke Familie. Als der SV Hamberge als Ausrichter mit ins Boot kam, ergänzte Stapel das Orga-Team der Mütter. „Wir sind fünf Orga-Mütter. Niemand von uns steht allein da“, betont Rebecca Ciborski. „Im Februar haben wir davon erfahren, im März haben wir angefangen.“ Sie, Kathleen Kröger, Svenja Tonding, Svenja Rydzewski und Olga Mantey sind die „Pink-Ladys“.

Sie lösten mit ihrem Einsatz für den guten Zweck eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Johanniter, Jugendfeuerwehr, rund 40 Feuerwehrleute der Nordstormarner Wehren, Helfer aus dem Sportverein und Privatpersonen standen morgens um 7 Uhr unter anderem zum Aufbau bereit. Die Gemeinde, Firmen aus Hamberge und anderen Orten unterstützten das Benefizturnier in unterschiedlichster Form. Zudem gab es diverse signierte Fanartikel, unter anderem der Fußball-Bundesligisten, die Vereinschef Stapel versteigerte.

„Man spürt das ehrliche Mitgefühl“

Familie Ewald, die seit 2012 in Hamberge wohnt, konnte sich in der schweren Zeit auf jemanden verlassen. Viele neue Kontakte untereinander wurden geknüpft. „Man spürt das ehrliche Mitgefühl“, sagt Stefanie Ewald. Sie arbeitet bei der Hansestadt Lübeck, ist jedoch gerade in Elternzeit wegen Lenja (neun Monate alt). Sie traf durch die Hilfsaktion Freunde wieder, die sie seit dem Abitur nicht mehr gesehen hatte.

Auch Sebastian Ewald (36) kam wieder in Kontakt mit ehemaligen Kollegen. Er hatte bei den Johannitern im Rettungsdienst gearbeitet – jetzt läuft sein Rentenantrag. „Es ist eine tickende Zeitbombe“, empfindet Stefanie Ewald die Situation und hofft, doch noch etwas gegen die Krankheit finden zu können. „Man sucht nach jedem Strohhalm. Man kann nie unbeschwert sein.“

Sebastian Ewald geht es besser

Sebastian Ewald fühlt sich gerade besser, seitdem er ein Medikament aus den USA ausprobiert. Neele, sechs Jahre alt, hatte mit zwei Jahren zum ersten Mal Krebs, gilt derzeit jedoch als krebsfrei. Bei Jonas sitzt der Hirntumor an einer Stelle, an der nicht operiert werden kann. Er ist jedoch bisher symptomfrei. Nur die kleine Lenja hat die Veränderung im Gen TP53 nicht geerbt.

Sebastian Ewald selbst hat einen Hirntumor sowie Lungenkrebs und Metastasen. Die Lebenserwartung ist Ärzten zufolge nicht hoch. Nach der Diagnose schöpft die Familie die Vorsorgemöglichkeiten aus, damit neue Tumore schnell entdeckt werden. Auch klären sie andere über den Gendefekt auf, der noch weitgehend unbekannt ist.

Der Erlös des Benefizturniers ist für die Erfüllung eines Herzenswunsches der Familie sowie für medizinische Versorgung gedacht, da einige Untersuchungen und Behandlungen nicht als Kassenleistung gelten. Das Spendenkonto des SV Hamberge bleibt noch eine Weile aktiv.

Lesen Sie auch:

Fußball-Mütter helfen krebskranker Familie

Von Susanna Fofana