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Stormarn Betrugsmasche Gewinnspiel: Oldesloerin alarmierte die Polizei
Lokales Stormarn Betrugsmasche Gewinnspiel: Oldesloerin alarmierte die Polizei
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13:56 20.08.2019
„Der Anrufer war immer ein anderer“, sagt Ursula Paulini (71) aus Bad Oldesloe. Auch die Höhe des vermeintlichen Gewinns war immer unterschiedlich.  Quelle: mc
Bad Oldesloe

Die Geschichte scheint viel zu abstrus zu sein, trotzdem fallen immer wieder Menschen auf solche oder ähnliche Betrugsmaschen herein. Nicht so Ursula Paulini aus Bad Oldesloe. Sie verständigte die Polizei und wandte sich zusätzlich auch an die LN, „damit andere Menschen gewarnt werden“, wie die 71-jährige Rentnerin sagt.

Die Anrufer sprachen akzentfrei Deutsch

Gleich dreimal innerhalb kürzester Zeit war Ursula Paulini – mit unterdrückter Nummer und jeweils am frühen Vormittag – angerufen worden. „Ich soll jedes Mal einen fünfstelligen Betrag bei der Euro-Millionen-Lotterie gewonnen haben, obwohl ich daran gar nicht teilgenommen hatte“, berichtet sie. Die Gewinne betrugen im einzelnen 48.900, 38.900 und 39.900 Euro. Das Geld sollte laut Anrufer per Notar und Security überbracht werden. Der Anrufer war jeweils männlich und sprach akzentfrei Deutsch, allerdings waren es offenbar immer unterschiedliche Personen.

Überweisung sei nicht möglich

Ursula Paulini erzählt: „Ich fragte nach, wie ich denn zur Teilnahme an den Spielen gekommen sei. Dazu meinte der Anrufer jeweils, ich würde doch sicher bei Aldi oder anderen Supermärkten einkaufen. Ich bestätigte das, meinte aber, dass dort meine Daten nicht bekannt seien und warum mir das Geld nicht überwiesen werden könne.“

„Auf keine Fall reinlassen!“

Zu der Spielteilnahme konnte der Anrufer nichts sagen. Eine Überweisung sei jedoch bei einem internationalen Spiel nicht möglich. „Ich würde von der Sicherheitsfirma wegen des Übergabetermins angerufen werden“, berichtet die Oldesloerin weiter. „Das wurde ich auch am jeweils nächsten Tag. Davor habe ich mich aber an die Polizei Bad Oldesloe telefonisch gewandt. Dort sagte man mir, ich solle die Leute auf keinen Fall reinlassen.“

Übergabe mit Notar und zwei Sicherheitsleuten

Als der Anruf von der vermeintlichen Sicherheitsfirma wegen der Übergabe kam, fragte Ursula Paulini nach dem Ablauf. „Man sagte mir in allen drei Fällen, dass ein Notar oder eine Notarin mit zwei Sicherheitsleuten käme und diese mit mir zu meiner Bank fahren würden. Dort sollte ich eine Bearbeitungsgebühr von jeweils 900 Euro überweisen, und dann könnte ich das Geld auf mein Konto einzahlen.“

Polizei wollte nicht vorbeikommen

Die Oldesloerin schlug vor, die 900 Euro einfach von dem Gewinn abzuziehen und den Rest auszuzahlen. Das wiederum ginge jedoch nicht, da die Überbringer kein Bargeld annehmen dürften. „Vor dem Anruf der Sicherheitsfirma habe ich mich noch mal mit der Polizei in Verbindung gesetzt und gefragt, ob – wenn ich einen Termin mit denen ausgemacht habe – eine Streife zur Überprüfung der Personalien und so weiter vorbeikommen könne“, erklärt die Oldesloerin. Dieses sei jedoch verneint worden, da zu dem Zeitpunkt keine Straftat vorgelegen habe. Dazu würde keine Streife kommen. Ursula Paulini sah schließlich von dem „Geschäft“ ab – und will nun auch ihren Eintrag im Telefonbuch ändern.

Masche kommt immer wieder mal auf

„Solche Betrugsmaschen flammen in unterschiedlicher Art immer wieder mal auf“, erklärt Torsten Gronau von der Polizeidirektion Ratzeburg. „Mal ist es der Enkeltrick, mal der falsche Polizist. Und wenn das alles aufgrund unserer oder der Aufklärung in den Medien nicht mehr funktioniert, gibt es wieder etwas Neues.“ Eine signifikante Häufung solcher Fälle habe die Polizei derzeit aber nicht registriert.

Erfolgreiches Projekt „Recall“

Das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel kennt solche Betrugsmaschen wie jetzt in Bad Oldesloe zur Genüge. Gewinnspielverbrechen werden laut LKA-Sprecherin Carola Jeschke jedoch nicht gesondert erfasst. Es gibt also keine belastbaren Zahlen, das Delikt werde als Betrug erfasst und statistisch auch so behandelt. Anders verhält es sich mit dem Phänomen der falschen Polizeibeamten, für das die Ermittler eine eigene Ermittlungsgruppe namens „Recall“ eingerichtet haben.

Aufgrund erster Erfolge und auch Verurteilungen vor Gericht wurde das Projekt verlängert. Das LKA will so den Hintermännern in türkischen Callcentern auf die Spur kommen.

Seit Jahresbeginn zählte die Polizei in Schleswig-Holstein rund 1500 Fälle, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. In etwa 25 Fällen gelang es den Betrügern tatsächlich, teilweise erhebliche Summen an Bargeld zu erbeuten.

Gronau verteidigt auch das Vorgehen der Oldesloer Kripo. „Wir haben natürlich ein hohes Interesse daran, Betrüger auf frischer Tat zu fassen.“ Doch so eine Überwachungsaktion sei viel komplizierter und differenzierter und müsse professionell vorbereitet werden. Einfach mal eine Streife vorbeizuschicken, reiche da bei Weitem nicht aus. „Die Kollegen vor Ort hatten sicher gute Gründe, so zu handeln.“

Anrufe sind gar nicht erlaubt

Wie die Polizei weist auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein darauf hin, dass derlei Anrufe gar nicht erlaubt sind. „Allerdings bewegen wir uns dort in einer Grauzone“, erklärt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Habe ich vielleicht irgendwo im Internet mal etwas angeklickt, mit dem ich meine Zustimmung für Werbeanrufe erteilt habe?“ Das sei häufig schwer nachzuvollziehen.

Warnung vor vermeintlich gewonnenen Reisen

Allerdings sei höchstes Misstrauen angebracht, wenn der Anrufer unbekannt ist. „Und bei Gewinnspielen müssen sofort die Alarmglocken schrillen, auch bei vermeintlich gewonnenen Sachpreisen“, sagt Vivien Rehder. Oft würden Versprechungen gemacht, hätten aber einen kleinen Haken. „Damit soll den Leuten dann das Geld aus der Tasche gezogen werden.“ Beispiel: Ein Ehepaar hat angeblich eine Reise gewonnen, „durch seltsame Zusatzklauseln wird diese aber viel teurer als bei einer normalen Buchung“, so Rehder.

Der Fall aus Bad Oldesloe klinge zwar abstrus, so die Sprecherin der Verbraucherzentrale, aber die Betrüger seien oft sehr gut geschult und arbeiteten mit psychologischen Tricks, sodass die Angerufenen neugierig würden. „Sie werden sehr geschickt in ein längeres Gespräch verwickelt über die Kinder oder Hobbys, wollen am Ende aber nur Bargeld“, sagt Rehder.

„Immer nach den Namen fragen“

Es gebe zwar mittlerweile Erfolge, aber die Anrufe kämen häufig aus dem Ausland, die Täter seien dementsprechend schwierig zu verfolgen. Rehder gibt den Tipp, bei Anrufen von Fremden nach dem Namen, dem Unternehmen und einer Telefonnummer zu fragen und alles aufzuschreiben. „Ich muss genau klären, mit wem ich spreche“, sagt sie. Wenn der Gegenüber da nicht mitspielt, sei das ein großes Alarmzeichen.

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