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Stormarn Bewährungsstrafen nach Überfall auf Tankstelle
Lokales Stormarn Bewährungsstrafen nach Überfall auf Tankstelle
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22:50 22.01.2018
Die Polizei hatte die beiden jungen Männer schon vor dem Raubüberfall abgefangen. Quelle: Symbolbild LN-Archiv
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Reinbek/Lübeck

Zwei Jahre sowie ein Jahr und zehn Monate jeweils zur Bewährung: Als die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz gestern das Urteil sprach, fielen den beiden 22-Jährigen aus Glinde mehrere Steine vom Herzen. Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen in Höhe von drei Jahren und acht Monaten beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten gefordert. Bei dem Plädoyer war der Hauptangeklagte dermaßen in Tränen ausgebrochen, dass die Verhandlung unterbrochen werden musste. Die gezeigte Reue sowie eine günstige Sozialprognose stimmten die Richter der VII. Großen Strafkammer offenbar gnädig.

Tankstelle wurde observiert

Es war der 17. Februar 2017, als Mehdi B. (Name geändert) sich eine Sturmhaube übers Gesicht zog und mit einer Schreckschusspistole in der Hand die Tankstelle in der Möllner Landstraße in Reinbek betrat. „Überfall, Geld her!“, sagte der junge Mann zu der Angestellten. Die erklärte ihm gerade, dass die Tageseinnahmen bereits zur Bank gebracht worden seien, als Zivilbeamte die Tankstelle stürmten. Aufgrund mehrerer Überfälle in der Gegend in dieser Zeit war diese Tankstelle gerade observiert worden.

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Mehdi B. erkannte sein erfolgloses Unterfangen, legte Waffe und sich selbst auf den Boden. Der 22-Jährige wurde festgenommen, kam jedoch wieder auf freien Fuß. Gegen Auflagen wurde der Untersuchungshaftbefehl außer Vollzug gesetzt. Da der Mann aus Glinde offenbar einen Komplizen hatte, kam es im Zuge der Ermittlungen schon am nächsten Morgen zu einem Einsatz des Spezialeinsatzkommandos (SEK). Ins Visier war Marco M. (Name ebenfalls geändert) geraten. Der 22-jährige Glinder kennt Mehdi B. seit Kindertagen und stand im Verdacht, das als Fluchtwagen geplante Auto gefahren zu sein. Das allerdings ließ sich vor Gericht nicht beweisen. Allerdings gab der Mitangeklagte zu, die Waffe für den Überfall besorgt zu haben. Der Schlüssel von B.s Wagen sei dabei als Pfand gedacht gewesen; bei dem Überfall habe sich M. nach eigener Aussage nicht in der Nähe der Tankstelle aufgehalten.

Nicht der erste Überfall?

Als Motiv gab Mehdi B. Schulden in Höhe von 800 Euro an. Es tue ihm unendlich leid und er werde so etwas nie wieder machen, beteuerte er. Das Opfer des Überfalls, eine Mutter von drei Kindern, arbeitet weiterhin in der Tankstelle, leidet aber immer noch unter den Folgen. „Gerade jetzt, wenn Menschen mit Kapuzen hereinkommen, habe ich ein komisches Gefühl“, gab die Frau zu Protokoll.

Am zweiten und zugleich letzten Verhandlungstag am Montag las das Gericht einige Chatprotokolle aus Konversationen der Angeklagten vor. Daraus ging hervor, dass die beiden möglicherweise nicht das erste Mal so einen Überfall geplant hatten. Zum Beispiel hieß es: „Kannst du morgen zwischen 20 und 22 Uhr für 500 Euro fahren?“ Allerdings konnten oder wollten beide vor Gericht nicht erklären, was diese Nachrichten bedeuteten. Markus Carstens