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Stormarn Bienen hatten einen Super-Sommer
Lokales Stormarn Bienen hatten einen Super-Sommer
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21:34 21.08.2018
Summ, summ, summ! Die Bienen waren dieses Jahr extrem fleißig. Imker Rainer Götze ist mit der Ernte sehr zufrieden. Quelle: Fotos: Matzen
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Travenbrück

„Wir haben einen super, super Sommerhonig“, schwärmt Rainer Götze, Ehrenvorsitzender des Imkervereins Reinfeld-Zarpen. Er habe extra Analysen erstellen lassen. „Wir haben dieses Jahr sogar Lindentau-Honig. Und den hat man nur alle zig Jahre mal“, freut sich der Imker. Zu verdanken sei das dem sonnigen und heißen Sommer, durch den sich sehr viele Blattläuse gebildet hätten.

„Das war ein Traum-Sommer für die Bienen“, sagt Imker Rainer Götze aus Travenbrück. An Wegesrändern, Bäumen und auf Feldern habe es wie verrückt geblüht, so dass die Immen ordentlich Pollen sammeln konnten. Dementsprechend sei auch die Honigernte ausgefallen.

Pflanzen

Bestimmte Pflanzen können dabei helfen, ein kleines Paradies für die fleißigen Honigsammler zu gestalten. Kornblume, Steinklee, Thymian oder Minze sind zum Beispiel bei Bienen sehr beliebt. Auch Schwarzdorn und Heckenkirsche sind ideal für einen bienenfreundlichen Garten. Weitere Tipps gibt es beim Gärtner.

Die Läuse saugen am nährstoffreichen Pflanzensaft der Linden und scheiden den größten Teil als konzentrierten Zuckersaft wieder aus. Dieser sogenannte Honigtau ist Ausgangsstoff für Götzes dunklen, sehr aromatischen Lindentau-Honig, denn die Bienen seien ganz wild auf das süße, klebrige „Läuse-Pipi“. „Das ist wie Nektar. Die Bienen nehmen das auf, veredeln es in ihrem Körper, und daraus entsteht dann dieser tolle Honig.“

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So viel Sommerhonig wie in diesem Jahr habe Götze auch schon lange nicht abernten können. „Im vergangenen Jahr kamen 30 Kilo zusammen. In diesem Jahr waren es etwa 200 Kilo. Da kann man mal den Unterschied sehen.“ Schon im Frühjahr seien seine Bienen fleißig auf den Raps geflogen. „Für die Bauern war es zwar nicht so gut, dass es im April und Mai so trocken war, aber für die Bienen war es ideal.“ Jetzt sei noch der heiße Sommer dazugekommen. „Dadurch, dass es so trocken war, sind unheimlich viele Pflanzen an den Feld- und Wegesrändern gewachsen. Die Bauern konnten ja auch nicht viel spritzen, deshalb sind natürlich viele Kräuter gewachsen. Das ist nicht nur für unsere Imkerbienen gut, sondern auch für die Wildbienen und die Hummeln.“

Blühender Senf

Götze hat dazu noch den großen Vorteil, dass ein benachbarter Landwirt aus seinem Dorf die ehemalige Kiesgrube von Schoer & Bollow wieder auffüllt. „Er hat extra eine bienenfreundliche Wildsaat ausgebracht. Jetzt blüht gerade der Senf. Da fliegen meine Bienen immer hin. Das sehe ich genau, weil sie mit gelben Pollen zurückkommen.“

Im vergangenen Jahr musste Götze viel zufüttern, um seine Bienen vor dem Verhungern zu bewahren. „Das muss ich in diesem Jahr nicht. Ich brauche wahrscheinlich nur die Hälfte, weil die Bienen nach der Ernte Ende Juli noch so viel Futter ansammeln konnten.“

Um das zu demonstrieren, hebt der Travenbrücker Imker vorsichtig den Deckel von einem seiner Bienenstöcke, die in seinem Garten stehen. „Wir ziehen jetzt mal eine Wabe.“ Götze entfernt die Schutzfolie und pumpt zunächst einen Stoß Rauch auf den Bienenstock. „Die glauben dann, dass der Wald brennt und ziehen sich zurück.“

Danach hebelt der 75-Jährige mit Spezialwerkzeug eine Wabe aus dem Stock, die mit Bienen voll besetzt ist. „Sie können ganz dicht rankommen. Die tun nichts. Es ist gar nichts los. Keine Aufregung, die Bienen sind ganz ruhig.“ Dann zeigt der Imker auf die Wabe. „Wenn Sie hier jetzt gucken, die Wabe ist voll mit Honig. Das ist alles Futter, was sich die Bienen für den Winter eintragen.“

Doch dann entdeckt Rainer Götze einen Eindringling in dem Bienenstock. „Da ist eine Wespe, die sich hier reingemogelt hat. Das ist das Problem in diesem Jahr. Wir haben unheimlich viele Wespen.“ Auch die Bienen müssten sich gegen diese Insekten wehren. Denn die Wespen versuchten, in die Bienenstöcke zu gehen und das Futter zu klauen. „Wenn die Bienen schwach sind, können die Wespen ein Bienenvolk sogar plattmachen.“ Ein Imker aus dem Verein habe 2017 mehrere Völker durch Wespen verloren. Derzeit nimmt Götze mit Ameisensäure die Behandlung gegen die Varroamilbe vor, die der gefährlichste Feind der Bienen ist. Befreundete Imker seien zwar der Meinung, dass die Varroamilbe in diesem Jahr kein so großes Problem sei. „Doch das muss sich erst noch zeigen.“

Im vergangenen Winter hielten sich Götzes Verluste in Grenzen. „Ich habe nur zwei Völker verloren.“ Zehn Prozent Schwund seien ganz normal. Vor zwei Jahren, als in Deutschland 170000 Völker eingegangen sind, war auch der Travenbrücker betroffen. „Von 30 Völkern, die ich eingewintert habe, habe ich 18 verloren.“

„Doch dieses Jahr ist ein sehr gutes Bienenjahr“, so das Fazit von Götze. „Von meinen zehn Völkern habe ich neun neue Ableger machen müssen, weil sie sonst explodiert wären. Der Nachwuchs hat sich unheimlich gut entwickelt.“

Britta Matzen

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