Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Nur 400 Flaschen: Schleswig-Holsteins seltenster Tropfen
Lokales Stormarn Nur 400 Flaschen: Schleswig-Holsteins seltenster Tropfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 29.10.2019
Piet Zijlstra (l.) und Jörn Andresen haben die erste Weinlese gemacht. Quelle: Bettina Albrod
Bargteheide

Jörn Andresen und Leon Zijlstra sind seit zwei Jahren Weinbauer in Bargteheide. 2017 haben sie auf 1,6 Hektar Land zwischen Bargteheide und Delingsdorf vier verschiedene Rebensorten angepflanzt, um daraus später Wein zu gewinnen. Nachdem ein dritter Partner sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, machten die beiden alleine weiter. Nach ersten Jahren Hege und Pflege konnten sie jetzt die ersten Weintrauben für die Weingewinnung ernten und 300 Liter zu einer Kellerei in den Niederlanden bringen. Dort reifen sie nun in einem eigenen Fass zu Bio-Weißwein heran. Zwischen März und Mai sollen die ersten 400 Flaschen mit dem edlen Tropfen aus Stormarn in der Baumschule Andresen verkauft werden.

Frost machte Wein zu schaffen

„Das ist das erste Mal, dass aus unseren Trauben Wein gemacht wird“, erzählen Jörn Andresen und Piet Zijlstra, der regelmäßig in der Weinfläche arbeitet, die sein Sohn mit angelegt hat. „Eine Jungpflanze braucht etwa fünf Jahre, bis sie gute Erträge bringt.“ Zumal der Anfang in Stormarn zunächst holprig war. 2017 und 2018 haben einige kalte Wochen das Wachstum gebremst, und in diesem Jahr gab es am 4. Mai Frost und dann einen nassen Sommer. „Wir haben die Sorten Solaris, Riesel, Johanniter und seit 2018 auch Muscaris gepflanzt“, sagt Andresen. Testweise wächst auch eine Reihe Riesling heran. Durch die eine Frostnacht lagen die Weinhoffnungen aber zunächst auf Eis. „Als wir das Feld am nächsten Tag besucht haben, sah es aus wie verbrannt“, erinnert sich Andresen. Die jungen Blüten, die schon weit gediehen waren, waren erfroren. „Da war alles weg.“

Piet Zijlstra füllt die geernteten Trauben in Kisten. Quelle: privat

Neue Hoffnung keimte, als die Reben 14 Tage später sogenannte „schlafende Augen“ entwickelten – Notknospen, die bei frühen Weinsorten wie Solaris noch mal Blüten treiben. „Entdeckt haben wir das erst später, weil die Notknospen anders wachsen, dadurch lagen die Trauben anfangs unter Blättern versteckt und haben nicht so viel Sonne abbekommen“, sagt Andresen. Aber dann gab es doch genug Trauben, um nun die erste Weinernte einzubringen. Gemeinsam mit Familie, Freunden und Bekannten haben sie die Lese geschafft. „Die Trauben sind nicht ganz so süß wie im Vorjahr, aber immer noch sehr gut“, erklärt Jörn Andresen.

Raubvogel-Flugdrachen für alle Fälle

Das lockt auch tierische Mitesser an. Um die Früchte zu verteidigen, haben Andresen und Zijlstra auch schon mit dem Gedanken gespielt, große Raubvogeldrachen über dem Feld schweben zu lassen, um unerwünschte Räuber zu vertreiben. „Wir hatten aber kaum Vogelfraß, und auch Rehe und Hasen waren kein Problem.“ So blieben die Flugdrachen in diesem Jahr am Boden.

Im Oktober konnte geerntet werden. Die Trauben kamen in Kisten auf einen Anhänger und wurden dann von den Weinbauern persönlich in die Niederlande gefahren. „Dort gibt es eine Kellerei, die auf kleine Weingüter wie unseres spezialisiert ist und sich seit 17 Jahren mit den norddeutschen Sorten auskennt“, begründet Piet Zijlstra die Wahl. Das Bargteheider Weinfass sei das kleinste dort, aber sie stünden ja auch erst ganz am Anfang. Erste Messungen in der Kellerei hätten ergeben, dass aus den Bargteheider Trauben ein sehr guter Wein zu erwarten sei. „Wir werden zwischendurch immer mal zur Weinprobe hinfahren.“

In den Niederlanden reift der Bargteheider Wein im eigenen Fass. Quelle: privat

Verarbeitet haben die Bargteheider im vergangenen Jahr die Trauben schonmal als Federweißen. „Damals reichten die Trauben nur für 80 Flaschen, die wir mit Freunden und Helfern geteilt haben“, so Andresen. „Für die Vermarktung waren es zu wenig.“ Viele Helfer unterstützen die Stormarner Weinbauern bei der Pflege des Bodens, der Reben und beim Ernten auf dem Weinberg. Mit zwei Prozent Steigung ist er nicht besonders steil, aber Weinberg darf sich alles nennen, wo Wein angebaut wird.

Solaris heißt die norddeutsche Weinsorte. Quelle: Bettina Albrod

Weinanbau muss vom Land genehmigt werden

Die Genehmigung zum Anbau haben die Männer von der Bundesanstalt Schleswig-Holstein für 3,3 Hektar Weinanbaufläche bekommen – so kann die genutzte Anbaufläche noch erweitert werden. Über 5000 Reben haben die Bargteheider schon angepflanzt. „Wir hatten vergangenes Jahr Besuch von Schleswig-Holsteins Weinbeauftragter“, sagt Andresen. „Auch ansonsten stößt unser Weinprojekt auf großes Interesse.“ Andere Winzer haben Bargteheide besucht, Studenten waren da, Senioren. Und Andresen erklärt gerne, was sie da machen. Umgekehrt waren auch sie bei norddeutschen Winzern, die ihnen viele Tipps gegeben hätten.

Federweißer

Federweißer ist die deutsche Bezeichnung für neuen Weißwein. So wird ein aus weißen Rebsorten gepresster Traubenmost bezeichnet, dessen Gärung gerade erst begonnen hat. Federweißer hat seinen Namen daher, dass er durch die enthaltenen Hefen trüb und weißlich ist. Der Alkoholgehalt liegt bei rund vier Prozent.

Der Klimawandel spielt den Winzern in die Hände, denn die höheren Temperaturen lassen Wein auch im Norden gut gedeihen. Allerdings nur Weißwein: „Für Rotwein sind Lagen im Süden besser geeignet.“ Irgendwann wollen die Bargteheider ihren Wein auch ausschenken. „Wenn es noch mehr Wein gibt, wollen wir im Sommer eine kleine Weinbar aufmachen, an der man bei Radtouren am Sonntagnachmittag ein Glas Wein und einen Snack bekommen kann“, plant Andresen. Vorher gibt es den Wein auch als Brotaufstrich: Zehn Reihen Reben sind noch übrig, die erst später reifen, und daraus soll in diesem Jahr Weingelée gekocht werden.

Von Bettina Albrod

Ein schwerer Küchenbrand hat am Montagabend in Zarpen einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Schlimmeres wurde offenbar nur durch das couragierte Eingreifen von Nachbarn verhindert. Sie zogen einen Mann aus dem Haus und alarmierten die Feuerwehr.

28.10.2019

Gut 5000 Menschen sollen im Kreis Stormarn jetzt zusätzlich mit schnellem Mobilfunk versorgt sein, teilte das Unternehmen mit. Weitere Baumaßnahmen sind 2019 und 2020 geplant.

28.10.2019

Die „Trecker-Demos“ in Kiel haben auch bei dem Stormarner Christdemokraten ihre Wirkung nicht verfehlt. Auf dem Kreisparteitag in Großhansdorf solidarisierten sie sich ausdrücklich mit der Landwirtschaft. Ministerpräsident Daniel Günther mahnte aber zur Einhaltung der Klimaschutzziele.

28.10.2019