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Stormarn Bis November bleibt das Flatterband
Lokales Stormarn Bis November bleibt das Flatterband
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09:16 02.05.2014
Hilfsposten Bernd Elsner am Bahnübergang in Rohlfshagen. Bis November müssen er und seine Kollegen dort noch Dienst tun.
Hilfsposten Bernd Elsner am Bahnübergang in Rohlfshagen. Bis November müssen er und seine Kollegen dort noch Dienst tun. Quelle: Fotos: von Dahlen
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Rohlfshagen

Geburtstage rufen meist gute Laune hervor. Am Bahnübergang von Rohlfshagen wollte gestern keine Feierstimmung aufkommen. Das einjährige Bestehen des manuellen Schrankbetriebs vermochte keine Begeisterung bei den Autofahrern auszulösen. Sie mussten zwischenzeitlich lange anstehen, um ihren Weg auf der Kreisstraße 61 fortsetzen zu können.

Kurz nach 10 Uhr war der Übergang noch einige Minuten geöffnet, dann spannten Mitarbeiter der Reinbeker Firma NGG ein girlandenartiges Absperrband darüber: Ende im Gelände für fast eine halbe Stunde.

Erst rauschte der Zug aus Bargteheide vorbei, einige Zeit später eine einzelne Lok, dann drei weitere Züge: einer in Richtung Lübeck und zwei weitere Richtung Hamburg. Die Nervosität war den wartenden Kraftfahrern anzumerken. Viele trommelten mit den Fingern aufs Lenkrad ein, einige wendeten ihren Wagen hektisch und fuhren dorthin zurück, woher sie gekommen waren.

„Das ist vielleicht ärgerlich. Es lässt sich aber nicht ändern“, sagte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Er hatte sich eigens an Ort und Stelle begeben, um im Detail über die Ursache der Störung am Rohlfshagener Bahnübergang aufzuklären und zu berichten, wie lange die Zwischenlösung noch andauern wird. Nach einem Blitzschlag sei das Schalterhäuschen im April vergangenen Jahres komplett zerstört worden, erklärte Meyer Lovis (siehe Kasten).

Der Schaden sei letztlich größer gewesen als zunächst angenommen. „Wir hatten erst gedacht, es wäre mit einer einfachen Instandsetzung getan. Doch dann stellte sich heraus, dass ein Neubau erforderlich war“, erklärte der Bahnsprecher. Dies habe aufwändige Planungen nach sich gezogen. Anders als beim Bauen im Bestand sei in diesem Fall ein Genehmigungsverfahren nötig gewesen.

Die Bahn AG habe ein Planfeststellungsverfahren anstreben und Absprachen mit dem Eisenbahnbundesamt treffen müssen. Ganz zu schweigen von den Vorbereitungen zur Finanzierung des Projekts. „Aus rechtlichen Gründen dürfen diese Dinge nicht parallel laufen, sondern müssen hintereinander abgearbeitet werden“, sagte Meyer-Lovis.

Normalerweise dauere ein solches Verfahren drei Jahre. Und das sei kein Problem, weil vorausschauend geplant werde. Im Falle des Schalterhäuschens handele es sich aber um höhere Gewalt. Niemand habe wissen können, dass ein Schaden eintrete. Alle Beteiligten hätten mit Hochdruck gearbeitet. Schneller als binnen eines Jahres sei es nicht möglich, alle Genehmigungen für ein solches Projekt einzuholen.

Mit dem Abriss des alten Schalterhäuschens muss übrigens eine Spezialfirma beauftragt werden, da es mit Batteriesäure verseucht ist. Der kontaminierte Bauschutt wird als Sondermüll entsorgt. Mit dem Neubau soll dann im September begonnen werden. Zugleich werden die Lichtzeichen und die Schranken erneuert — Letztere mit etwas größerem Abstand zur Straße hin. Die Gesamtinvestition beträgt inklusive der Personalkosten für den manuellen Schrankenbetrieb 500 000 Euro.

Bis November soll es dauern, bis alles fertig ist und so lange müssen Kraftfahrer noch mit zeitweiligen Staus rechnen. Immerhin passieren täglich 150 Züge den Rohlfshagener Übergang. Anders als bei einer automatischen Schrankenanlage, die binnen Sekunden gesteuert wird, sobald Züge über einen Schienenkontakt gefahren sind, nimmt die manuelle Steuerung mehr Zeit in Anspruch.

Die Bahnstreckenposten bekommen telefonisch vom Fahrdienstleiter Bescheid, wenn ein Zug den Bahnhof Richtung Rohlfshagen verlässt. Zwei Minuten später muss die Ersatzschranke gespannt sein. „Anders geht es nicht. Die Züge fahren mit 140 Stundenkilometern hier vorbei. Wenn ein Auto nicht rechtzeitig vom Übergang wegkommt, ist die Katastrophe da“, sagt Meyer-Lovis.

Und so werden Klaus Höse und Bernd Elsner bis auf Weiteres ihren Posten in Rohlfshagen beziehen, im Drei-Schicht-System mit anderen Kollegen.

Als der Blitz einschlug
Ein Gewitter führte am 19. April 2013 zur Havarie an der Bahnstrecke Hamburg—Lübeck. Gegen 11.30 Uhr schlug bei Rohlfshagen der Blitz ein. Die Folgen waren fatal: Im Schalterhäuschen, das elektronische Bauteile zur Steuerung der Schrankenanlage enthält, explodierte eine Batterie. Die giftige Säure spritzte heraus und ergoss sich an den Wänden des Häuschens.


Der Ausfall der Bahnanlage wurde im elektronischen Stellwerk sofort registriert und ein Notfallprogramm eingeleitet: Der Fahrdienstleiter wies alle Zugführer auf der Strecke Hamburg— Lübeck an, sich dem Bahnübergang Rohlfshagen nur noch in Schrittgeschwindigkeit zu nähern, da sich die Schranken nicht mehr senken ließen.


Um sicherzugehen, dass ihnen nicht doch im letzten Moment noch ein Auto von der Kreisstraße 61 in die Quere kam, mussten die Zugführer am Bahnübergang nicht nur stoppen, sondern sogar aussteigen und kontrollieren, ob die Kreuzung frei ist, bevor sie ihre Fahrt fortsetzen konnten.


Für solche Notfälle unterhält die Deutsche Bahn AG Verträge mit Firmen, die auch Bauarbeiten an Gleisen absichern. So konnte binnen kürzester Zeit ein Notdienst organisiert werden. Seitdem sorgen Mitarbeiter der Reinbeker NGG für die Sicherheit am Rohlfshagener Bahnübergang.

Dorothea von Dahlen