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Stormarn „Buddy“ allein zu Haus
Lokales Stormarn „Buddy“ allein zu Haus
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20:10 28.03.2018
Nils Bollenbach aus Bargteheide hat viele Videoaufzeichnungen von Hund „Buddy“ für sein Forschungsprojekt „Allein gelassener Hund“ gemacht.
Nils Bollenbach aus Bargteheide hat viele Videoaufzeichnungen von Hund „Buddy“ für sein Forschungsprojekt „Allein gelassener Hund“ gemacht. Quelle: Foto: Bettina Albrod
Bargteheide

Das Forschungsobjekt ist der 16-jährige Hund seiner Großeltern, der nur ein Jahr jünger ist als der Schüler. „Zwischen uns besteht eine besondere Beziehung. ,Buddy‘ betrachtet mich als eine Art Rudelmitglied, weil wir fast gleich alt sind.“

„Buddy“ ist 16 Jahre alt und bleibt offenbar gern allein. Quelle: Foto: Hrf

Von dem Wettbewerb „Jugend forscht“ hatte die Lehrerin berichtet. „Ich wollte gern mitmachen“, erzählt Nils. Seine Projektidee hatte er, als er seine Großeltern besuchte. „Meine Großmutter hat immer den Fernseher für den Hund angelassen, wenn sie wegging, damit er sich nicht so alleine fühlt. Sie meint, er sei dann ruhiger, wenn sie nach Hause kommen.“ Nils Bollenbach fragte sich, ob das wohl stimmt. Die Idee, für das Projekt das Sozialverhalten eines allein gelassenen Hundes zu untersuchen, war geboren. In dem Jack Russell-Beagle-Mischling hatte er sein ideales Forschungsobjekt gefunden.

„Wie beim Hund ist es auch bei Menschen teils nicht vermeidbar, allein gelassen zu werden“, schreibt der Bargteheider in seinem Bericht. „Es ist bekannt, dass sich dies nicht gut auf die Entwicklung auswirkt. Gerade bei Kindern kann es zu massiven Schäden führen. Somit verfolgte ich den Ansatz, das Verhalten des Hundes auf psychische Krankheitsbilder von Menschen zu beziehen.“

Für seine Beobachtungen kaufte sich der Schüler eine Wildkamera, die einen Bewegungsmelder hat und immer dann filmt, wenn sich im Raum etwas bewegt. Die Kamera richtete er auf „Buddys“ Körbchen aus.

Zehn Sekunden dauert eine Filmsequenz, die bei allen Experimenten immer dasselbe zeigte: „Anfangs läuft der allein gelassene Hund ein bisschen herum, dann legt er sich hin und schläft.“ Weder rüttelte er am Kühlschrank noch probierte er das Sofa aus – „Buddy“ blieb dem Körbchen treu und spielte höchstens ein bisschen Ball. „,Buddy‘ ist eher abends und nachts aktiv“, hat Nils Bollenbach außerdem beobachtet, „das ist die Zeit, zu der meine Großmutter nach der Arbeit nach Hause kommt. Deshalb habe ich die Experimente schließlich in die Abendstunden verlegt.“

Das Ergebnis blieb das gleiche: Erst lief Buddy ein bisschen herum, trug einen Ball von rechts nach links, dann kletterte er ins Körbchen und schlief ein. „Beim zweiten Versuch habe ich alle Spielzeuge weggeräumt, mit denen ,Buddy‘ sich immer beschäftigt.“ Das ließ „Buddy“ aber kalt. Er ging schlafen. Beim dritten Versuch tobte der Schüler mit dem Hund herum und schenkte ihm viel Aufmerksamkeit, ehe er die Kamera anschaltete. „Erst war er noch ein bisschen aktiv, dann wurde er müde und stieg in sein Körbchen.“ Gerne hätte der junge Forscher gewusst, ob Buddy wirklich schlief oder nur die Augen schloss. „Dafür habe ich einen Pulsmesser mit Elektroden. Um die anzubringen, hätte ich ’Buddy’ aber an ein paar Stellen kahl rasieren müssen, und das fand mein Großvater dann nicht so gut.“

Der Hund blieb haarig, damit war das Experiment „Allein gelassener Hund“ zu Ende. Nils schrieb seinen Bericht und kann 300 Minuten Filmmaterial vorlegen. „Ich bin mir bewusst, dass ein einzelner Hund nicht ausreicht für allgemeine Erkenntnisse“, sagt er. „Aber das Forschen hat Spaß gemacht, auch wenn es sehr arbeitsintensiv war. Dafür habe ich die gesamten Winterferien gebraucht.“

Sein Fazit: „Wir Menschen interpretieren in einen Hund – oder zumindest in ,Buddy‘ – zu viel rein. ,Buddy‘ macht es gar nichts aus, wenn er allein ist.“ Beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“

in Elmshorn stieß sein Beitrag zumindest bei Hundebesitzern auf einiges Interesse. „Sie fanden es interessant und wollen das auch mal ausprobieren.“

Ein Video zum Hundeprojekt „Allein gelassener Hund“ ist unter LN-Online.de/videos zu sehen.

Von Bettina Albrod