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Stormarn Wie belastend wird der Güterzugverkehr in Stormarn?
Lokales Stormarn Wie belastend wird der Güterzugverkehr in Stormarn?
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Wenn die Fehmarn-Belt-Querung steht, wird der Güterzugverkehr in Stormarn zunehmen. Quelle: dpa
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Rahlstedt

Die „Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck“ wehrt sich gegen Pläne der Deutschen Bahn, den Güterverkehr auf der Schiene über die jetzt geplante Trasse von Wandsbek über Rahlstedt, Ahrensburg, Delingsdorf, Bargteheide, Bad Oldesloe und Reinfeld nach Lübeck rollen zu lassen. Laut Schätzung ihres Sprechers Claus-Peter Schmidt würden damit bis zu 120 Güterzüge am Tag durch bewohntes Gebiet fahren, sobald die Fehmarn-Belt-Querung steht. Die Initiative fordert eine alternative Trassenplanung entlang der A 1.

Zwei zusätzliche Gleise für Megagüterzüge

„Wir sind nicht gegen die S 4“, betont Schmidt. Um diese zu finanzieren, sei das Projekt jedoch als Mischverkehr ausgewiesen worden. Das bedeute, dass über zwei zusätzliche Gleise künftig Megagüterzüge von Südeuropa nach Skandinavien fahren würden. Mit bis zu 835 Meter Länge bedeuteten die Züge eine große Belastung für Anwohner und Umwelt. „Es ist vorher nicht bekannt gemacht worden, dass es sich dabei um eine EU-Trasse handelt“, kritisiert Schmidt. Das aber würde bedeuten, dass dort auch Gefahrgut transportiert und Atommüll nach Finnland ins Endlager gebracht würden. Den Anliegern würden sechs Meter hohe Lärmschutzwände in die Gärten gebaut. Teilweise müssten sie elf Meter Grundstück abgeben, damit die zusätzlichen Gleise gebaut werden könnten.

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Alternativtrasse entlang der A 1

Im weiteren Verlauf der Strecke HamburgLübeck sehe die Planung außerdem vor, dass die Gleise durch das Naturschutzgebiet Ahrensburger Tunneltal führen. Und das, obwohl die Deutsche Bahn Glyphosat einsetze, um die Schienen frei zu halten. „Das ist völlig unmöglich“, erklärt Schmidt. Rechtlich sei für solche Strecken die Planung einer Alternativtrasse notwendig, die sei in diesem Fall aber nicht erfolgt. Deshalb habe die Bürgerinitiative einen Gutachter beauftragt. „Dr. Martin Vieregg hat ein Gutachten erstellt, nach dem die Alternativtrasse entlang der A 1 kostengünstiger gebaut werden könnte als die bisher geplante Strecke“, erklärt Schmidt. „Außerdem könnten die Züge dort schneller fahren, was dem Deutschlandtakt zugute kommen würde.“ Der Deutschlandtakt soll einen Fahrplan für das ganze Land koordinieren, damit der Schienenverkehr möglichst effektiv funktioniert.

Allerdings gebe es laut Gutachter bei der Alternativtrasse in Großhansdorf und in Billstedt zwei Engstellen, die den Bau eines Tunnels erforderlich machten. Dafür bleibe das Naturschutzgebiet unberührt, so Schmidt. Beim Thema Tunneltal bekommen Schmidt und seine rund 70 Mitstreiter Unterstützung durch den Verein Jordsand in Wulfsdorf und die Interessengemeinschaft Tunneltal in Ahrensburg. „Wir müssen uns fragen, welchen Wert Begriffe wie Grabungsschutzgebiet, Geotop, Naturschutzgebiet oder Natura 2000 in unserer Gesellschaft zukünftig haben sollen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von IG Tunneltal und Verein Jordsand unter der Überschrift „Transeuropäischer Schienengüterverkehr darf nicht durchs Tunneltal rollen!“. Immerhin sei das Tal Stätte einmaliger archäologischer Funde von eiszeitlicher Rentierjägerkultur sowie ein hochsensibles Naturschutzgebiet.

Deutsche Bahn sieht keine Alternative

Die Deutsche Bahn sieht keine Alternative zu der geplanten Strecke. „Wir befinden uns in der Planfeststellung. Zu diesem Zeitpunkt ist eine alternative Variantenuntersuchung nicht mehr vorgesehen. Durch eine Trasse entlang der A 1 würden nur neue Betroffenheit in Bezug auf Flächen und Lärmbelastung ausgelöst“, erklärt Peter Mantik, Sprecher der Deutschen Bahn. Es seien sämtliche Aspekte bei der Trassenfindung berücksichtigt worden inklusive einer großräumigen Variantenbetrachtung, die sich auch in den Planfeststellungsunterlagen finde. Dies sei die aus Sicht der Deutschen Bahn optimale Route. Dazu komme, dass viele Grundstücke bei der jetzigen Trassenplanung der Deutschen Bahn oder der Stadt Hamburg bereits gehörten.

Der Zugverkehr werde in der Tat zunehmen, so Mantik weiter, in einer Prognose sei die Rede von 78 Güterzügen, die nach Fertigstellung der Fehmarn-Belt-Querung pro Tag über die Strecke rollen werden. „Die Güterzüge werden eine Länge von maximal 835 Meter haben.“ Welche Güter auf der Fehmarnbelt-Strecke fahren werden, wisse man heute noch nicht. Was das Glyphosat angehe, würden bei der DB ausnahmslos Herbizidprodukte wie Glyphosat angewendet, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bisher speziell für den Gleisbereich zugelassen seien.

Bürgerinitiative erwägt Klage

„Qualifizierte Fachfirmen arbeiten nach strengen Kriterien im Auftrag der Bahn. So wird Glyphosat nicht in Schutzgebieten und über offenen Gewässern sowie auf Brücken eingesetzt. Darüber hinaus konnte die Einsatzmenge durch verbesserte Technik in den letzten Jahren reduziert werden.“ Der Einsatz sei aber unumgänglich, weil das Gleisbett frei von Bewuchs gehalten werden müsse. „Derzeit stellen weder thermische noch mechanische Verfahren eine Alternative zum begrenzten Einsatz von Herbiziden im Gleisbereich dar.“ Im Dialog mit der Forschung werde aber nach Alternativen gesucht.

Als letzten Schritt erwägt die „Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck“ den Gang vor den Richter. „Wir werden vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gehen“, kündigt Claus-Peter Schmidt an. „Wir klagen, sobald es geht.“ Bei der Deutschen Bahn setzt man auf Dialog. „Wir versuchen alle Menschen an der Strecke bestmöglich über unsere Planungen zu informieren, zum Teil sogar bei persönlichen und individuellen Hausbesuchen – auch mit dem Ziel, einen Konsens zu erreichen“, erklärt Peter Mantik.

Bettina Albrod