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Stormarn Bunter Protest gegen AfD-Veranstaltung
Lokales Stormarn Bunter Protest gegen AfD-Veranstaltung
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18:10 08.04.2016
Reinbek

. Zwei Türsteher, die aussahen wie Türsteher, standen am Donnerstag vor dem Eingang zum Reinbeker Schloss. Die AfD hatte hier schlechte Erfahrungen gemacht: Im Februar sollte schon einmal Paul Hampel, Landesvorsitzender der Partei in Niedersachsen und Mitglied des Bundesvorstandes, reden. Damals war der ehemalige ARD-Korrespondent gar nicht erschienen, dafür aber eine Gruppe Demonstranten. Deshalb waren nun gleich mehrere Polizeibeamte dabei, um für einen friedlichen Ablauf zu sorgen.

Mitglieder der Glinder Initiative M.u.T. protestierten vor dem Reinbeker Schloss gegen die Veranstaltung der AfD im Haus. Quelle: ba

„Die Flüchtlinge werden nur die schlechten Jobs in Deutschland bekommen.“ Paul Hampel, AfD

Die Gegner der Veranstaltung standen auch diesmal wieder vor der Tür, aber ihre Zahl war überschaubar, genauso wie die der Besucher. Kaum 50 Leute füllten zwei Drittel des kleinen Saals, der Altersdurchschnitt lag deutlich über 60 Jahre. „Zuerst kommen Parolen, dann brennen Häuser und was folgt dann?“, stand auf den Blättern, die Mitglieder des Aktionsbündnisses Menschlichkeit und Toleranz (M.u.T.) aus Glinde verteilten. „Es ist schrecklich, dass eine Partei wie die AfD hier ihre Parolen loswerden kann“, urteilte Niels Brock von M.u.T..

Im Saal eröffnete derweil Julian Flak, AfD-Vize aus Hamburg, den Abend ganz ohne Parolen, während eine kleine Gruppe von Gegnern vor dem Fenster mit Tröten und Trommeln versuchte, die Akustik zu erschweren. Flak warnte davor, mit den Flüchtlingen Terroristen ins Land zu lassen, sprach sich für eine Ausweisung jener Zuwanderer aus, die eine schwere Straftat begehen, und versuchte auszurechnen, wie viel Prozent Nicht-Deutsche für den Anstieg der Kriminalitätsrate zuständig seien. „Die AfD fordert ein Herabsetzen der Abschiebehemmnisse für Leute, die Straftaten begehen.“ Er schlug vor, straffällige Zuwanderer in sichere Drittländer „die ihnen kulturell näher stehen“, abzuschieben. „Die Strafmündigkeit sollte von 14 auf zwölf Jahre herab gesetzt und die Polizei personell verstärkt werden.“ Er warnte davor, dass die Zuzügler ihre Konflikte untereinander mitbringen würden.

Dann trat Ex-Journalist Paul Hampel ans Pult, nachdem der Moderator darauf hingewiesen hatte, dass 70 Prozent aller Journalisten links oder grün seien, aber Hampel nicht. Der war der EU nicht grün und schlug den Bogen vom ungeliebten Euro zum ungeliebten Flüchtling, der aufgrund eines Rechtsbruchs ins Land gelassen werde. Die Zukunft der Flüchtlinge sieht Hampel pessimistisch. „Sie werden nur die schlechten Jobs bekommen und weniger als den Mindestlohn verdienen.“ Damit bestehe die Gefahr, dass sie anderen den Job wegnähmen. Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse für die AfD warnte Hampel vor zu viel Optimismus: Die Wahlergebnisse seien zwar gut, aber nur aus Enttäuschung über die Politik von SPD und CDU. ba

LN