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Stormarn Oldesloer Gretchen-Frage: Wie hältst du es mit Amazon?
Lokales Stormarn Oldesloer Gretchen-Frage: Wie hältst du es mit Amazon?
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16:53 05.11.2019
Karsten Frost stellte im August die Amazon-Pläne im Wirtschaftsausschuss vor. Quelle: ba
Bad Oldesloe

Wie umgehen mit der Ansiedlung von Amazon im Oldesloer Gewerbegebiet Teichkoppel an der A 1? Darüber debattierten erneut die Mitglieder des städtischen Wirtschafts- und Planungsausschusses am Montagabend, erstmals unter der Leitung von Hartmut Jokisch (Grüne).

Nach dem ersten Schock und Diskussionen um Billiglöhne, prekäre Arbeitsverhältnisse und eine extreme Zunahme des Lkw-Verkehrs gucken die Kommunalpolitiker nun nach vorne und wollen mit dem Online-Versandhändler im Gespräch bleiben. Großen Einfluss hat die Stadt auch nicht auf die Ansiedlung, das Projekt wird privatwirtschaftlich von der Firma PHE gemanagt.

Wilfried Janson (Grüne) begrüßte die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 des Großkonzerns zum Einsatz regenerativer Energien und zur Elektromobilität. Auch in Bad Oldesloe will Amazon viele Elektrofahrzeuge einsetzen, um die Pakete auszuliefern. „Leise und emissionsarm“, sagte Janson, „das ist vor allem wichtig bei Fahrten durch das Stadtgebiet zum Beispiel Richtung Bad Segeberg.“

Großes Solardach

Er wünscht sich zudem, dass das Unternehmen auf seinem etwa ein Hektar großen Lager eine Photovoltaikanlage installiert. Janson rechnete vor: „1000 Kilowatt peak ließen sich damit erzeugen. Alle Dächer in Bad Oldesloe kommen bislang auf 3000 Kilowatt.“ An anderen Standorten hat Amazon bereits ähnliches realisiert, auch für Bad Oldesloe ist so ein Riesen-Solardach im Gespräch. „Eine feste Zusage dafür gibt es jedoch noch nicht. Darüber entscheidet der Aufsichtsrat“, sagte der kommissarische Bauamtsleiter Kurt Soeffing.

Er verwies jedoch darauf, dass Amazon bis 2040 CO2-neutral werden wolle. In Bad Oldesloe wolle das Unternehmen zudem eigene Ladesäulen bauen und im Umkreis von 100 Kilometern alle Fahrten mit Elektromobilen machen.

An die eigene Nase fassen

Auch Jens Wieck von der CDU hat hauptsächlich den Verkehr im Auge, sagt aber auch zu der ganzen Debatte: „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen, weil wir alle immer mehr im Internet bestellen.“ Dabei gehe es nicht nur um Bestellungen bei Amazon, sondern zum Beispiel auch bei Möbelhäusern oder Versandapotheken. „Wir bestellen morgens und wollen abends unser Paket haben“, so Wieck weiter. Da müsse man sich gar nicht wundern über mehr Lieferverkehr.

Jens Wieck sieht in Amazon eine Chance für die Stadt; denn es gebe auch genug Oldesloer, die keine Möglichkeit fänden, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bad Oldesloe könne nicht die Rahmenbedingungen zum Beispiel in Sachen Mindestlohn bestimmen, da sei der Staat gefordert. Amazon will den avisierten 150 Mitarbeitern einen Brutto-Mindestlohn von 11,37 Euro zahlen.

Hohe Kosten für Feuerwehr und Firma

Auf der Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses ging es auch um den Anbau an die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Rethwischfeld. Dieser wird benötigt für den Mannschaftstransportwagen. Bereits für 2019 hatte die Stadt Bad Oldesloe einen Förderantrag beim Land gestellt, der jedoch negativ beschieden wurde. Grund war eine mangelhafte Planung, der Anbau habe nicht den DIN-Normen entsprochen. Die überarbeitete Planung ist nun um rund 50 000 Euro auf die Gesamtsumme von 300 000 Euro geschnellt, der Eigenanteil der Stadt würde von 91 684 Euro auf 112 200 Euro steigen. Die Politiker sind jedoch dagegen, dass die Stadt den Mehranteil trägt. Dafür solle der Planer haften. Eine Förderzusage des Landes steht derzeit noch aus.

Um viel Geldgeht es auch bei der Reaktivierung des Industriegleises im Gewerbegebiet Rögen. Neue Berechnungen gehen von einer Summe von 950 000 Euro aus – 300 000 Euro mehr als bislang geplant. „Der Zustand des Gleises ist bedenklich“, sagte Bauamtsleiter Kurt Soeffing und sieht großen Sanierungsbedarf. Trotz Förderung von Bund, Land, Kreis und Wirtschaftsförderung müsse Bad Oldesloe in den kommenden zehn Jahren etwa 100 000 Euro jährlich dazuschießen. Das stieß bei den Politikern auf erhebliche Skepsis. Nun sollen weitere Gespräche mit dem Land folgen. Betrieben werden soll das Gleis von der AKN, Nutzer ist nach derzeitigem Stand nur die Firma Arcelor Mittal.

Höhere Sozialleistungen?

Auch die SPD befürchtet nicht nur mehr Verkehr auf den Straßen von Bad Oldesloe, sondern fragt auch nach weiteren Folgen für Stadt. Wie sieht die Nahverkehr-Anbindung aus? Muss neuer sozialer Wohnraum geschaffen werden? Und kommen höhere Sozialleistungen durch die sogenannten Aufstocker auf die Stadt zu? Annika Dietel sieht erheblichen Klärungsbedarf.

„Das ist alles schwer abzuschätzen“, entgegnete Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos), rechnete aber vor: „Wer mit 1600 oder 1800 Euro brutto eine Familie ernähren muss, wird wohl Leistungen obendrauf bekommen müssen.“ Die FBO stellte zudem die Idee von Amazon-Betriebswohnungen in den Raum.

FDP-Frau Anita Klahn reichte es dann. „Es wurde bisher in Bad Oldesloe kein Unternehmen so kritisch beäugt wie Amazon. Wie mag das wohl auf andere Firmen wirken, die sich hier vielleicht ansiedeln wollen“, sagte die Liberale. Nicht mal das Krankenhaus verfüge über Betriebswohnungen. „Wir sollten uns freuen und fragen, was wir für Amazon tun können“, ergänzte Andreas Lehmann von der CDU.

Von Markus Carstens

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