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Stormarn Delingsdorf: Die ersten Erdbeeren sind da
Lokales Stormarn Delingsdorf: Die ersten Erdbeeren sind da
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20:40 03.05.2018
Agnieszka Stój (41) gehört zu den Saisonkräften, die jedes Jahr dafür sorgen, dass die Erdbeeren ins Körbchen kommen. Quelle: Fotos: Ulf–kersten Neelsen
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Delingsdorf

Noch reifen die Erdbeeren im geschützten Folientunnel auf dem Schwesterhof Hohen Wieschendorf in Mecklenburg-Vorpommern heran, ab Mitte Mai werden sie dann auch auf Stormarns Feldern erröten. Seit 55 Jahren baut die Familie Glantz Erdbeeren als Direktvermarkter an, und in den Jahrzehnten hat sich viel getan.

„Früher dauerte die Erdbeersaison vier Wochen“, sagt Enno Glantz zurückblickend, „heute dauert sie vier Monate.“ Von Mai bis August sind wechselnde Sorten im Anbau, so dass der Verbraucher den ganzen Sommer über frische Erdbeeren bekommen kann. „Im Anbau sind daneben immer auch zehn bis zwölf Sorten, die als Versuch getestet werden.“ Dabei komme es hauptsächlich auf Geschmack und Qualität der Früchte an, das sei wichtiger als ihr Ertrag.

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Drei von ihnen haben es in diesem Jahr auf die Liste der Erdbeersorten aus Delingsdorf geschafft und werden in den charakteristischen Erdbeer-Häuschen, die an 170 Standorten im Großraum Hamburg und weiteren 100 Ständen in Mecklenburg-Vorpommern stehen, angeboten werden. „Magnum“, „Elianny“ und „Faith“ heißen die drei Neuen, die Glantz sich zum 55. Hofgeburtstag schenkt, daneben wird es auch weiterhin die bewährten Klassiker „Florentina“, „Flair“ und „Malwina“ geben. „Der Verbraucher entscheidet letzten Endes, welche Früchte im Angebot bleiben.“

Blühstreifen für Bienen

Noch ein Geschenk hat Glantz sich zum 55. Hofgeburtstag überlegt, und das ist für den Naturschutz. „In diesem Jahr legen wir erstmals vier Meter breite Blühstreifen für Bienen und andere Insekten an den Feldern an“, kündigt Glantz an. Die Bestandsminderung der Insektenpopulation sei ein großes Problem, auf das nun mit Sonnenblumen, Johanniskraut, Klatschmohn, Salbei und anderen Wildblumen reagiert wird. „Wir wollen Initialzündung sein“, so Glantz, der künftig auch Samenmischungen im Sortiment haben wird. Denn Bienen sind unentbehrliche Helfer für Obstbauern, sind sie doch für die Bestäubung der Erdbeerpflanzen zuständig, die zwar Windbestäuber sind, die zusätzliche Hilfe durch Insekten aber gut gebrauchen können. „In den Folientunneln setzen wir Hummelschwärme ein, die wir dort freilassen“, erzählt Glantz.

Zu den summenden Helfern kommen 1500 Saisonkräfte auf beiden Höfen, die großteils aus Polen und Rumänien stammen. Sie werden zu Saisonbeginn geschult, wie man pflückt, und während der gesamten Erntezeit sind pro Team zwei Berater dabei, die zeigen, worauf es beim Pflücken ankommt. Auf 20 bis 25 Tonnen Erdbeeren pro Hektar hofft Glantz, der 200 Hektar bewirtschaftet, davon 30 Hektar im geschützten Anbau. „Wegen der hohen Frostschäden war die Ernte 2017 gering und teuer“, sagt Glantz, „in diesem Jahr beginnen die Erdbeeren mit 4,20 Euro pro Pfund für die Frühsorte, im Laufe des Sommers wird der Preis auf 3,70 Euro und in der Hochsaison noch darunter fallen.“

Für die kommende Woche ist viel Sonne angekündigt, so dass auch die Freilufterdbeeren schon bald zu haben sein werden.

 Von Bettina Albrod