Delingsdorf: Feuer vernichtet historisches Gebäude
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Delingsdorf: Feuer vernichtet historisches Gebäude

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08:10 31.07.2021
Ein Großfeuer hat ein historisches Landwirtschaftsgebäude in Delingsdorf zerstört.
Ein Großfeuer hat ein historisches Landwirtschaftsgebäude in Delingsdorf zerstört. Quelle: MOPICS
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Delingsdorf

Als am Freitagnachmittag gegen 17.30 Uhr Sirenen und Pieper die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Delingsdorf alarmierten, war nicht zu erahnen, welch gewaltiges Feuer ein historisches Landwirtschaftliches Gebäude in der Lübecker Strasse zerstören sollte. Selbst erfahrene Einsatzkräfte mochten kaum glauben, mit welcher Geschwindigkeit sich die Flammen in kaum mehr als einer halben Stunde ihren Weg durch fast das gesamte Gebäude suchen sollten.

„Wir waren kaum zwei Minuten an der Einsatzstelle, da hat schon das gesamte Dach durchgezündet“, erzählt ein Helfer sichtlich beeindruckt von dem, was er nur kurze Zeit zuvor erleben musste. Gleich mehrere Notrufe hatten am Nachmittag eine starke Rauchentwicklung aus dem Dach des Gebäudes gemeldet.

Rauchwolke selbst 17 Kilometer entfernt unübersehbar

Daraufhin wurden von der Integrierten Leitstelle Süd (IRLS) erste Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens alarmiert. Unterstützend für die Helfer der Delingsdorfer Wehr wurde die Drehleiter aus Ahrensburg zur Einsatzstelle geschickt. Schnell war für die ersten anrückenden Einsatzkräfte klar, dass dieses Feuer nicht mit eigenen Kräften zu bezwingen ist. Folgerichtig wurde das Alarmstichwort in zwei Stufen bis auf Feuer 3 erhöht. Schon über viele Kilometer war eine schwarze Rauchwolke über der Einsatzstelle zu sehen. Selbst im Luftlinie 17 Kilometer entfernten Westerau war diese unübersehbar.

Wie beeindruckend die Flammen waren, beschreibt ein benachbarter Gastronom: „Als der Pieper eines Mitarbeiter ging, dachte dieser an eine Übung. Als ich dann wenige Minuten später draußen nachgeschaut habe, konnte ich die Flammen über die Dächer der beiden Nachbarhäuser hinweg hoch in den Himmel schlagen sehen“, erzählt er, während er die Speisen für seine Gäste und Vorbestellungen zubereitet. „Sowas hab ich noch nie gesehen“, ergänzt er abschließend.

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Währenddessen treffen immer mehr Löschfahrzeuge in der Lübecker Straße ein. Auch zwei weitere Drehleitern aus Bad Oldesloe und Großhansdorf sind darunter. Diese sollen die Löscharbeiten aus der Höhe unterstützen. „An einen Innenangriff war sehr schnell nicht mehr zu denken. Wir hatten das versucht, haben diesen Versuch aber nach kürzester Zeit eingestellt“, berichtet der Harald Gewe, Amtswehrführer Bargteheide-Land. „Viel zu große Hitze und außerdem ist das Dach mit Ethernitplatten gedeckt. Also, Asbest! Immer wieder hört man diese platzen. Da gilt es zuallererst einmal die Einsatzkräfte zu schützen“.

Katze unversehrt aus dem Haus gerettet

Über die Leitern, drei Werfern und mehreren C-Rohren bekämpften die Einsatzkräfte die Flammen. Zugute kommt ihnen dabei paradoxer Weise die Wucht des Brandes. In nicht einmal 45 Minuten sind große Teile des Daches weggebrannt. Die schwarzverkohlte Dachkonstruktion bietet genügend Angriffsfläche für die Strahlrohre der Drehleitern. Am Boden schießen unzählige Einsatzkräfte von allen Seiten unaufhörlich Wasser auf das Gebäude. Unterstützt werden sie dabei von einem Radlader dessen Fahrer nicht einsehbare Teile des Daches und des Mauerwerks einreißt, um den Löschwasser freie Bahn zu schaffen. Löschwasser – dieses kommt glücklicherweise in großen Mengen aus einem Löschteich, der praktischerweise genau gegenüber der Brandstelle liegt. Mit Hochleistungspumpen fördern Helfer Wasser zu den Löschfahrzeugen. Dafür stehen sie zum Teil sogar bis zu den Hüften im Löschteich.

Großfeuer in Delimgsdorf vernichtet landwirtschaftliches Gebäude . Über 130 Feuerwehrleute im Einsatz. Rasant schnelle Ausbreitung des Feuers. Kilometer weit sichtbare Rauchsäule am Himmel.

Gegen 19 Uhr taucht plötzlich ein Rettungswagen und ein Notarzt am Einsatzort auf. Gerufen wurden sie für den Bewohner des Hauses. Der ältere Mann ist durch das Feuer zwar glücklicherweise nicht verletzt, muss aber durch eine Vorerkrankung unter Begleitung des Notarztes in eine Klinik gebracht werden. Auch seine Katze wird von den Einsatzkräften unversehrt aus dem Haus gerettet.

Löscharbeiten bis spät in die Nacht

Anschließend können dann sogar die ersten Angriffstrupps über den noch nicht ganz so beschädigten Wohngebäudeteil in den Innenangriff übergehen. Oberstes Ziel: Das Wohngebäude möglichst halten. Zuvor hatten sie schon ein etwa 20 Meter entferntes Reetdachhaus vor dem Übergreifen der Flammen geschützt. Während auf der Rückseite des Gebäudes Helfer unaufhörlich Wasser auf die qualmende Brandruine befördern und der Radlader dabei ist, am seitlichen Gebäude Teile der Mauer und der Dachkonstruktion zu entfernen, lässt sich an der Front des Wohngebäudes beobachten wie immer wieder Atemschutztrupps im Gebäude verschwinden. Bis spät in die Nacht geht das so. Mühsam arbeiten sich die Kräfte von Glutnest zu Glutnest. Bis in die frühen Morgenstunden sollte der Einsatz andauern. Ob Teile des Gebäudes gehalten werden können, mochte während der Löscharbeiten noch niemand vorhersagen.

Fakt ist, das sich das Feuer mit ungeheurer Wucht große Teile des Historischen Gebäudes unwiederbringlich genommen hat. Was den Brand ausgelöst hat, steht in der Nacht noch nicht fest. Die betroffen Gebäudeteile wurden von einer Firma für Strandkörbe und Gartenmöbel genutzt, ist vom Amtswehrführer zu erfahren. Die in Brand geratenen Materialien könnten seiner Meinung nach zu der immensen Hitzentwicklung beigetragen haben.

Ermittlungen zur Brandursache laufen

Beamte der Kriminalpolizei haben schon am Abend während der Löscharbeiten ihre Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der durch das Feuer entstandene Schaden konnte noch nicht beziffert werden. Er dürfte sich allerdings weit im hohen sechsstelligen Bereich befinden.

Aus sieben Freiwilligen Feuerwehren befanden sich später am Abend über 130 Helfer im Einsatz. Versorgt wurden diese über Einsatzkräfte der SEG des Kreises Stormarn, welche mit Getränken, Snacks und einer schmackhaften Speise aus dem großen Topf, Aufstellung am Einsatzort bezog.

Von Mopics