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Stormarn Erdbeersaison startet so früh wie noch nie
Lokales Stormarn Erdbeersaison startet so früh wie noch nie
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16:55 16.04.2019
Enno Glantz kann mit bald 75 Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Quelle: Bettina Albrod
Delingsdorf

Nur noch wenige Tag, dann beginnt die Erdbeersaison – in diesem Jahr so früh wie noch nie: Bereits Ende April können die ersten Früchte der Sorte „Flair“ geerntet werden, sie reifen gegenwärtig im Folientunnel. Es folgen dann die Sorten „Florentina“, „Magnum“, „Elianny“, „Faith“ und „Malwina“. Ernte-Ende ist erst Anfang Herbst. Möglich wird dies Dank der Sorte „Florentina“, die im August und September noch ein zweites Mal gepflückt werden kann und den Schlusspunkt der Saison bildet.

„Wir erwarten nach dem warmen Jahresanfang eine gute Ernte“, erklärt Enno Glantz, der seit 48 Jahren als Erdbeeranbauer in Delingsdorf und seit 1991 auch in Mecklenburg-Vorpommern selbstständig ist. Er feiert am 11. Juli seinen 75. Geburtstag und will sich jetzt aus dem Geschäft zurückziehen, aber weiter bei wichtigen Entscheidungen eingebunden bleiben. „Die Betriebsführung ist abgesichert.“

Enno Glantz als Kind: Mit einem Motorkarren wurden die Erdbeeren vom Feld gefahren. Quelle: Erdbeerhof Glantz

Von der Gartenfrucht zur Anbaufrucht

Die Erdbeere wurde Enno Glantz schon in die Wiege gelegt: Nach Flucht und Enteignung in Hohen Wieschendorf in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Stammgut der Familie steht, fand Vater Günther Glantz nach dem Krieg auf einem Staatsgut bei Hamburg eine neue Heimat, wo er als Gutsverwalter eingestellt wurde. Als Professor Sengbusch, der die Erdbeere auf einem Versuchsbetrieb in Ahrensburg erstmals als Anbaufrucht statt als Gartenfrucht gezüchtet hatte, Vermehrer für sein Produkt „Senga Sengana“ suchte, lehnte das Gut ab. „Da hat mein Vater begonnen, privat die Erdbeeren auf einem Feld anzubauen“, erzählt Enno Glantz. „Er gehörte zu den Pionieren beim Feldanbau der Erdbeere.“ Start war mit zwei Verkaufsständen, und als das Staatsgut später geschlossen wurde, beschloss Günther Glantz, sich selbstständig zu machen, in Delingsdorf Land zu pachten und dort Erdbeeren anzubauen.

Die Erdbeere als Kerngeschäft

Sohn Enno Glantz trat in seine Fußstapfen, machte 1972 die Meisterausbildung als Landwirt und übernahm den Betrieb. „Meine Hobbys sind Pferde und Erdbeeren“, sagt Glantz, „beides konnte ich in Delingsdorf miteinander verbinden.“ Kerngeschäft des Hofs ist der Erdbeeranbau, der in den Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen ist. Jedes Jahr konnte Glantz die Anbaufläche erweitern und weitere Verkaufsstände für die Direktvermarktung aufstellen.

„Zwei Umstände haben mir sehr geholfen“, sagt Glantz. Zum einen habe er nach der Wende das Familiengut in Hohen Wieschendorf zurückkaufen können, zum anderen habe er gemeinsam mit einem Kollegen die Idee gehabt, die Verkaufshäuschen in Form einer Erdbeere zu gestalten. „Das hatte einen guten Wiedererkennungswert, dadurch sind wir schnell bekannt geworden.“ Mittlerweile sieht man die Erdbeerhäuschen von Hamburg und Umland bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Für Glantz ist die Wachstumsgrenze jetzt erreicht. „In Zukunft soll der Bestand innerbetrieblich verbessert werden.“

Insektenschutz im Blick

Nachdem der Erdbeerhof Glantz bereits 2018 rings um seine Felder Blühstreifen für Insekten gesät hat, geht das Unternehmen jetzt noch einen Schritt weiter in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Drei eigens auf dem Hof in Delingsdorf entwickelte, innovative Landmaschinen ermöglichen die Umsetzung eines neuen Anbaukonzepts. Wo früher Stroh lag, wächst zwischen den Erdbeerreihen jetzt ein Gemisch aus Gras und Weißklee, das Nützlingen einen geeigneten Lebensraum bietet. „Wir leisten in einem Großversuch echte Pionierarbeit in Sachen Insektenschutz“, sagt Enno Glantz. „Ich sehe es als unsere Pflicht, im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Naturschutz verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.“

Anbau hat sich verändert

In den Jahrzehnten als Erdbeerbauer hat Enno Glantz viel Wandel erlebt. „Anfangs baute man eine Sorte an, und die Saison dauerte sechs Wochen“, blickt er zurück. „Heute dauert die Saison aufgrund mehrerer Sorten, die zu unterschiedlichen Zeiten reif sind, von Mai bis Ende August.“ Auch neue Anbaumöglichkeiten wie Wandertunnel, unter denen die Früchte gezielt reiften, und Bodenabdeckungen aus Vlies könnten den Anbau steuern. Dazu kommt ein verändertes Käuferverhalten, denn mittlerweile würden regionale Produkte sehr geschätzt. „Im Direktvertrieb verkaufen wir unsere Erdbeeren gleich nach dem Pflücken.“ Rund 1500 Saisonkräfte sind auf beiden Höfen zur Erntezeit beschäftigt.

Familie Glantz in der Anfangszeit. Quelle: Erdbeerhof Glantz

Weniger gut gefällt Glantz die Entwicklung bei der Gesetzgebung: „Das hat zu immer mehr Schreibtischarbeit und Auflagen geführt“, kritisiert er. „Wie man einen Knick am besten bewirtschaftet, weiß ein Landwirt selber.“ Neue Entwicklungen gebe es auch im Bereich der Digitalisierung. So habe der Erdbeerhof eigene Computer-Programme für seine Verwaltung, mit denen gearbeitet werde. „Man hört auch immer häufiger, dass Pflückroboter für die Ernte entwickelt werden“, so Glantz, „aber bis die so weit sind, dass sie die Menschen ersetzten können, wird noch einige Zeit vergehen.“

Himbeere werden immer beliebter

Gepflückt wird neben den Erdbeeren in Delingsdorf auch zunehmend die Himbeere, die mittlerweile auf Platz zwei beim Obstvertrieb steht. Weihnachtsbaumverkauf, das Hofrestaurant und in Kooperation mit einem Spargelbauer auch der Spargelanbau sind weitere Geschäftszweige bei Glantz. In Zukunft möchte Enno Glantz sich verstärkt der Pferdezucht widmen, aber auch weiter auf dem Erdbeerhof aktiv sein. Ob er den 75. Geburtstag feiert, weiß Enno Glantz noch nicht: „Ich habe nie gefeiert, weil mein Geburtstag immer mitten in der Erntezeit liegt.“

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Bettina Albrod

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