Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn „Der Bürgermeister muss mit anpacken“
Lokales Stormarn „Der Bürgermeister muss mit anpacken“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 02.06.2018
Wenn ein Pfälzer anfängt, Plattdeutsch zu sprechen, kann sich das in Nordstormarn nur um Wendelin Herbrand handeln. Hier genießt er von seinem Wintergarten aus die Idylle am Moorteich. Quelle: Foto: Carstens
Heilshoop

Neulich war Wendelin Herbrand aber nochmal anderweitig im Einsatz. Der Rettungsring an der Badestelle des Moorteiches war beschädigt worden. „In einer kleinen Gemeinde auf dem Land muss der Bürgermeister mit anpacken“, ist Herbrand überzeugt. „Er ist auch schon im Blaumann durchs Dorf gelaufen und hat Löcher im Radweg repariert“, weiß Ehefrau Elke an dieser Stelle zu berichten.

Beim Gespräch mit den LN im Wintergarten mit Blick auf besagten Moorteich trägt Herbrand natürlich keine Arbeitskleidung, sondern ist adrett gekleidet – wie auch stets zu offiziellen Anlässen in der Gemeinde oder im Amt Nordstormarn. Er hat sich nur einige Stichwörter gemacht und kann dazu viele Geschichten erzählen aus mehr als 30 Jahren in der Kommunalpolitik. Denn in den Gemeinderat kam er für die AKW (Allgemeine Kommunale Wählervereinigung) bereits in den 80er Jahren. Die AKW entstand übrigens bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, aus ihr wiederum entwickelten sich die beiden anderen Wählergemeinschaften des Ortes, HKW und AWH. Eines der großen Themen war der Bau eines eigenen Kindergartens (inklusive Photovoltaikanlage!), den es auch heute noch mit 20 Plätzen gibt.

Erste Berührungspunkte hatte der Amtsanwalt für Strafrecht (hat die gleichen Aufgaben wie ein Staatsanwalt) mit der Kommunalpolitik jedoch bereits Ende der 70er Jahre, als er nach Heilshoop kam und am Moorteich bauen wollte. „Da war viel zu beachten und zu regeln“, erinnert sich Herbrand. „Aber der Ort war sehr ansprechend und die Lage am Moorteich einmalig.“ Am Ende baute er dort zusammen mit Elke und den drei Töchtern Susanne, Claudia und Barbara – übrigens genau das gleiche Haus, wie sie es vorher in Kropp im Kreis Schleswig-Flensburg gebaut hatten.

Dorthin hatte es ihn durch die Bundeswehr verschlagen: Marineflieger, Zeitsoldat über zwölf Jahre. Anschließend folgte das behördeninterne Studium zum Amtsanwalt – und die Berufung ans Lübecker Amtsgericht.

Derweil hatte sich die Familie in Heilshoop gut eingelebt. Herbrand mischte in der Gemeindevertretung mit, als der damalige Bürgermeister Horst Fick durch einige Querelen und vor allem Ärger wegen neuer Windkraftanlagen entnervt war und Herbrand als seinen Nachfolger auserkor. Das war 1998, und fortan hieß das Dorf-Oberhaupt nach jeder Kommunalwahl Wendelin Herbrand – auch zum Beispiel 2013, als die AKW gar nicht stärkste Kraft wurde, aber trotzdem alle für Herbrand waren. „Auf dem Dorf geht es immer um die Sache. Das machen wir hier insgesamt ganz gut“, findet er. Auch wenn das Thema Windkraft die Gemeinde schon mal spalten kann. Die AKW hatte sich zuletzt gegen neue Anlagen positioniert – und wieder mehr Stimmen bekommen bei der Kommunalwahl.

Andere Themen seit 1998 waren der Bau der Autobahn 20, Glasfaser-Versorgung, Straßenbeleuchtung oder die Elektrifizierung der Bahnstrecke HamburgLübeck, zu der auch Heilshoop gehört wurde, oder die Überplanung des Heilsautales. Zehn Jahre lang war Herbrand zudem Verbandsvorsteher des Gewässerpflegeverbandes Heilsau.

Auf sein Betreiben hin bekam Heilshoop auch als eines der ersten Dörfer ein eigenes Gemeindewappen: oben gelb für die Rapsfelder, darunter ein Hufeisen auf grünem Grund (Landwirtschaft) und ein Karpfen auf blauem Grund. Dieser steht für den Moorteich, der noch heute jährlich abgefischt wird. Wie auch der Reinfelder Herrenteich ist er vor 800 Jahren von den Zisterziensermönchen des Klosters Reinfeld angelegt worden – und befand sich bis zum Jahr 2002 im Besitz der Stadt Reinfeld. Dann griff Heilshoop in die damals gut gefüllten Rücklagen und kaufte den Moorteich für 125000 Euro.

„Das hatte größte Priorität, denn der Moorteich ist prägend für den Ort.“

Täglich nutzen dort momentan Heilshooper und andere die kostenlose Badestelle. „Ein Luxus, den wir uns gönnen“, sagt Herbrand, denn die Gemeinde kostet der Betrieb (Reinigung durch den Bauhof, Wasserproben des Kreises) natürlich Geld. Allerdings habe er auch viel selbst gemacht. Denn auf dem Land packt der Bürgermeister halt selbst mit an.

Vom-Stein-Medaille für besondere Verdienste

Wendelin Herbrand war nicht nur Bürgermeister, sondern eine Zeitlang auch stellvertretender Amtsvorsteher, gehörte dem Schulausschuss an und hatte einen Sitz im Schulverband Zarpen, war stellvertretender Vorsitzender des Reinfeld-Oldesloer Freundschaftskomitees mit den französischen Partnergemeinden St. Pryvé und Olivet und nicht zuletzt Spartenleiter bei den Badendorfer Sportschützen.

Für seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit wurde er Anfang des Jahres mit der Freiherr-vom-Stein-Verdienstmedaille ausgezeichnet.

Heilshoop sei ein sehr lebendiges Dorf, sagt Herbrand. Unter anderem gibt es zwei große Betriebe (Poggensee Bau, Westphal Landtechnik), eine Autoreparatur und ein Landcafé.

Markus Carstens

Arbeit hat in unserer Gesellschaft eine sinnstiftende Funktion, Arbeit ermöglicht soziale Kontakte und steigert das Selbstwertgefühl. Frauen und Männer mit Handicap erfahren dies meist nur in den Werkstätten für behinderte Menschen.

02.06.2018

Natur und Kultur – eine wunderbare Symbiose im Kreis Stormarn. Erleben kann man diese bei der 3. Stormarner Sommerbrise ab heute in Lütjensee, Trittau, Bargteheide und Reinfeld. Gemeinsam mit örtlichen Veranstaltern hat die Kreiskulturabteilung ein feines Sommerprogramm koordiniert.

02.06.2018

Zwei Stormarner wagen ein Abenteuer: Andre Woyand aus Rehhorst und Max Gille aus Reinfeld fahren mit beim Baltic Sea Circle 2018. Auf sie wartet eine 7500 Kilometer-Tour durch zehn Länder in 16 Tagen. Das Ganze in einem 20 Jahre alten BMW, ohne Navi und GPS durch pure Wildnis.

02.06.2018