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Stormarn „Pulse of Europe“: Sein Herz schlägt für Europa
Lokales Stormarn „Pulse of Europe“: Sein Herz schlägt für Europa
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13:18 20.05.2019
Uwe Möllnitz aus Bad Oldesloe hat sich der Pulse of Europe-Bewegung angeschlossen. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

 Ein Revoluzzer ist Uwe Möllnitz (60) nie gewesen. In jungen Jahren hat er weder Transparente mit politischen Parolen vor sich hergetragen, noch umstürzlerischen Reden bei Kundgebungen applaudiert. Vor einigen Jahren jedoch reihte auch er sich erstmals in einen Demonstrationszug ein. „Pulse of Europe“ heißt die Initiative, die ihn selbst als CDU- Mitglied dann und wann auf die Straße gehen lässt. Auch am zurückliegenden Wochenende wäre er gern wieder dabei gewesen. Das klappte aber aus familiären Gründen nicht.

„Ich bin angeregt worden mitzumachen durch die antieuropäische Stimmung, die sich im Zusammenhang mit dem Brexit gebildet hat“, sagt Möllnitz. Dabei seien hauptsächlich die Probleme der Staatengemeinschaft in den Vordergrund gerückt worden, was nationalistische wie populistische Bewegungen gestärkt habe. Aus der Motivation heraus, dem etwas Positives entgegenzusetzen, sei die Initiative Pulse of Europe gegründet worden, vergleichbar der Fridays-for-Future-Bewegung von Greta Thunberg.

Städtepartnerschaften nur mit offenen Grenzen möglich

 Für Möllnitz ist Europa nicht nur eine abstrakte Idee, er fühlt sich auch ganz persönlich als Teil dieser Völkergemeinschaft. „Da wir Freunde und Bekannte auf dem ganzen Kontinent haben, in Schweden, Skandinavien überhaupt und eigentlich auch in Großbritannien bedeutet Europa für mich Heimat. Und deshalb erlebe ich Grenzen eher als trennend. Das Schengenabkommen hatte da schon vieles verbessert“, sagt er. Wie inspirierend und wichtig die Freizügigkeit innerhalb der EU sei, zeige sich ganz deutlich in der Beziehung der Oldesloer zu ihrer Partnerstadt Olivet. Über die Jahre hinweg seien hier verlässliche Freundschaften entstanden, die als wichtige Bausteine der Verständigung und des kulturellen Austauschs zu betrachten seien.

Jugendaustausch beugt Fremdenhass vor

„Ich halte es ohnehin für sehr sinnvoll, dass Leute die Verbindung zu anderen Nationen schon von klein an erleben können. Sie lernen so früh, dass es auch außerhalb Deutschlands gastfreundliche Menschen gibt, die nur in Freiheit leben wollen“, sagt Möllnitz. Auf diese Weise werde Nationalisten, die versuchten, Ängste gegenüber Fremden zu schüren, schon gleich der Wind aus den Segeln genommen. Das sei in Großbritannien sehr deutlich zu spüren unter den Studenten, die ein Auslandssemester in einem anderen EU-Land absolviert hätten. Sie seien wie die meisten jungen Briten gegen den Brexit, während die ältere Generation, die eine solche Chance nicht hatte, eher von alten Ressentiments aus der Kriegszeit geprägt sei. Insofern seien auch von der EU geförderte Austauschprogramme, die unter anderem von der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule stark genutzt würden, von großer Bedeutung.

Abkehr vom Euro schadet auch Stormarner Firmen

All diese Errungenschaften gelte es zu bewahren, beziehungsweise den Integrationsprozess innerhalb Europas weiter voranzutreiben, sagt der Oldesloer. Doch das alles sei in Gefahr, wenn sich bei der bevorstehenden Schicksalswahl am Sonntag die Verhältnisse innerhalb des Parlaments zugunsten nationalistischer Gruppierungen verschöben. Beispielsweise habe eine dadurch drohende Abkehr vom Euro eklatante wirtschaftliche Auswirkungen, was sich auch in Stormarn empfindlich bemerkbar machen werde. „In Bad Oldesloe haben wir einige weit europäisch verflochtene Firmen. Mittelständische Unternehmen wie Hako etwa werden sicherlich darunter leiden, wenn sie die Absatzmärkte nicht mehr so vorfinden wie jetzt. Und die Folgen der eingeschränkten wirtschaftlichen Beziehungen werden sich auch im täglichen Leben der Arbeitnehmer niederschlagen. Möglicherweise gibt es Entlassungen“, sagt Möllnitz.

Warum Nationalisten von Klimalüge sprechen

Der Kampf gegen den Klimawandel werde, kaum dass er richtig begonnen habe, dann gänzlich zum Erliegen kommen, wenn sich erst antidemokratische Strömungen verfestigten, prophezeit Möllnitz. Dabei müsse eigentlich jeder, der sich seriös mit dem Thema befasse, erkennen, dass die CO2-Emissionen zunehmen und menschliches Handeln für den Raubbau an der Natur verantwortlich sei. Das sei wissenschaftlich durch Fakten belegt. „Nationalistische Parteien aber sind schon allein wegen ihrer Ideologie gezwungen, den Klimaschutz zu leugnen. Denn wenn sie ihn als Problem wahrhaben wollten, müssten sie gemeinsam mit anderen Staaten etwas dagegen tun. Klimapolitik lässt sich nicht allein als nationale Aufgabe sehen. Er funktioniert nur im Verbund“, sagt Möllnitz.

Sonntags für die Zukunft

 Engagementzeigt Uwe Möllnitz auch auf lokalpolitischer Ebene. Er sitzt für die CDU in den Fachausschüssen des Stormarner Kreistags für Finanzen, Umwelt sowie Kultur und Sport. Auf Stadtebene sitzt er als bürgerliches Mitglied im Umweltausschuss sowie in Stellvertreterfunktion im Wirtschafts- und Planungsausschuss. Unlängst wurde er in den Aufsichtsrat der Vereinigten Stadtwerke gewählt. Zudem gehört er dem Stiftungsrat der Sparkassen Kulturstiftung Stormarn an. Der Diplomkaufmann und Master of Mediation Uwe Möllnitz (Jahrgang 1958) arbeitet als Konfliktberater und Unternehmensberater. In Bad Oldesloe wohnt er seit 1998. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Pulse of Europeist eine überparteiliche und unabhängige Bürgerinitiative, die 2016 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Ihre Anhänger demonstrieren in verschiedenen Städten jeweils sonntags, um den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen und rechtspopulistischen Strömungen etwas Positives entgegenzuhalten.

Der Oldesloer hält es für sehr wahrscheinlich, dass der viel diskutierte Rechtsruck auch tatsächlich eintrifft. Proeuropäische Parteien würden zwar nicht an Bedeutung, aber doch Stimmanteile verlieren, sodass nationalistische Bewegungen sogar die stärkste Fraktion im Europaparlament bilden könnten. „Dem kann man nur entgegentreten, indem man als Demokrat wählen geht. Ansonsten haben wir bald politische Verhältnisse im Parlament, die die Mehrheit so gar nicht wollte“, sagt der Verfechter des europäischen Gedankens.

Dorothea von Dahlen

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