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Stormarn Deutsche Fernsehlotterie rettet Nachbarschaftsprojekt „Plan B“
Lokales Stormarn Deutsche Fernsehlotterie rettet Nachbarschaftsprojekt „Plan B“
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08:13 26.07.2019
Am Nachbarschaftsladen „Plan B“ bei den Hölk-Hochhäusern: Hahanara Ahmadi mit ihren Kindern Kianush, Fersheten und Nastaran, Maria Herrmann und Ali Öz (v. r.). Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

 Kaum hat Maria Herrmann die Tür aufgeschlossen, stehen auch schon die ersten Besucher in dem kleinen Büro, an dessen Schaufenster der Name „Plan B“ prangt. Sie ziehen kryptische Behördenbriefe aus der Tasche, suchen bei der Quartiersmanagerin Rat wegen nicht nachvollziehbarer Mietforderungen oder erzählen von anderem Kummer. Die Sprechstunde im Nachbarschaftsladen am Fuß der Hölk-Hochhäuser floriert. Doch das noch relativ junge Q8-Projekt der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, das nicht nur die Hochhäuser mit 225 Wohnungen, sondern ein ganzes Quartier im Nordosten von Bad Oldesloe einschließt, wäre beinahe zur Aufgabe gezwungen gewesen. Die Rettung kam von der Deutschen Fernsehlotterie. Sie fördert „Plan B“ mit 200 000 Euro.

Viele Akteure wirken bei „Plan B“ mit

„Das ist wirklich unser Glück. Sonst hätten wir nicht weitermachen können. In Kombination mit einem Anteil der Stiftung Alsterdorf kann es nun weitergehen“, sagt Maria Herrmann. Zwei ereignisreiche Jahre liegen bereits hinter der Q8-Quartiersmanagerin und den Akteuren, die inzwischen eifrig mitmischen. Denn das Projekt lebt von gemeinschaftlicher Beteiligung und versteht sich als Starthilfe für ein gutes Miteinander im Kiez. Eingebunden sind nicht nur die Bewohner, sondern auch engagierte Ehrenamtliche der Evangelischen Kirche, Mitarbeiter der To-Hus GmbH, die Initiatoren des Abenteuerspielplatzes „Erle“ und Mitarbeiter der Stadt aus den Bereichen Soziales und Jugend. Kooperationen sollen auch mit der Klaus-Groth-Schule und der evangelischen Kindertagesstätte Ehmkenberg ausgebaut werden.

Vernachlässigte Hochhäuser erfordern Eingreifen

Um besser einschätzen zu können, welche Bedürfnisse die Bewohner in dem großen Gebiet haben, das von der Segeberger Straße im Westen, der Bahnlinie im Osten und der B 75 im Süden begrenzt ist, startete die Plan-B-Gruppe 2017 eine Umfrage. Dabei traten große Unterschiede zutage. „Wir haben ja hier die Hochhäuser, die wie in einer Enklave liegen und drumherum sind Einfamilienhäuser. Das geht oftmals nicht zusammen. Die Leute nehmen die Blocks meist nur in Verbindung mit Müll und Krach wahr. Aber dort leben auch Leute, die ihre Wohnung hübsch eingerichtet haben“, beschreibt Maria Herrmann die unterschiedliche Gemengelage.

Als besonderer Brennpunkt, der rasches Eingreifen erforderte, erwiesen sich aber dennoch erst die reichlich vernachlässigten Hochhäuser. Denn bei der Erhebung manifestierten sich Missstände wie defekte Aufzüge, verdreckte Treppenhäuser, Schimmelbildung und vieles mehr. Offenbar erschwerte es der häufige Wechsel der Eigentümer oder der Hausverwaltungen, dass die Mieter Ansprechpartner für ihre Probleme fanden. Das sollte sich auch im Winter 2018 zeigen, als zwei Heizungsstränge in den Hochhäusern defekt waren. Mit der öffentlichen Aktion „Heiße Suppe gegen kalte Blocks“ machte die Gruppe „Plan B“ seinerzeit auf das Problem aufmerksam und bewegte so auch die Hausverwaltung zum Handeln.

„Plan B“ brachte schon viel in Bewegung

André Schewitz ist Hausmeister der Hochhäuser am Oldesloer Hölk. Er kooperiert eng mit dem Nachbarschaftsprojekt Plan-B. Quelle: Dorothea von Dahlen

„Es hat sich schon einiges getan, seit wir Plan B hier haben“, sagt Hausmeister André Schewitz. Bis dato sei es für ihn schwer gewesen, Kontakt zu den Mietern zu finden. Da es die zentrale Anlaufstelle gebe, könne er Schadensmeldungen jetzt gleich weiterleiten. Gebessert habe sich auch die Sauberkeit in und um das Haus, da die Müllcontainer zu einem fest eingehausten Komplex zusammengefasst wurden. „Gerade wird am Brandschutz gearbeitet. Im September sollen wohl die Heizungen modernisiert werden.“ Und doch werden sich Maria Herrmann und ihre Mitstreiter so schnell nicht zufrieden zurücklehnen können. Denn noch liegt in den Hölkhochhäusern viel im Argen.

Straßenfeste mit internationalem Flair

In einer gut beheizten, bezahlbaren Wohnung zu leben ist das eine, doch sorgen auch Geselligkeit und Klönschnack dafür, dass die Menschen im Q8-Kiez wieder ein Stück Lebensqualität gewinnen. Um ein besseres Miteinander zu fördern, laden die Leute von Plan B die Nachbarschaft schon mal zu kleinen Straßenfesten, Kickerturnieren, Schachspiel oder Buffets mit internationalen Speisen ein. Allen Grund zum Feiern gibt es wieder am 29. August, wenn am Nachbarschaftsladen ganz offiziell die Plakette der Deutschen Fernsehlotterie angebracht wird. Schon jetzt haben viele Akteure zugesichert, bei der Vorbereitung mitzuwirken. „Die Kids von der Erle bereiten alkoholfreie Cocktails zu, der ’Chor der Kulturen’ tritt auf. Mit dabei sind auch das Sozialkaufhaus Brawo-Center und die To-Hus GmbH“, sagt Maria Herrmann.

Und was die Quartiersmanagerin ganz besonders freut: An diesem Tag soll auch eine Kooperation mit der Stadt unterzeichnet werden. Das Beratungsteam erweitert damit seine fachliche Kompetenz. Denn dann helfen Mitarbeiter aus dem Oldesloer Rathaus in not geratenen Mietern beispielsweise dabei, drohende Räumungsklagen abzuwenden.

Einige Stormarner Projekte schon unter den Geförderten

190 Projekte von gemeinnützigen Organisationen hat die Deutsche Fernsehlotterie mit Sitz in Hamburg im ersten Halbjahr 2019 unterstützt. Das sind 21 mehr als in der zurückliegenden Förderperiode. Auch die ausgeschüttete Summe ist um 700 000 Euro auf nunmehr 25, 3 Millionen Euro angewachsen.

Bei 45 Prozent der Projekte übernimmt die Stiftung die Förderung von Personalkosten. 36 Prozent sind Bauvorhaben und 19 Prozent Ausstattungen. Weiterhin zählen soziale Maßnahmen zur Quartiersentwicklung zu den wichtigsten Förderschwerpunkten: Knapp jedes vierte Förderprojekt ist ein Projekt, das sich für starke Nachbarschaften einsetzt. Zweimal im Jahr entscheidet der Vorstand der Stiftung über die Vergabe der Fördermittel.

In Stormarn wurden bereits gefördert: die Erstausstattung der Seniorenwohnanlage Claudiushof am Herrenteich in Reinfeld mit 31 156 Euro, Einbauküche, Fußbodenbelag, Klapptische und -stühle für die Begegnungsstätte der Reinfelder Seniorenbegegnungsstätte mit 6800 Euro, der Bau des stationären Hospizes durch die Hospiz-Lebensweg gGmbH mit 300 000 Euro, das Quartiersmanagement „BornInk“ der Gruppe Stormarner Wege in Bargteheide mit 175 424 Euro und der Bau eines Aufzugs im Alten- und Pflegeheim des Tobias-Hauses in Ahrensburg mit 53 000 Euro.

 

Dorothea von Dahlen

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