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Stormarn Dicke Luft um Spaß-Autos aus Neritz
Lokales Stormarn Dicke Luft um Spaß-Autos aus Neritz
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21:54 19.04.2018
Tanja und Martin Melichar lassen in ihrer Freizeit Modell-Autos mit Elektroantrieb fahren. Quelle: Foto: B.albrod
Neritz

Tanja und Martin Melichar aus Bad Oldesloe sind im RC Funracer Club Stormarn und lassen selbst gestaltete Modellautos fahren. Ein Jahr lang haben sie auf einer Wiese in Neritz, die Annegret und Harald Lienau ihnen zur Verfügung gestellt haben, in Eigenarbeit eine Bahn für ihr Hobby verlegt. Nachdem das Amt Bad Oldesloe-Land keine Bedenken hatte, verlangt der Kreis jetzt einen Bauantrag nebst Gutachten. Aus Angst vor den Kosten haben Melichars die Spielzeug-Bahn nun wieder abgebaut.

In Neritz wollten Tanja und Martin Melichar auf einer Wiese ihre Modellautos fahren lassen. Dafür haben sie eine kleine Anlage aufgebaut. Die musste jetzt wieder abgebaut werden. Denn das Gesetz verlangt einen Bauantrag, um die Nutzung der Wiese prüfen zu können.

„Wir kennen Melichars seit Jahren und wollten ihnen gerne unsere Wiese für eine kleine Buggy-Bahn zur Verfügung stellen“, erklären Lienaus. „Sie pflegen die Wiese für uns, dafür können sie im Gegenzug dort ihrem Hobby nachgehen.“ Das besteht aus 30 Zentimeter großen Modellautos, die per Elektroantrieb über ein selbst gestaltetes Gelände gefahren werden. „Ehe die Bahn aufgebaut wurde, haben wir das Amt Bad Oldesloe Land informiert“, betont Annegret Lienau. „Dort hieß es, dass keine Bedenken bestehen. Es geht um kleine Elektroautos, die nur in der Freizeit per Fernbedienung fahren sollen.“

Fahrbahn aus Kunstrasen

Dafür haben Melichars eine Fahrbahn aus Kunstrasen auf die Wiese gelegt, eine Hängebrücke für einen Jeep gebaut, ein paar Paletten als Bedienungsstand aufeinandergestapelt und Sand für einen Abenteuerhügel aufgeschüttet. „Wir wollten die Anlage ausschließlich privat nutzen, weil es sonst nur Bahnen in Quickborn und Stapelfeld gibt“, erläutert Martin Melichar. „Außerdem wollten wir Freunde und Kinder, die Spaß daran haben, mal fahren lassen. Für Kinder sind die Autos eine Attraktion.“

Doch daraus wurde nichts, denn jetzt erhielt Harald Lienau vom Kreis die Aufforderung, einen Bauantrag für die Buggy-Bahn zu stellen. „Dazu gehören unter anderem ein Lärmgutachten, eine Kontrolle, ob dort noch Bomben aus dem Krieg liegen könnten, und eine Kostenauflistung für die Gebührenberechnung“, so Melichars.

„Wir haben gar nichts gebaut“, betonen Melichars, „die Rasenbahn und alles andere liegen nur oberflächlich auf der Wiese. Es gibt keinen Publikumsverkehr, weil wir die Bahn privat nutzen wollen, und weil es Elektroantriebe sind, machen die Autos keinen Lärm.“ Weil sie hohe Kosten fürchten, wollen Lienaus keinen Bauantrag stellen, und Melichars sammelten ihre Rasen-Bahnen wieder ein. „Wir haben uns vor dem Aufbau bei allen Nachbarn vorgestellt und Flyer verteilt, um zu erklären, was wir machen“, sagen sie. „Auch bei der Bürgermeisterin waren wir, und die Gemeindevertreter waren informiert.“

Neritz’ Bürgermeisterin Karen Lienau – nicht verwandt mit den Lienaus, denen die Wiese gehört – hatte nichts gegen die Modellautobahn. „Melichars haben uns informiert, was sie da machen wollen, und wir haben in der Gemeindevertretung darüber gesprochen. Es ging um Elektroautos, ohne etwas zu bauen. Wir haben dazu nichts unternommen.“ Allerdings seien einige Bürger unruhig gewesen. „Einige hatten wohl Angst, was da kommen könnte. Sie fürchteten, es könnte immer mehr werden.“ Ralf Maltzahn vom Amt Bad Oldesloe-Land hatte keine Bedenken. „Wir haben da keine großen Hindernisse gesehen.“

Doch das Gesetz sieht es anders. „Laut Gesetz gilt die Wiese, sobald sie für die Fun-Racer genutzt wird, als Sport- und Spielfläche“, so Jens Bebensee von der Bauaufsicht des Kreises Stormarn.

„Sobald eine Wiese für Spiel oder Sport genutzt wird, ist sie eine Sportanlage. Dann muss durch einen Bauantrag geprüft werden, ob sie dafür geeignet ist.“ Auch wenn wie bei einem Modellflugzeug-Platz baulich gar nichts verändert werde, werde die Wiese alleine durch die neue Nutzung genehmigungspflichtig. „Zudem liegt die Wiese in Neritz im Außenbereich, wo nicht alles gebaut werden darf, was man will. Dort werden wir es wohl auch nicht genehmigen können.“

Als Bauaufsicht müsse sich der Kreis an gesetzliche Vorgaben halten. „Wir prüfen, sobald ein Bauantrag vorliegt, ob die Nutzung erlaubt ist oder nicht.“ Ob man einen Bauantrag stelle, entscheide der Bauherr. „Wir werten dann die eingereichten Unterlagen aus.“ Auch in diesem Fall müsse die neue Nutzung laut Gesetz geprüft und ein Bauantrag gestellt werden.

 Von Bettina Albrod