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Stormarn Die Berufliche Schule in Oldesloe platzt aus allen Nähten
Lokales Stormarn Die Berufliche Schule in Oldesloe platzt aus allen Nähten
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23:13 20.11.2015
Kai Aagardt.
Kai Aagardt.
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Bad Oldesloe

„Die Situation wird prekär, wenn wir im Sommer 2016 weitere Schüler bekommen“ — Schulleiter Rüdiger Hildebrandt blickt sorgenvoll auf die räumliche Situation in der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe. Und sein Stellvertreter Kai Aagardt, der auch für den Stundenplan verantwortlich ist, unterstreicht: „Räumlich sind wir ganz eng gestrickt.“

Der Kreis will als Schulträger nach den aktuellen Entscheidungen seiner Abgeordneten im kommenden Jahr nicht in einen Ausbau investieren. „Es ist zu bedauern, dass es auch nicht gelungen ist, Planungskosten in den neuen Haushalt einzustellen“, sagt Rüdiger Hildebrandt. Dies sei eine der Voraussetzungen, damit später gebaut werden könne.

Rüdiger Hildebrandt und Kai Aagardt weisen auf zusätzliche Aufgaben hin. Auf Wunsch des Kreises werden seit Sommer diesen Jahres auch die künftigen staatlich geprüften Erzieher in Bad Oldesloe unterrichtet — zurzeit 54 junge Leute. Und im neuen Schuljahr wird außerdem eine weitere Klasse für die Pflegeassistenten eingerichtet. „Im Vergleich zum aktuellen Stand haben wir 2017 dann rund 150 Schüler mehr — in insgesamt sechs Klassen“, erläutert der stellvertretende Schulleiter.

Das sind für die Berufliche Schule Daten, die als verlässlich gelten. Als Rechnung mit Unbekannten gilt dagegen die Entwicklung bei den Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache). Im September startete der Unterricht mit zwei Klassen, mittlerweile sind es fünf. „Und mit der sechsten Klasse werden wir noch in diesem Monat beginnen“, sagt Schulleiter Hildebrandt. In Absprache mit dem Kreisschulamt werden junge Flüchtlinge, die bei Beginn des Schulbesuchs 16 oder 17 Jahre alt sind, in Räumen der Beruflichen Schule unterrichtet. Jede Daz-Klasse zählt zwischen 16 und 18 Schülern.

Unterrichtsmaterial steht zur Verfügung, auch fünf weitere Lehrkräfte sind mittlerweile eingestellt worden. Die Kosten übernimmt das Land. Und so vermittelt auch Manuela Schuldt ihren Schülern, die unter anderem aus Syrien, dem Irak, dem Iran oder Afghanistan kommen, Sprachkenntnisse. Flüchtlinge, die schon länger dabei sind, können 30 Stunden pro Woche unterrichtet werden, für die neuen Schüler sind 20 Stunden eingeplant.

„Wir werden auch ohne neue Räume alle Schüler weiterhin versorgen. Und wir sind auch in der Lage, alle Schüler in den nächsten vier, fünf oder sechs Monaten noch unterzubringen. Denkbar ist allerdings eine Unterrichtsverlagerung bis in den späten Nachmittag“, erläutert Rüdiger Hildebrandt. Der Schulleiter erinnert daran, dass der Bildungsauftrag deutlich umfassender sei als die „reine Vermittlung von Sprachkenntnissen“. Es gehe auch um die berufliche Qualifizierung und die wichtige soziale Integration von Flüchtlingen.

Dass sich das Schulleben am Oldesloer Schanzenbarg mittlerweile bunter und abwechslungsreicher gestaltet, ist nicht nur der von der Schule ermöglichten Teilnahme der Daz-Schüler an der Verpflegung zu verdanken — und dies ohne Probleme, weil auch ein Gericht ohne Fleisch auf der täglichen Speisekarte steht. „Und im nächsten Jahr soll es ein Projekt geben, bei dem die jungen Flüchtlinge selbst kochen“, sagt Kai Aagardt.

Auch der Schulleiter kümmert sich in der Praxis um Integration, um die Einhaltung von Regeln beispielsweise. So öffnet Rüdiger Hildebrandt wie selbstverständlich ein Fenster, wenn junge Flüchtlinge vor dem Chefbüro rauchen. „It is not allowed to smoke“, informiert der Schulleiter auf Englisch (Rauchen ist verboten auf den Schulgelände) — denn „viele Daz-Schüler haben so gut wie keine Deutschkenntnisse“.

20 Klassenzimmer
Die Berufliche Schule favorisiert einen Anbau auf dem Areal am Oldesloer Schanzenbarg weiterhin als sinnvollste Lösung, um das Raumproblem zu beheben. Hier könnten, so Schulleiter Rüdiger Hildebrandt, gut 20 neue Klassenräume geschaffen werden. Die Berufliche Schule könnte dagegen auf die bisherige Nutzung der ehemaligen Landwirtschaftsschule verzichten. Hier wird zurzeit in 14 Klassen- und Fachräumen gelehrt.

Michael Thormählen