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Stormarn Die Erdbeeren in Stormarn haben Verspätung
Lokales Stormarn Die Erdbeeren in Stormarn haben Verspätung
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20:10 03.05.2017
Durch den Frost gibt es in diesem Jahr erst später Erdbeeren. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Delingsdorf

Enno Glantz vom Erdbeerhof Glantz in Delingsdorf startet jetzt mit dem Verkauf der roten Frühsorte „Flair“. Die ist 100 Kilometer entfernt in Hohen Wieschendorf an der Ostsee gereift, wo Glantz seinen Stammsitz hat und wo der Nachtfrost wegen der Seenähe nicht ganz so hart zugeschlagen hat. In Stormarn wird die Erdbeer-Ernte erst um den 25. Mai herum losgehen. „Noch muss man die einzelnen Erdbeeren hier suchen“, sagt Glantz.

Durch den Frost der vergangenen Tage beginnt die Ernte erst am 25. Mai.

Grund ist die kalte Witterung mit einem April, der noch einmal klirrende Kälte gebracht hat. „In den vergangenen 14 Tagen hatten wir zweimal Nachtfrost, einmal minus sieben Grad und einmal minus fünf Grad“, erklärt Glantz. „Das hat den Frühsorten Stress gemacht, etwa 15 Prozent der Ernte sind erfroren.“ Und das, obwohl die empfindlichen Blüten sofort mit wärmendem Vlies abgedeckt wurden. In Hohen Wieschendorf werde die Frühsorte „Flair“ dagegen in geschütztem Anbau in so genannten Sonnentunneln heran gezogen. „Die schaffen ein Eigenklima, das etwa 15 Grad wärmer ist als die Umgebung.“ Das Ergebnis sind süße, reife Erdbeeren, die einen Vorgeschmack auf die Erdbeersaison geben.

Späte Sorten unversehrt

Trotz der Ausfälle ist Glantz zuversichtlich. „Die späten Sorten sind unversehrt, weil es beim Frost noch keinen Blütenstand gab.“ Nach einer sehr schlechten Ernte in 2016 hofft Glantz für 2017 auf größere Erträge, die vor allem die nötige Süße erreichen. „Qualität ist uns am wichtigsten“, betont er, „richtig süß werden Erdbeeren nur, wenn sie genug Sonne bekommen. Die hat im letzten Jahr gefehlt.“ Er hofft auf 20 Tonnen Erdbeeren pro Hektar, „dann kann man von einer guten Ernte sprechen.“ Für ihn und seine Mitarbeiter beginnt eine arbeitsreiche Zeit, denn bei gutem Wetter werden alle Früchte auf einmal reif. Dann sinken auch die Preise: Kostet das Pfund momentan noch 4,20 Euro, wird sich der Preis in der Hochsaison voraussichtlich bei drei Euro pro Pfund einpendeln.

Dank neuer Züchtungen dauert die Erdbeersaison in Stormarn inzwischen von Mitte Mai bis Mitte August. Nach der „Flair“ folgen „Hanoye“, „Sonata“, „Faith“ und „Malwina“.

Experiment mit neuer Sorte

„Wir experimentieren ständig mit neuen Sorten“, sagt Glantz, „wir wollen die am besten schmeckende Erdbeere.“ Dafür soll „Hanoye“ in 2018 nach 25 Jahren aufs Altenteil. „Magnum“ wird dann die neue Züchtung heißen, dazu kommt eine Sorte, die noch keinen Namen hat und vorerst unter der Nummer „1602“ geführt wird. „Den Namen vergibt der Züchter, die Nummer zeigt an, welche Sorten gekreuzt wurden.“ Für Liebhaber soll es in geringen Mengen aber auch weiter „Hanoye“ geben, die wegen ihres tiefroten Fruchtfleisches viele Fans habe.

Verkauft werden die Früchte in 167 Ständen in Hamburg und im Umland – 15 davon in Stormarn – sowie in 110 Erdbeerhäuschen in Mecklenburg. Später kommen noch Himbeeren aus 15 Hektar Anbaufläche dazu.

Nach den Erdbeeren seien Himbeeren zu einem weiteren Hauptanbau auf dem Hof geworden, sagt Glantz. „Wir haben die Flächen mit den Jahren immer weiter ausgedehnt und sind jetzt bei 15 Hektar angekommen. Für die Erdbeeren stehen 65 Hektar zur Verfügung, dazu kommen 30 Hektar, auf denen bereits die Pflanzen für das nächste Jahr gesetzt werden.“

Selberpflücken beliebt

Auch in diesem Jahr wird es wieder die Möglichkeit zum Selberpflücken geben. Ab Ende Mai werden die Selberpflückfelder in Ammersbek, Delingsdorf, Hammoor, Norderstedt und Oststeinbek eröffnet. Auch Himbeeren wird es zum Selberpflücken geben, hier beginnt die Saison am 2. Juli.

Am 12. und 13. August wird in Delingsdorf Hoffest gefeiert. Das verbindet Obst mit Reitsport, denn jedes Jahr gibt es beim Hoffest Reitdarbietungen mit Dressur- und Springreiten sowie eine Fohlen- und Reitpferdeauktion. „Als Erdbeerhof-Betreiber ist man von der Witterung abhängig“, bilanziert Glantz. „Es ist jedes Jahr wieder ein besonderer Tag, wenn die ersten Erdbeeren da sind.“

 Bettina Albrod