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Stormarn Der PC im weißen Kittel
Lokales Stormarn Der PC im weißen Kittel
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15:04 05.10.2018
Prof. Helgo Magnussen: Man kann bereits heute mit der Genschere arbeiten. Quelle: Bettina Albrod
Ahrensburg

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ihren Computer – so sieht die Zukunft aus, denn die Digitalisierung hält auch Einzug in der Medizin. Die neue Apple Watch kann frühzeitig Vorhofflimmern erkennen. Möglich macht es eine Datensammlung, die Grundmuster zur Verfügung stellt, die im Falle der Watch eine Trefferquote von 97 Prozent erbringen. Möglich ist dann auch das EKG am Handgelenk. Früherkennung von bösartigem Hautkrebs kann über eine Bilderkennungs-Software im Handy laufen, wo sie genauso zuverlässig ist wie die Befundung durch Dermatologen. Datensammlungen beim Sport, in Blutdruckmessgeräten oder auf der Waage tragen digital ein Gesamtbild der persönlichen Gesundheitsdaten zusammen.

„Die Zukunft der Medizin ist digital“, stellte Professor Dr. med. Helgo Magnussen, ehemaliger Direktor der Lungenklinik Großhansdorf, fest. Er war am Donnerstag gemeinsam mit seinem Sohn Götz Referent eines Vortrags zum Thema „Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitswesen“ im Kulturzentrum Marstall in Ahrensburg. Der Saal war so voll wie ein Wartezimmer, denn das Interesse war groß. Um das Fazit vorwegzunehmen: Digitale Medizin kann den Arzt nicht ersetzen, aber seine Arbeit sinnvoll ergänzen. „Deshalb ist es ein großer Fortschritt, dass auf dem letzten Ärztetag das Fernbehandlungsverbot aufgehoben wurde“, so Magnussen.

Denn nun kann man seinen Arzt auch im Internet aufsuchen. Jetzt schon seien viele neue Projekte am Start, die über das Internet medizinische Beratung anböten. „Ein Beispiel ist Dr.Ed, ein anderes die TeleClinic eines Krankenhauses in München“, sagte Magnussen. „Der Patient meldet sich über das Internet, füllt einen Fragebogen aus, und auf der anderen Seite sitzt medizinisches Personal, das die Vorinformationen filtert und den zuständigen Facharzt vermittelt.“ Der kann per Video-Chat zugeschaltet werden und so bei vielen Fragen unterstützen oder auch schon helfen. Durch Standards in der medizinischen Bildgebung könnten Aufnahmen digital gelesen werden. Als Folge davon, so eine erste Bilanz, müsste ein Drittel weniger Patienten den Arzt tatsächlich aufsuchen.

„Die Menschen werden immer älter, dadurch bekommen sie mehr Krankheiten, und so werden die Wartezimmer immer voller“, malte der Mediziner ein Bild der Zukunft. Durch digitale Medizin kann künftig ein Teil der Patienten zu Hause bleiben und sich dort ärztlichen Rat holen. „Heute schon fragen 50 Prozent der Menschen im Internet Krankheitssymptome ab.“ Verschiedene Tests ermöglichten bereits die Diagnose zu Hause, inklusive Bestimmung der genetischen Risikofaktoren. Bei seltenen Krankheiten, so der Arzt, könne man gezielt Reparaturzellen züchten, allerdings zu einem sehr hohen Preis. „Hier werden künftig auch ethische Fragen immer wichtiger werden.“

Magnussen wünscht sich auch eine elektronische Patientenakte, eine elektronische Gesundheitskarte und eine ganzheitliche Medizin. „Im Konzert habe ich neulich erlebt, dass ein älterer Herr einen Kollaps erlitten hat“, erzählte er. Rettungskräfte hätten sich um den Mann bemüht und am Ende herausbekommen, dass er mehrere Medikamente einnahm, die im Zusammenwirken den Zusammenbruch verursacht hatten. „Wenn auf der Gesundheitskarte die medizinischen Daten zu einem Menschen gesammelt wären, wüssten die Retter im Notfall sofort, worauf sie achten müssen“, sagte Magnussen.

Zudem hätte ein Arzt damit sämtliche Krankheiten eines Individuums im Blick. „Präsident Obama hat eine personalisierte Medizin gefordert“, erklärte Magnussen, „die Entschlüsselung der DNA macht genau das möglich.“

Schritte für ein längeres Leben

Eines habe jeder Mensch in seinen Genen, so Professor Helgo Magnussen, nämlich den Drang, sich zu bewegen. Wer das vernachlässige, habe einen Nachteil. „Das wirksamste Medikament gegen die Sterblichkeit ist Bewegung“, betonte der Arzt. „Viermal die Woche 30 Minuten Gehen erhöhen die Lebenserwartung um 25 Prozent.“

Bettina Albrod

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