Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Die Vertreibung aus dem Paradies
Lokales Stormarn Die Vertreibung aus dem Paradies
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:10 20.06.2014
Kraniche brüten im Naturschutzgebiet Brook. Sie sind fast so laut wie Posaunen.
Anzeige
Bargteheide

Die Posaunen von Jericho bringen in der Bibel die Mauern der Stadt zum Einsturz, die Posaunen von Bargteheide eine Tradition: Seit 25 Jahren feiert die evangelische Kirchengemeinde Bargteheide auf einem Parkplatz am Brook in Ammersbek traditionell einen Open-Air-Gottesdienst. Jetzt ist damit Schluss: Eine Anzeige bei der Kreis-Naturschutzbehörde hat dazu geführt, dass die den Gottesdienst im Freien am morgigen Sonntag untersagt und die Gläubigen in der Kirche feiern müssen.

„Wir haben nichts gegen Gottesdienste oder gegen die Kirche“, erklärt Joachim Schulz, der Leiter der Stormarner Naturschutzbehörde, „uns tut es selbst Leid, dass wir den Open- Air-Gottesdienst dort verbieten müssen. Aber es hat eine Anzeige deswegen gegeben, auf die wir reagieren müssen.“ Das Problem sei nicht der Gottesdienst selbst, sondern das Grillen, das dazu gehöre, und die Posaunen.

„Damit bekommt der Gottesdienst Eventcharakter, dafür ist ein Naturschutzgebiet nicht vorgesehen“, so Schulz weiter, „wenn Musik mit relativ gut hörbaren Instrumenten zugelassen wird, wollen andere das auch beantragen und Heavy Metal spielen oder Geburtstag feiern. Im Sinne der Gleichbehandlung müssen wir den Gottesdienst in der Form untersagen.“ Altar, Gottesdienst und auch Gesang wären erlaubt, aber „Grillen ist pure Alltagsnutzung“.

Weil Schulz selbst bedauert, dem Open-Air-Gottesdienst die Luft abzudrehen, wurde der Kirche eine Alternative angeboten: 600 Meter entfernt liegt ein Bolzplatz, für den die Kirchengemeinde eine Sondergenehmigung bekommen hätte. „Die Behörde ist sehr entgegenkommend“, sagt Pastor Jochen Weber, der den Gottesdienst geplant hat. „Seit 25 Jahren gibt es auf dem Parkplatz den Gottesdienst, wir haben erst durch die Anzeige erfahren, dass er im Naturschutzgebiet liegt.“Es sei auf keiner Karte verzeichnet. Jedes Jahr habe er die Draußen-Veranstaltung beim Ammersbeker Ordnungsamt angemeldet, nie habe es ein Problem gegeben.

Der Pastor hat auch das Alternativangebot geprüft: „Aber auf dem Bolzplatz säßen wir hinter drei Meter hohen Zäunen, da gehen wir lieber in die Kirche, wenn auch mit großem Bedauern über das Ende einer schönen Tradition.“ Pastor Weber bedauert, dass es gleich zu einer Anzeige gekommen ist: „Ich hätte es schöner gefunden, wenn man sich im Gespräch ausgetauscht hätte“, sagt er.

Die Vertreibung aus dem Paradies soll den Gottesdienst nicht schmälern: Gegrillt wird trotzdem. Morgen beginnt der Gottesdienst um 11 Uhr nun in der Bargteheider Kirche, mit Grillen vor der Kirche und mit Posaunen. „Jetzt wissen wir, dass unsere Posaunen ruhende Kraniche wecken könnten“, sagt Weber. Bettina Albrod

Der Brook
Der Hansdorfer Brook ist ein Naturschutzgebiet in Jersbek. Das 275 Hektar große Gelände ist zudem Bestandteil eines FFH-Gebietes und ein EU-Vogelschutzgebiet. Dort brüten Kraniche, Bekassinen, Waldkauze und der große Brachvogel.

LN

Bargteheider Ortsverband befragte Pendler. Mehrheit begrüßt Idee.

20.06.2014

Der Mann mit der roten Mütze nahm gestern Abschied von „seinem“ Oldesloer Bahnhof.

20.06.2014

Elke Schwaiger und ihre Besucher sammelten 1337 Euro für das Oldesloer Tierheim.

20.06.2014