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Stormarn Dirk Dörwald lotst den Bürger durch Behörden und Ämter
Lokales Stormarn Dirk Dörwald lotst den Bürger durch Behörden und Ämter
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18:28 22.02.2014
Ist vom Fach und kennt sich mit Verwaltungsstrukturen bestens aus: Dirk Dörwald will wichtige Tipps geben. Quelle: Bettina Albrid
Bargteheide

Als das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz 1999 als Gesetzesvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern eingebracht wurde, lachten sogar diejenigen, die an Amtssprache gewöhnt sind. Die meisten aber finden die Behördensprache eher zum Weinen. Für sie sind die Behördenlotsen da, die ehrenamtlich zur Verfügung stehen, um zu beraten, zu helfen und als Lotse durch den Behördendschungel zu führen. In Bad Oldesloe gibt es die Behördenlotsen schon seit zehn Jahren, und jetzt hat auch Bargteheide einen: Dirk Dörwald aus Ammersbek hat seinen Dienst im Rathaus angetreten.

Im Behördendschungel ist er sozusagen ein Eingeborener, der alle Fallstricke kennt. „Ich habe 40 Jahre lang in der Steuerbehörde in Hamburg gearbeitet“, sagt der Ammersbeker, der 2011 in den Ruhestand gegangen ist: „Bei der Steuererklärung darf ich allerdings nicht helfen, das ist gesetzlich verboten. Aber ich werde mich mit Anträgen auf Arbeitslosengeld II, Hartz IV genannt, Sozialgeldanträgen oder Anträgen auf Wohngeld bei der Gemeinde befassen.“ Er erklärt Behördenschreiben, hilft beim Aufsetzen von Briefen an Ämter oder sagt, welche Vordrucke benötigt werden. Auch sonst kann jeder, der Fragen zu Behördenthemen hat, zu ihm kommen. „Ein Antrag auf Hartz IV ist 18 Seiten lang, der auf Sozialhilfe elf“, gibt Dörwald ein Beispiel, „das kann schnell zu Missverständnissen führen.“

Auf seine Arbeit freut sich der 65-Jährige — am ersten Beratungstag waren gleich zwei Klienten da. „Mal geht es um Fragen zur Krankenkasse, mal um Missverständnisse oder den Wunsch nach Begleitung“, sagt Dörwald, der alle Fälle streng vertraulich behandelt. „Dann wieder hilft es schon, wenn ich vorhandene Unterlagen einfach sichte und sortiere. Die Gleichstellungsbeauftragte hat erzählt, dass jemand bei ihr war und einen Wäschekorb voller Belege dabei hatte.“ Das kann den neuen Behördenlotsen nicht erschüttern. „Ich helfe gerne, mein Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Betroffenen es später allein machen können.“

Auf seine neue Aufgabe hat Dörwald sich gut vorbereitet, besucht die Kollegen in Bad Oldesloe und Ahrensburg und auch die Ämter, mit denen er zu tun haben wird: „Demnächst mache ich eine zweitägige Fortbildung für das Amt.“ Einen großen Teil der Vordrucke gebe es im Internet in verschiedenen Sprachen. „Die Vordrucke wirken oft so verwirrend, weil man versucht, alle Eventualitäten in einem Vordruck abzuhandeln“, erklärt Dörwald. „Worte wie Bedarfsgemeinschaft oder erwerbsfähiger Leistungsberechtigter wirken auf den ersten Blick sperrig.“ Er aber kann sie erklären und damit weiterhelfen: „Ich trete quasi als Kulturdolmetscher zwischen Amt und Betroffenen auf.“

Dörwald wuchs in Lübeck auf und begann seine Arbeit als Vollstreckungsbeamter im Außendienst — eine Berufsbezeichnung, die er als Lotse gleich erklärt: „Das ist nicht zu verwechseln mit einem Gerichtsvollzieher.“ Nach einem Fachhochschulstudium wechselte Dörwald in die Oberfinanzdirektion Hamburg und war zuletzt Finanzamt-Geschäftsstellenleiter. „Nach dem Ruhestand haben viele mich gewarnt, dass es langweilig werden wird, deshalb habe ich mich bei der Freiwilligenagentur in Ahrensburg beworben. In Bargteheide ist jetzt Bedarf.“ Sein Appell: „Alle können ohne Berührungsängste zu mir kommen, zum Helfen bin ich da.“

So wiehert der Amtsschimmel
Das Behördendeutsch treibt oft seltsame Blüten. Dazu einige Beispiele: Beelterung = Vermittlung einer Pflegefamilie für ein Kind; Fahrtrichtungsanzeiger = Blinker; Lichtsignalanlage =
Ampel; Personenvereinzelungsanlage = Überbegriff für Drehkreuze, Drehtüren, Schleusen; Spontanvegetation = Unkraut; abschlägig beschieden = abgelehnt. (Quelle Wikipedia)
Der Behördenlotse steht jeden Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr im Raum O 99 im ersten Stock des Rathaus-Altbaus an der Rathausstraßen für die Beratung zur Verfügung. Unter Telefon 01575/180 70 93 können Termine vereinbart werden.

Bettina Albrod

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