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Stormarn Doppeltes Jubiläum in Rehhorst
Lokales Stormarn Doppeltes Jubiläum in Rehhorst
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20:10 25.05.2018
Ein Zeitdokument aus dem Jahr 1925: Heuernte bei Familie Bock in Rehhorst. Quelle: Fotos: Böttger/chronik Rehhorst (hfr)
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Rehhorst

Zum ersten Mal tauchten die Namen Pöhls, Rehhorst und Willendorf 1352 auf, als sich der Graf von Holstein mit dem Kloster Reinfeld über die Rechtsprechung in dieser Region einigte. „Genau genommen sind sie jedoch um einiges älter als 666 Jahre“, erklärt Evelyn Böttger, die mit an der Rehhorster Chronik geschrieben hat.

In der Gemeinde Rehhorst wird am heutigen Sonnabend gleich doppelt gefeiert. Zum einen wurden vor 666 Jahren die Dörfer Pöhls, Rehhorst und Willendorf erstmals schriftlich erwähnt. Zum anderen erfolgte vor 40 Jahren die Vereinigung der drei Orte zur Gemeinde Rehhorst.

Pöhls lag an einem alten Handelsweg. Rehhorst, und darauf deutet vieles hin, wurde aus alten untergegangenen Dörfern gebildet. Willendorf wiederum ist ein mitten im Urwald entstandenes deutsches Rodungsdorf aus den ersten Tagen der gräflichen Siedlungszeit und hieß bis spät ins 19. Jahrhundert „Wildendorf“.

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So blickt jeder Ortsteil Rehhorsts auf eine lange Geschichte zurück. 1352 ging das Eigentum an den Konvent in Reinfeld. Die Bauern wurden zu Pächtern, zahlten ihre Pacht und wurden zu Pflichten und Diensten für das Kloster Reinfeld verpflichtet. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster geschlossen, und Herzog Johann der Jüngere übernahm die Herrschaft – „mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung“, wie es in der Chronik heißt.

Die Bauern hatten kaum Zeit, ihre eigenen Felder zu bewirtschaften, weil sie für den Herzog mehr Dienste leisten mussten. 1617 wurden sie schließlich zu Leibeigenen. Pöhls konnte sich 1736 freikaufen, 1746 folgte Wildendorf und 1773 Rehhorst.

„Die Gemeinde durchlebte diverse Strukturveränderungen“, erklärt Böttger. 1842 gab es eine neue Wegeverordnung, in deren Folge sich durch den Bau von Chausseen die Entfernungen zu den Ortschaften veränderten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann die Ortsteile elektrifiziert.

Die letzte große Veränderung gab es schließlich vor 40 Jahren zum 1. Januar 1978 durch die Vereinigung der drei Gemeinden Pöhls, Rehhorst und Willendorf. Deshalb kann heute am und auf dem Sportplatz also nicht nur die 666-Jahr-Feier begangen werden, sondern auch das Jubiläum der 40 Jahre alten Gesamtgemeinde. Das Event wurde von der Freiwilligen Feuerwehr organisiert.

Geschichtlich Interessierte können sich eine Fotoausstellung ansehen. Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein stellt seinen Kollegen vor Ort die „Feuertaufe“ zur Verfügung. Sieben Meter hoch und 700 Kilo schwer, verspricht das aufblasbare Aktionsmodul eine Attraktion für Kinder und Junggebliebene zu werden. Besucher können sich zeigen lassen, wie ein Feuerlöscher bedient wird. Mit von der Partie ist auch die Jugendfeuerwehr Feldhorst. Hier können Eltern eine Menge erfahren über die Angebote für Kinder. Und die müssen attraktiv sein, weil bereits zehn Rehhorster Kinder Mitglieder sind.

Das Fest beginnt um 14 Uhr. Natürlich werden auch Speisen und Getränke angeboten. Die Veranstaltung endet mit dem Tanz im Feuerwehrgerätehaus.

Flächenmäßig die größte Gemeinde im Amt Nordstormarn

740 Einwohner hat die Gemeinde Rehhorst derzeit. Sie ist entstanden aus den ehemals selbstständigen Ortsteilen Rehhorst, Pöhls und Willendorf. Dazu kommen die Siedlungen Hamannsöhlen, Voßkaten und Neukoppel.

Mit rund 1600 Hektar ist Rehhorst flächenmäßig die größte Gemeinde im Amt Nordstormarn. In der Gemeindevertretung gibt es drei Parteien: SPD, CDU und die Wählergemeinschaft AKW.

Bürgermeisterin ist seit 2008 Birgit Gerritzen (SPD). Bekannt sind die Ortspolitiker für ihre manchmal sehr langen Sitzungen.

Der Kindergarten Gänseblümchen ist entstanden aus einer Elterninitiative. Auch heute ist der Elternverein noch Träger. Betreut werden rund 20 Kinder. Leiterin Mareike Wunsch sagte vor einem Jahr, als Rehhorst groß in den LN vorgestellt wurde: „Der Zusammenhalt im Dorf ist toll. Jeder kennt jeden.“

Ein Höhepunkt im Jahr ist immer das Rehhorster Vogelschießen, bei dem das ganze Dorf auf den Beinen ist – inklusive Tanzveranstaltung für die Großen.

Zum 650-jährigen Bestehen der Gemeinde im Jahr 2002 wurden der Gedenkstein vor dem Feuerwehrhaus aufgestellt und das Wappen entworfen.

mc