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Stormarn Dramatischer Personalmangel in Kita Hamberge
Lokales Stormarn Dramatischer Personalmangel in Kita Hamberge
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07:00 27.05.2019
Die Kita Regenbogen in Hamberge kämpft mit Personalnot. Betreuungszeiten sind derzeit reduziert, die gelbe Gruppe ist geschlossen. Eltern müssen die Betreuung jetzt allein organisieren. Quelle: Britta Matzen
Hamberge

Schlimme Lage in der Kita Regenbogen in Hamberge: Die Einrichtung kämpft mit akutem Personalmangel. Erneut sind fünf Stellen vakant, Betreuungszeiten können nicht aufrecht erhalten werden. Das wurde Eltern und Sorgeberechtigten über einen Aushang mitgeteilt. „Wichtige Information zur Personalsituation“, so der Titel des Schreibens. Über Zeitarbeitsfirmen könne man derzeit keine Mitarbeiter generieren, da die dort Angestellten alle im Einsatz seien. „Dadurch spitzt sich die Situation so zu, dass wir Ihnen bedauerlicherweise mitteilen müssen, dass in den Kalenderwochen 21 und 22, sprich vom 20. bis 29. Mai, die Betreuungszeiten reduziert werden müssen“, teilen die Trägerin-Vertreterinnen des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Melanie Mandel und Marion Dose, mit. Zusätzlich musste die gelbe Gruppe in dieser Woche zwei Tage komplett geschlossen werden. Doch damit nicht genug: Auch im Juni könne die Betreuung nur eingeschränkt gewährleistet werden, zudem müssten weitere Gruppen geschlossen werden.

Hohe Personalfluktuation

„Das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Hilal Inac. Genau genommen bestehe das Problem seit Jahren. „Meine Tochter ist jetzt sechs und kommt zum Glück bald in die Schule. Sie ist in der Kita, seitdem sie zweieinhalb ist. Es war immer so. Die Fluktuation ist zu hoch“, beklagt sie.

Inacs Tochter habe in ihrer gesamten Kindergartenzeit nicht einmal eine Lieblingserzieherin gehabt. „Die kommt nach Hause und sagt: ,Mama, da sind so viele Erzieher, ich weiß gar nicht, wie die heißen.’“ In der Kita Hamberge gebe es einen ständigen Wechsel. Die Mädchen und Jungen würden laufend in den Gruppen hin- und hergeschoben. Für alle Krippen- und Elementar-Gruppen gilt momentan: Betreuungszeiten werden nur von 7.30 bis 15 Uhr angeboten. „Wir müssen aber trotzdem bis 17 Uhr bezahlen. Das sind Zustände, das geht überhaupt nicht. Wir haben uns alle beschwert, bekommen aber trotzdem kein Geld zurück“, so die Hamberger Mutter.

In der Benutzungsordnung sei geregelt, dass kein Anspruch auf Schadenersatz bestehe, wenn die Kindertagesstätte aus zwingenden Gründen vorübergehend geschlossen werde oder der Betrieb nur eingeschränkt laufen könne. „Eine Erstattung des Betrages aus diesem Grund erfolgt nicht“, schreibt Melanie Mandel.

Wenig Kompromissbereitschaft

Patricia Schadl ist ebenfalls betroffen. Die Gruppe ihrer Tochter wurde zwei Tage geschlossen, und sie musste die Betreuung anderweitig organisieren, da sie berufstätig ist. „Der Hintergrund, warum die Gruppe geschlossen wurde, ist, dass die Erzieherin Urlaub hat. Ich finde, das kann keinen Vorrang haben. Irgendwo muss es doch eine andere Lösung geben.“ Sie habe schon diverse Gespräche mit dem Träger und der Leitung geführt. „In meinen Augen ist wenig Kompromissbereitschaft da. Es wird nichts angeboten, es werden auch keine Gruppen zusammengelegt.“ Das sei nicht erwünscht, habe sie als Antwort bekommen, weil Eltern aus anderen Gruppen sich dann beschwerten. „Man hätte ja auch die Eltern fragen können. Ich kenne zwei, drei Mütter, die hätten gern bei der Betreuung geholfen.“

Patricia Schadl hat mittlerweile ihr drittes Kind in der Kita Hamberge untergebracht. Sie kennt die Einrichtung seit 15 Jahren. „Es war früher anders. Man hat das Gefühl, je größer die Einrichtung wurde, desto schwieriger gestaltet sich die Organisation.“

Mehr Probleme bei großen Einrichtungen

Laut einer aktuellen Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ist knapp die Hälfte der deutschen Kita-Einrichtungen unterbesetzt. Das hat eine Umfrage unter 2600 Kita-Leitungen ergeben. Rund 90 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr mit „bedenklich zu wenig Personal“ gearbeitet zu haben. 86 Prozent gaben an, dass sie ihre Betreuungsangebote zurückfahren oder zu anderen Maßnahmen greifen mussten, um den Personalmangel zu überbrücken.

Weiteres Ergebnis der Umfrage: Je größer der Träger, desto mehr Stellen sind unbesetzt. Betroffen von den Problemen sind vor allem Einrichtungen mit 100 und mehr Kindern (71 Prozent). Kleinere Einrichtungen mit weniger als 20 Kindern sind weniger betroffen (51,3 Prozent). Ursache laut der Studie: Die Personalfluktuation ist bei größeren Einrichtungen oftmals höher. Die Nachbesetzung offener Stellen dauert bei 70 Prozent der Kitas im Schnitt mindestens drei Monate.

Insgesamt werden 125 Kinder in der Hamberger Kita Regenbogen betreut. Davon sind 30 Krippenkinder und 95 im Regelkindergarten. Für jede der acht Gruppen werden zwei ausgebildete Betreuungskräfte benötigt. Bei den unter Dreijährigen gilt der Schlüssel zwei Betreuungspersonen für zehn Kinder, bei den über Dreijährigen werden zwei Erzieher für 20 Kinder benötigt.

Erzieher werden Anforderungen nicht mehr gerecht

Weil so viele Stellen unbesetzt sind, können die Erzieher den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. „Wir haben zum Beispiel Zahnbürsten bezahlt. Aber die Zähne werden gar nicht geputzt, weil kein Personal da ist“, sagt Inac. Auch das Frühstücken komme viel zu kurz. „Mama, ich muss mich in die offene Gruppe einloggen. Ich habe keine Zeit zum Essen“, bekomme sie von ihrem Kind zu hören. Da herrsche eine Unruhe und Druck. „Das Frühstück kommt so wieder zurück, wie ich es mitgegeben habe. Und ich bin nicht die einzige Mutter, der es so ergeht.“ Elternvertreter würden sich wegducken. „Über die gehe ich gar nicht mehr, ich gehe direkt ins Büro der Leitung. Alle anderen machen das inzwischen auch so.“

Bereits Anfang des Jahres war die Kita Regenbogen dramatisch unterbesetzt. Sechs Erzieherinnen waren zeitgleich schwanger geworden, zwei waren erkrankt. Im Januar mussten deshalb viele Eltern ihre Kinder zu Hause lassen. Schon damals gab es die Befürchtung, dass das erst der Anfang der Misere sein könne.

Der Kirchenkreis als Träger der Einrichtung unternahm alle Anstrengungen, um Personal zu akquirieren. Erst sah es auch erfreulich aus. Für die insgesamt sieben Stellen hatte die Kita eine relativ gute Bewerbungsresonanz. „Wir haben fünf Stellen besetzen können und waren zu diesem Zeitpunkt zuversichtlich, dass sich die Lage rasch bessert“, so heißt es in dem Schreiben an die Eltern. Doch nun die Hiobsbotschaft: „Leider haben uns drei Kräfte noch vor ihrem 1. Arbeitstag darüber informiert, dass sie ihr Arbeitsverhältnis nicht antreten werden.“ Durch eine weitere Kündigung seien wieder fünf Stellen vakant.

Trägerin: Benutzerordnung wird geprüft

Angesprochen auf die kritische Situation in der Kita Regenbogen teilt Sebastian von Gehren, Pressesprecher des Kirchenkreises, mit: „Es wird gerade die Benutzerordnung geprüft, inwieweit Forderungen erfüllt werden können. Das passiert bis Anfang nächster Woche.“ Die Kita versuche, den Betrieb so gut es gehe aufrecht zu erhalten. „Aber das große Problem ist der Fachkräftemangel. Stellen sind ausgeschrieben, es wird gesucht, aber die Lage ist angespannt.“

Die Personalnot ist so groß, dass sich die Kitas schon gegenseitig Konkurrenz machen. Das hat auch die Hamberger Einrichtung zu spüren bekommen. „Weil es so viele Stellen und Angebote gibt, nehmen die Bewerber kurzfristig was anderes. Es ist gerade wirklich schwierig, die Stellen zu besetzen“, weiß von Gehren. Die Trägerin gebe ihr Bestes und bemühe sich, sie stehe aber im Wettbewerb mit allen anderen Einrichtungen. „Eltern sind natürlich auch immer emotional. Man guckt ganz genau hin, und das ist auch gut so. Nichtsdestotrotz wird in den Kitas, die die Kirchenkreise und Gemeinden betreiben, gute Arbeit geleistet.“

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Britta Matzen

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