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Stormarn Drei Jahre Haft für Unfallfahrer
Lokales Stormarn Drei Jahre Haft für Unfallfahrer
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17:55 25.01.2019
Der Angeklagte, der vor einem Jahr unter Alkohol den Tod von drei Menschen auf der A 1 verursacht hat, ist am Freitag in Ahrensburg zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Der Angeklagte, der vor einem Jahr unter Alkohol den Tod von drei Menschen auf der A 1 verursacht hat, ist am Freitag in Ahrensburg zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Quelle: Jens Burmester
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Ahrensburg

Der Angeklagte im Prozess um den Unfall mit drei Toten auf der A 1 ist am Freitag zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Schöffengericht in Ahrensburg sah es als erwiesen an, dass die Tatvorwürfe der vorsätzlichen Verkehrsgefährdung und der fahrlässigen Tötung erfüllt sind. Der Angeklagte, der zur Tatzeit über 1,7 Promille hatte, trägt zudem die Kosten des Verfahrens und verliert für drei Jahre seine Fahrerlaubnis. Er hat eine Woche Zeit, um in Berufung zu gehen oder eine Revision zu beantragen. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

„Sie haben in erheblicher Weise die Sorgfaltspflicht missachtet und sich falsch verhalten“, begründete der vorsitzende Richter das Urteil. Während des Prozesses hatten mehrere Zeugen ausgesagt, dass der Angeklagte bereits vorher mehrfach durch riskantes Fahren aufgefallen war. Im Horner Kreisel sei er ins Schleudern geraten und habe sein Fahrzeug verlassen, um die Schäden zu prüfen. „Das war ein Moment des Innehaltens“, so der Richter, „hier hätten Sie überlegen müssen, ob Sie das Richtige tun.“ Auch das vorherige Überfahren einer roten Ampel und spätere riskante Überholmanöver seien Situationen gewesen, in denen dem Angeklagten hätte klar werden müssen, dass er nicht mehr fahrtauglich war. Stattdessen sei er weiter gefahren und habe schließlich mit hoher Geschwindigkeit einen vor ihm fahrenden Skoda von der Straße gerammt. Der war anschließend zurück auf die Autobahn geschleudert, wo ein Jeep in ihn hinein gefahren war.

Opfer starben durch den Aufprall

Zuvor hatte eine gerichtsmedizinische Gutachterin festgestellt, dass die drei Männer im Skoda durch die Wucht des Aufpralls von hinten gestorben sind. Das technische Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der Unfallverursacher mit 170 bis 195 km/h auf den Skoda aufgefahren ist, der 90 bis 110 km/h schnell fuhr. Damit trägt der Angeklagte die Schuld am Tod der drei Männer, ungeachtet des zweiten Aufpralls durch den Jeep. Da der Angeklagte zuvor ausgesagt hatte, dass er seit einem Jahr regelmäßig Alkohol getrunken habe, ging die Gutachterin davon aus, dass dadurch eine gewisse Gewöhnung eingetreten war. Da der Mann, der zur Tatzeit 24 Jahre alt war, das Fahrzeug noch habe bedienen können und am Unfallort ansprechbar war, liege keine verminderte Schuldfähigkeit vor.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Angeklagte bereits im Oktober und im November vor dem Unfall durch Fehlverhalten im Straßenverkehr aufgefallen war. Einmal erhielt er ein Bußgeld, weil er 40 Stundenkilometer schneller als erlaubt gefahren war, beim zweiten Mal wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen, weil er nach Kokainmissbrauch gefahren war. „Die Mitteilung darüber wurde dem Angeklagten am 1. Februar 2018 zugestellt“, so der Richter – am 28. Januar 2018 hatte sich der tödliche Unfall ereignet. Der Richter wertete es als erschwerend, dass der Angeklagte trotz der beiden Verstöße vor dem Unfall sein Fahrverhalten nicht geändert habe.

Angeklagter entschuldigte sich

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatte der Angeklagte eine Erklärung verlesen, in der er seine Schuld zugab und sich bei den Angehörigen, die als Nebenkläger auftraten, entschuldigte. Er habe als Barkeeper gearbeitet und wegen der langen Arbeitstage Streit mit seiner Freundin bekommen, die er am Tattag in Lübeck besuchen wollte. Den Frust habe er mit Alkohol ertränkt, um sich frei zu fühlen. „Ich habe die ganze Schicht über Alkohol getrunken.“ Er habe niemanden verletzen oder gar töten wollen. Inzwischen trinke er nicht mehr und mache eine Therapie.

Der Angeklagte mit seinen Anwälten Maximilian Pancic (l.) und Heiko Granzin äußerte sich nicht. Quelle: ST

Die Nebenkläger glaubten dem Angeklagten seine Reue nicht. In einer emotionalen Ansprache hielten sie dem Angeklagten den Tod der drei Männer vor. Er habe durch seine rücksichtslose und egoistische Tat drei Familien ins Leid gestürzt. Der Vater eines Opfers, der ein Bild seines verunglückten Sohnes auf dem T-Shirt trug, warf dem Angeklagten vor, ihrer aller Leben traumatisch verändert zu haben.

Der Staatsanwalt ging von einer vorsätzlichen Trunkenheitsfahrt aus. „Wer am Horner Kreisel wieder einsteigt und weiterfährt, der handelt vorsätzlich.“ Der Angeklagte sei jung, habe keine Vorstrafen und zeige sich schuldeinsichtig, habe aber ein hohes Maß an Rücksichts- und Verantwortungslosigkeit gezeigt. Die Haftstrafe sei keine Vergeltung, sondern eine Erziehungsmaßnahme, um dem Angeklagten seine Verhaltensdefizite klar zu machen. Zugleich solle mit dem Urteil, das eine Bewährung ausschließe, ein Zeichen in der Öffentlichkeit gesetzt werden, dass Fahren unter Alkohol und Raserei schwerwiegende Folgen hätten.

29. Januar 2018: Drei Tote bei Horror-Unfall auf der A1 bei Lasbek

6. Februar 2018: Unfall-Fahrer hatte 1,7 Promille

11. September 2018: Unfall-Verursacher wird angeklagt

Erster Prozesstag, 17. Januar 2019: Angeklagter gibt zu, betrunken gewesen zu sein

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Bettina Albrod