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Stormarn Ob mit oder ohne Schuhe: Pilgern entschleunigt
Lokales Stormarn Ob mit oder ohne Schuhe: Pilgern entschleunigt
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14:37 15.08.2019
Stefan Koch läuft am liebsten barfuß. Am 18. August leitet er eine Pilgertour von Reinfeld nach Bad Oldesloe. Quelle: Dorothea von Dahlen
Eichede

„Ich bin dann mal weg.“ Diesen viel zitierten Satz des Entertainers Hape Kerkeling wird man von Stefan Koch schwerlich hören. Eine lange Pilgertour, womöglich nach Santiago de Compostela, kommt für ihn derzeit nicht in Frage. „Meine Frau würde mir etwas husten“, sagt der Vater dreier Kinder lachend. Fernziele dieser Art sind für ihn nicht nur utopisch, sie reizen ihn ohnehin nicht wirklich. Dem Eichedeer gefällt das bedächtige Wandeln durch die heimische Feldmark. Da kann er entspannen und seinen Gedanken nachhängen und das am liebsten barfuß. Als Mitglied des Gemeindekirchenrats lädt er andere Stormarner ein, es ihm gleichzutun. Die Tour am Sonntag, 18. August, führt von Reinfeld nach Bad Oldesloe.

Auf ferne Ziele kommt es nicht an

„Letztlich geht es mir nicht darum, ein weit gestecktes Ziel zu erreichen. Mir kommt es darauf an, beim Gehen zur Ruhe zu kommen. Es ist die langsamste Art, sich fortzubewegen. Man kehrt in sich und kommt zu sich selbst“, erklärt Stefan Koch. Das steht in starkem Kontrast zu seinem täglichen, meist stressigen Umfeld. Denn paradoxerweise arbeitet der 44-Jährige im größten Beschleunigungszentrum der Republik, dem Deutschen Elektronensynchrotron Desy in Hamburg.

Ein Kontrast zur Lichtgeschwindigkeit

„Bekannt ist meist nur das CERN in der Schweiz, aber wir sind inzwischen ein weltweit führendes Forschungszentrum“, erklärt der Ingenieur. So sei es gelungen, Protonen und andere Teilchen mit Hilfe kurzer, extrem energiegeladener Laserpulse fast auf Lichtgeschwindigkeit zu bringen und das über eine relativ kurze Distanz. Bei Geräten älteren Typs wie bei CERN in der Schweiz, bedürfe es dagegen noch kilometerlanger, mit Elektromagneten bestückter Beschleunigungsringe, um diesen Effekt zu erzielen.

Pilgern entschleunigt mehr als Radfahren

Höher, schneller, weiter. Auch wenn es eigentlich die Teilchen sind, die auf nahezu unvorstellbare Geschwindigkeit gebracht werden, die Jagd nach neuen Horizonten und Erkenntnissen schafft eine intensive Arbeitsatmosphäre im Forschungsinstitut, die durchaus stressen kann. Obgleich er nicht zum Team der Wissenschaftler gehört, ist Koch dennoch in diese Taktung eingebunden. Schließlich sind schnelle Lösungen gefragt, wenn es etwa zu Störungen an den Versuchsanlagen oder zu anderen Herausforderungen kommt. „Das Pilgern ist da ein guter Ausgleich vom Stress. Es entschleunigt noch mehr als Radfahren und zwingt zur Ruhe“, sagt Koch.

Ab minus 5 Grad geht’s in die Schuhe

Mit bloßen Füßen vor die Tür zu treten, ist für den gläubigen Protestanten das Normalste der Welt. Das gehe schon seit 15 Jahren so, erzählt er. Erst sei er nur im Sommer, dann auch im Herbst und schließlich das ganze Jahr hinweg barfuß gelaufen. Schuhe trage er nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lasse. „Die Leute hier kennen das schon. Wir haben barfuß geheiratet und sonntags gehe ich so in die Kirche, selbst im Schnee“, sagt er. Doch es gibt tatsächlich Grenzen. Ab 5 Grad minus schützt selbst der abgehärtete Eichedeer seine Füße und am Institutstor ist auch erst einmal Schluss mit dem Barfußlaufen. Dort warten sogar Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen auf den Ingenieur.

Hübsches Teilstück der Via Baltica

Am Sonntag, 18. August, wird Koch jedoch wieder seiner Leidenschaft frönen. Die etwa zwölf Kilometer lange Strecke, die alle Teilnehmer ohne Eile in Richtung Kreisstadt zurücklegen, hat er freilich schon ausgekundschaftet „Sie führt über tolle Wege und Pfade. Die meiste Zeit ist man abseits verkehrsstarker Straßen unterwegs“, kündigt Koch an. Mit längeren Strecken auf dem Jakobsweg sei die Tour zwar nicht zu vergleichen, doch führe sie über ein berühmtes Teilstück, die Via Baltica. Sie erstrecke sich von Usedom bis nach Osnabrück und stelle die historische Verbindung zwischen den baltischen Ländern und Westfalen her. Innerhalb Schleswig-Holsteins lägen die Etappen Lübeck, Reinfeld, Bad Oldesloe und Tangstedt. Dann gehe es nach Hamburg.

Alles kann, nichts muss

„Von der Kirchengemeinde aus pilgern schon einige mit. Wir würden uns aber über weitere Teilnehmer freuen“, sagt Koch. Außer der Startzeit und dem vorgegebenen Weg gebe es keinerlei Programm oder Ablauf. Wer lieber in Ruhe die Natur genießen wolle, komme ebenso zu seinem Recht wie andere, die etwas auf dem Herzen haben oder einfach nur ein angenehmes Gespräch führen wollten. Für alle Eichedeer und Teilnehmer aus dem Umkreis sei der Treffpunkt am Pastorat. Von dort gehe es gesammelt mit dem Pkw zum Oldesloer Bahnhof und mit dem Zug nach Reinfeld. So sei hernach eine bequeme Rückreise möglich. Anmeldungen seien nicht nötig.

Wer aus Bad Oldesloe oder Reinfeld aus mitkommen will, kann die mit Rucksäcken ausgerüstete Gruppe an den jeweiligen Bahnhöfen zur Abfahrts- oder Ankunftszeit (siehe Kasten) ausfindig machen. Sofern es Zweifel geben sollte, der barfüßige Stefan Koch dürfte unschwer auszumachen sein.

Spiritueller Spaziergang durch die Natur

„Pilgern für Anfänger“als neue Veranstaltungsform entstand im Öffentlichkeitsausschuss der Kirchengemeinde Eichede. Dort werden Aktionen geplant, um auch Menschen anzusprechen, die sonntags nicht zur Kirche gehen.

Zur Tour am Sonntag, 18. August, treffen sich alle Eichedeer um 10.45 Uhr vor dem Pastorat. Mit dem Pkw geht es zum Oldesloer Bahnhof und von dort um 11.30 Uhr nach Reinfeld, wo der Zug um 11.35 Uhr ankommt. Die Pilgertour selbst dauert etwa vier Stunden.

Weitere Informationen zum Pilgern gibt es auch unter https://www.jakobswege-norddeutschland.de/ oder auch https://deutsche-jakobus-gesellschaft.de/index.php?id=startseite

 

Von Dorothea von Dahlen

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