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Stormarn Ein Herz schlägt in jeder Brust
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19:16 30.06.2014
Gemeinsam haben diese Erstklässler an der Schule am Masurenweg die Papierfiguren bemalt und beklebt. Quelle: Fotos: von Dahlen
Bad Oldesloe

Auf dem Boden des Klassenzimmers liegen Fahnen von Brasilien und Deutschland. Dazwischen hat Paula Stefani einen Globus gestellt, den sie mit einer Taschenlampe beleuchtet. „Die Sonne scheint gerade in Deutschland und wenn sich die Erde dreht, später auch in Brasilien. Sie scheint überall auf der Welt“, erklärt die Mutter der siebenjährigen Antonina.

Sie stammt aus Brasilien und lebt mit Mann und zwei Kindern in Rethwisch. Heute ist sie mit einem Unterrichtsprojekt zu Gast an der Schule am Masurenweg (SaM) in Bad Oldesloe. Die Kinder sollen lernen, dass Vorbehalte gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe und Sprache der Grundlage entbehren und ungerecht sind. Sie teilt Papierfiguren aus und bittet die Kinder, ihnen Gesichter anzumalen.

Später kleben die Mädchen und Jungen Herzen darauf — als verbindendes Zeichen, da alle mit dem pulsierenden lebensspendenden Organ ausgestattet sind. Und damit sich jedes Kind selbst davon überzeugen kann, reicht Paula Stefani ein Stethoskop herum. „Hört sich an wie ein Gewitter“, sagt William (7), als er den Herzton des Schülers neben ihm abhören darf. Zum Abschluss werden die Papierfiguren zu einer Menschenkette zusammengeklebt und im Klassenraum aufgehängt.

„Dieses Projekt gegen Rassismus hatte ich schon länger im Hinterkopf. Ich dachte, zur Fußballweltmeisterschaft wäre ein guter Zeitpunkt, den Kinder die soziale Seite näherzubringen“, erzählt Paula Stefani. Sie selbst sieht das große sportliche Ereignis kritisch. „Für mich ist es eine Geldmeisterschaft“, sagt sie. In ihrem Heimatland gebe es große soziale Unterschiede. Während im Süden eher die Reichen lebten, herrsche im Norden bittere Armut. Kinder aus den Favelas — den Slums rund um die Großstädte — seien genötigt, in Fabriken zu arbeiten, um zum Lebenserwerb ihrer Familien beizutragen, viele von ihnen suchten gar den Wohlstandsmüll auf Deponien nach essbaren Resten ab.

„Am schlimmsten ist es im Norden und Nordosten, wo der Großteil der schwarzen Bevölkerung lebt“, sagt Paula Stefani. Sie beklagt das extreme soziale Gefälle, die gesellschaftliche Ungerechtigkeit in ihrer alten Heimat. Auf der einen Seite seien riesige Summen für die WM-Stadien ausgegeben worden, die später niemand mehr brauche, auf der anderen Seite gebe der Staat kaum Geld für die medizinische Versorgung und das Bildungssystem aus. „Wer vier bis fünf Stunden im Krankenhaus in der Schlange stehen muss, kann auf dem Boden auch sterben“, schildert sie, wie drastisch der Alltag für Menschen ist, die sich weder Privatschulen leisten noch den Besuch beim Arzt selbst finanzieren können.

Dies alles komme in der Berichterstattung über die WM zu kurz. Statt dessen dominierten die Klischees von leicht bekleideten Brasilianerinnen, Karneval und Fußball. „Was mich glücklich macht, ist die Reaktion von Besuchern, die erzählen, mit welcher Freude und Herzlichkeit sie in Brasilien aufgenommen wurden“, sagt Paula Stefani. „Deshalb ist das ganze so schade. Die Bevölkerung hätte bessere Lebensbedingungen verdient.“

Stefani, die ausgebildete Lehrerin ist und Kommunikationswissenschaften studiert hat, engagiert sich auch ehrenamtlich für Flüchtlinge, die nach Stormarn kommen. Sie unterstützt die portugiesischsprachigen unter ihnen bei der Eingliederung. Sie hält deshalb Unterrichtsprojekte, die zur Völkerverständigung beitragen, für sehr wichtig. „Denn es ist jetzt schon sicher, dass immer mehr Flüchtlinge zu uns kommen“, sagt sie.

Dorothea von Dahlen

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