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Stormarn Ein Liebesbrief besiegelte den Bund fürs Leben
Lokales Stormarn Ein Liebesbrief besiegelte den Bund fürs Leben
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19:15 08.08.2014
Hans Gerke zeigt das Foto, das auf der Feier zur Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren mit seiner Frau Helga aufgenommen wurde. Quelle: von Dahlen
Klein Boden

Klassischer geht‘s nimmer: Auf dem Feuerwehrball im Dorfkrug lernten sich Helga und Hans Gerke kennen — genau vor 60 Jahren. Sie ließ ihn aber erst zappeln. „Ich hatte sie auf den Markt nach Bad Oldesloe eingeladen. Da hat sie mich versetzt“, erzählt der 86-Jährige und schmunzelt verheißungsvoll. Erst als er seinen ganzen Mut zusammennahm und ihr einen Liebesbrief schickte, taute die junge Schönbergerin auf. Mit der Bemerkung, es seien viele Fehler drin, aber er sei gut gesetzt, willigte sie in die Verbindung ein.

„Anbrennen“ ließ Gerke nichts. Wenige Monate nach der Hochzeit kam schon die Tochter zur Welt, später die drei Söhne. Nicht alle sollten der Familientradition folgen. „Schon seit Urgroßvaters Zeiten war das hier ein rotes Haus“, sagt Gehrke und deutet auf ein Glückwunschschreiben, das der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner anlässlich der Diamantenen Hochzeit geschickt hat. Schließlich sitzt Sohn Winfried für die Christdemokraten im Kreistag. Die Affinität zur CDU zeichnete sich Gerke zufolge schon früh ab. „Als Rainer Barzel damals kandidierte, hat mein Sohn Hartmut gegen das Wahlplakat getreten. Winfried hat es danach gestreichelt.“ Da es aber auch bei der CDU einen linken Flügel gebe, habe dies den Familienfrieden nicht stören können.

Die Rollen im Hause waren streng verteilt: Während sich seine Frau um die Kinder kümmerte, holte Hans Gerke das Geld rein. Der gelernte Schuhmacher, der inzwischen einen eigenen Laden in Sandesneben betrieb, sollte später zur Post wechseln und am Hamburger Hauptbahnhof als Zusteller beschäftigt sein. Damit das Geld für die sechsköpfige Familie auch reichte, fuhr er nebenbei in Bad Oldesloe Taxi.

Doch damit nicht genug. Der umtriebige Gerke engagierte sich nicht nur bei der SPD, er war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und der Gemeindevertretung von Rethwisch. Nebenbei züchtete er Bienen, startete zuweilen beim Ringreiten und unternahm kleine Reisen mit Ehefrau Helga unter der Regie des Sozialverbands. Beide kümmerten sie sich auch um den großen Garten. Denn bei den Gerkes kam stets selbstgezogenes Gemüse auf den Tisch.

Mit einer Mischung aus Lächeln und Wehmut betrachtet der Klein Bodener das Hochglanzfoto, das vor zehn Jahren zur Goldenen Hochzeit der beiden entstand. Seine Frau Helga ist darauf schick zurechtgemacht und trägt ein langes blaues Kleid. Zur Feier des Tages tanzten beide zu Helga Gerkes Lieblingslied „Rot sind die Rosen“. Inzwischen ist sie an Parkinson erkrankt. Eine so große Feier war deshalb zur Diamantenen Hochzeit nicht mehr möglich. Sie lebt jetzt in einem Heim in Bad Oldesloe.

Der Liebesbrief, den Gerke einst schrieb, existiert übrigens noch. „Er liegt in der Schublade. Meine Frau möchte ihn mit ins Grab nehmen“, sagt er.

D. von Dahlen

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