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Stormarn Einbrecher pendeln mit der Bahn zum Tatort
Lokales Stormarn Einbrecher pendeln mit der Bahn zum Tatort
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20:10 12.03.2018
Hans-Jürgen Bruhns wurde von dem Präventionsbeamten Ed Kretz mit Informationsmaterial zum Thema Einbruch versorgt. Quelle: Fotos: B. Albrod
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Ahrensburg

Die Polizeidirektion Ratzeburg war dafür in Ahrensburg mit 30 Beamten unterwegs und zeigte Präsenz, ermittelte mit ziviler Streife und betrieb Aufklärungsarbeit bei den Bürgern. „Seit November 2017 ist das der siebente Einsatz dieser Art“, erklärt Jörg Marienberg, derzeit Leiter der Polizeidienststelle Ahrensburg. „Dabei arbeiten wir mit der Hamburger Polizei zusammen.“ 30 Beamte waren unterwegs, fuhren Streife in Bahnhofsnähe, verteilten Flyer mit Sicherheitshinweisen oder beobachteten inkognito in Zivil mögliche Verdächtige. „Wir wissen, dass Orte mit U-Bahn- oder Bahnanschluss verstärkt Ziel von Einbrüchen sind“, so Marienberg. Großhansdorf mit drei U-Bahnstationen und Ahrensburg mit Bahn- und U-Bahnanbindung seien besonders gefährdet.

Der Einbrecher von heute ist männlich, steigt mit Rucksack in Hamburg in die Bahn, löst dafür brav ein Ticket und fährt nach der Tat mit der Beute wieder zurück. Gestern waren Bahnhöfe in Ahrensburg, Hoisbüttel, Reinbek und Schwarzenbek Ziel einer Präventionsveranstaltung.

Seit eineinhalb Jahren gibt es die zivile Fahndungseinheit, durch die es laut Marienberg schon einige Erfolge gegeben hat. „In Hamburg ist ein Beamter aus Schleswig-Holstein bei der Einbruchspezialtruppe „Soko Castle“ dabei, dadurch wissen wir, wer in Hamburg schon aufgefallen ist. Oft fallen die Leute auch bei uns auf.“ Wer einen Rucksack trägt, mit einem oder zwei anderen Männern unterwegs ist und sich verdächtig verhält, kann ein Kandidat für Handschellen sein. „Mögliche Täter werden beobachtet, und wenn ein begründeter Verdacht vorliegt, auch kontrolliert“, so der Polizeibeamte. Erst vor sechs Wochen seien drei Männer verhaftet worden. „Dadurch erhalten wir Täterwissen“, erklärt Gerd Dietel, der bei der Polizeidirektion Ratzeburg für Prävention zuständig ist.

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„Durch Spuren wie Fahrkarten am Tatort bekommen wir Aufschlüsse über die Vorgehensweise der Täter.“

Unterstützt wird die Polizei dabei von einer zivilen Fahndungseinheit und einer Spurensicherungsgruppe, die beispielsweise DNA und Schuhabdrücke auswertet und so zu guten Ergebnissen kommt. „Wir sind nicht mehr Polizisten als früher, aber die Arbeit ist professioneller geworden“, bilanziert Marienberg. „Seit 2015 sind die Einbruchszahlen in unserem Revier von 600 auf nur noch gut 300 im letzten Winter gesunken.“ Der zurückliegende Winter sei für die Polizei eine gute Saison gewesen. „Aufklärungsarbeit und die Zusammenarbeit über die Ländergrenzen haben sich bewährt“, ist Marienberg überzeugt. „Das wird sicher auch in Zukunft fortgesetzt.“ Noch sinnvoller wäre ein Nordverbund, der Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern einschließen würde. „Der Wissenstausch bringt Erfolge.“

Deshalb gab es auch Wissen für die Bürger: Am Ahrensburger Bahnhof zeigten die Polizeibeamten Präsenz und verteilten Broschüren zum Einbruchschutz und Flyer zum Thema Nachbarschaftshilfe. Bei Hans-Jürgen Bruhns, der mit dem Zug aus Hamburg kam, trafen sie dabei auf offene Ohren. „Ich wohne in einer Wohnanlage, in der seit November zweimal eingebrochen wurde“, erzählt er.

„Die Täter sind den Opfern bis zur Wohnung gefolgt und haben sie dort niedergeschlagen.“ Aufmerksame Nachbarn können eine große Hilfe sein, und die Polizei wird nicht müde zu betonen, dass man ungehemmt 110 wählen soll, wenn man Verdächtiges beobachtet. Das gilt nicht nur für Wohnungseinbrüche: Neben den Einbrechern nehmen die Polizeibeamten auch verstärkt Kraftfahrzeug-Aufbrüche in den Blick, auch hier soll es ähnliche Aktionen zur Prävention geben.

Von Bettina Albrod