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Stormarn Einbruchserie: Lasbeker in Angst
Lokales Stormarn Einbruchserie: Lasbeker in Angst
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09:15 22.11.2013
Iris und Sven Bennin stehen vor dem kleinen Fenster, durch das die Diebe in ihr Haus in Lasbek eingestiegen sind. Quelle: Fotos: Verena Bosslet/dvd
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Lasbek

Diese Nacht vor genau drei Wochen werden Iris und Sven Bennin so schnell nicht vergessen: Zu Halloween kamen keine verkleideten Kinder in ihr Haus, sondern Einbrecher. Das Ehepaar aus Lasbek gehört zu denen, die von Unbekannten auf deren Zug durch die Gemeinde bestohlen wurden. „Wir waren sechs Leute im Haus“, erinnert sich Iris Bennin. Die Kinder schliefen im ersten Stock, das Paar mit Terrier „Luigi“ im Erdgeschoss, als sich die Einbrecher Zugang zum Eigentum der Familie verschafften.

Sie bohrten ein kleines Fenster auf, räumten fein säuberlich störende Gegenstände aus dem Weg und stiegen ein. „Meine guten Turnschuhe haben sie mitgenommen und ein wenig Bargeld“, berichtet Sven Bennin. Aufgefallen ist ihnen der Einbruch nur, weil der Filius am nächsten Morgen das Portemonnaie des Vaters auf dem Rasen vor dem Haus fand. Iris Bennin mag gar nicht daran denken, dass die Diebe vor ihrer geöffneten Schlafzimmertür gestanden haben müssen. Die grenzt an das Wohnzimmer. „Ich verstehe nicht, dass der Hund nicht angeschlagen hat. Die haben überhaupt keinen Lärm gemacht“, sagt die 38-Jährige. „Das müssen Profis gewesen sein.“

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„Das waren keine Anfänger“, bestätigt Michael Schild. Der Polizeibeamte aus der Polizeistation in Mollhagen hat einige Einbrüche in jener Nacht aufgenommen. „Es waren weit unter zehn“, sagt der Beamte, der von seinem Kollegen aus Bargteheide unterstützt wurde. „Im Prinzip haben alle Einbrüche die gleiche Handschrift getragen. Fenster oder Türen wurden aufgebohrt, Schmuck und Geld gestohlen, also das, was sich schnell transportieren lässt. Wir gehen daher von einer organisierten Gruppierung aus“, sagt Schild.

Er rät allen Bürgern, gerade jetzt in der Hochzeit der Dämmerungseinbrüche besonders aufmerksam zu sein. „Man soll sich nicht scheuen, die 110 anzurufen, wenn man etwas Auffälliges beobachtet. Wir könnten dann schneller am Tatort sein“, sagt er.

Aufmerksam sind die Lasbeker seit der Einbruchserie mehr denn je. Dennoch wird offenbar weiterhin munter eingebrochen. Das berichten jedenfalls besorgte Bürger. Die zuständige Polizeidirektion in Ratzeburg hat nach Auskunft der Pressestelle seit Jahresanfang bis Ende Oktober 14 Fälle gezählt. Das kann Volker Bestmann (47) kaum glauben. In Windeseile benennt der Chef des ortsansässigen Getränkemarktes mindestens zehn Familien, die innerhalb der vergangenen drei Wochen zu Opfern von Einbrechern geworden sind oder wo versucht wurde einzubrechen.

„Bei mir sind sie nicht reingekommen. Ich habe zwei Hunde“, sagt Vivika Herrmann. Der Vorfall sei eine Woche nach der Halloween-Nacht gewesen. „Wir sind schon ganz paranoid, weil es mittlerweile soviel ist und nicht aufhört“, sagt die 42-Jährige. „Man traut schon gar keinem Fremden mehr“, sagt Volker Bestmann, bei dem noch kein Einbrecher zu Besuch war. „Aber im Haus vor und hinter uns, da waren sie schon.“

Auch Inge Lübchow hatte einen Einbruch eine Woche nach Halloween zu vermelden. „Die haben das Fenster aufgehebelt, aber nichts kaputt gemacht. Uns ist das nur aufgefallen, weil ein Blumentopf nicht mehr auf der Fensterbank, sondern im Garten stand“, erzählt die rüstige Rentnerin. „Geklaut haben die aber nichts.“

Lasbeks Bürgermeister Harald Lodders weiß um die Angst seiner Bürger. „Ich werde oft angerufen und gefragt, was die Gemeinde denn tun will“, berichtet er. „Aber was können wir schon tun? Wir können nur die Augen aufhalten und Verdächtige der Polizei melden. Eine Bürgerwehr wäre allerdings übertrieben. Letztlich ist doch die Polizei gefragt.“ Iris und Sven Bennin haben sich inzwischen gegen ungebetene Gäste gerüstet. Für viel Geld haben sie Sicherheitsschlösser an allen Fenstern und Türen angebracht. „Bei uns kommt keiner mehr rein.“

Verena Bosslet