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Stormarn Eine Familie will wieder zusammen sein
Lokales Stormarn Eine Familie will wieder zusammen sein
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20:10 09.12.2014
Reinfeld

„Unser sehnlichster Wunsch ist es, dass unsere Familie wieder zusammenkommt“ — der Syrer Gassan Alsuleiman (63) war mit seinen beiden Söhnen Ferass (34) und Ghiath (27) sowie seinem Neffen Mohamad Ali Belal (17) seit fast vier Jahren auf der Flucht, um endlich ein sicheres Asyl in der Nähe von Reinfeld zu finden. Sie mussten aber ihre Ehefrau, Mutter, sowie ihre Tochter und Schwester in einem Flüchtlingslager in Jordanien in Nahen Osten zurücklassen.

Wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat hatte sich die Familie schweren Herzens entschieden, der syrischen Hauptstadt Damaskus den Rücken zu kehren. Die Flucht führte über Jordanien, Ägypten und die Türkei. Sie verlor damit auch ein geordnetes Leben — Vater Gassan arbeitete in einer Fabrik des Automobilkonzerns Volvo, Ferass war Koch in einem Restaurant und Ghiath hatte einen Job im Marketingbereich.

Die Männer geben sich nicht mehr der Illusion hin, irgendwann wieder in ihrer Heimat ein sicheres Leben in Syrien leben zu können. „Wir gehen davon aus, dass wir in Deutschland bleiben“, sagt Ghiath Alsuleiman. „Ihr seid hier in Sicherheit und werdet als Flüchtlinge anerkannt“, erläutert Annelie Bischoff-Buchholz, die sich zusammen mit Vera Heßler für die Integration der Flüchtlinge einsetzt.

Die beiden Frauen engagieren sich ebenso wie weitere 30 Ehrenamtler in der Initiative Asyl, die etwa 30 Kinder und Erwachsene betreut.

Neben dem Wunsch, endlich die vermissten Familienmitglieder fest in die Arme schließen zu können, haben die Flüchtlinge und die Asyl-Initiative eine weitere Bitte: „Wir suchen eine Wohnung, die nicht unbedingt in einer nur ländlichen Umgebung liegt“, erklären Annelie Bischoff-Buchholz und Vera Heßler. Die vier Männer leben derzeit in der alten Schule von Mönkhagen. Hier, direkt an der Bundesstraße 206, kann man zwar die herrliche Landschaft Nordstormarns genießen, doch ohne eigenes Fahrzeug können die Strecken bis Reinfeld, Bad Oldesloe oder Lübeck kaum bewältigt werden. Fahrten mit Bussen sind schwierig und führen erst nach längerer Zeit zum Ziel.

Nach Reinfeld sind es beispielsweise 15 Kilometer. In der Stadt müssen allerdings Besuche in der Verwaltung des Amtes Nordstormarn erledigt werden. Um Formalitäten geht es auch bei den Kontakten mit der Ausländerbehörde des Kreises in Bad Oldesloe. Und für den erst 17-jährigen Mohamad Ali musste bis zu seiner Volljährigkeit von amtlicher Seite ein Vormund bestellt werden.

Zudem wollen die Mitglieder der Reinfelder Initiative erreichen, dass die vier Syrer zumindest einmal pro Woche am Sprachunterricht in Reinfeld teilnehmen können. Die Helfer bringen die Flüchtlinge hin und holen sie auch wieder ab. Das Beherrschen der deutschen Sprache, darüber sind sich alle im Klaren, ist die wichtigsten Voraussetzung dafür, dass sich die Fremden in ihrer neuen Heimat zurecht finden. Noch sprechen die Männer nur Arabisch und Englisch.

Soziale Kontakte zu pflegen ist für die Gruppe besonders schwer, weil die alte Dorfschule so einsam liegt. „Hier gibt es keine Betreuung durch die Behörden. Die können das auch gar nicht leisten“, sagt Annelie Bischoff-Buchholz.„Wir würden uns gern mit anderen treffen, reden oder vielleicht auch gemeinsam essen“, erklärt Ghiath Alsuleiman. Um nach den Vorschriften ihres Glaubens essen zu können, müssen die Muslime ihre Lebensmittel in einem türkischen Markt in Lübeck einkaufen. Ferass bereitet die Mahlzeiten zu. Auch eine Moschee können die Männer nur in der Hansestadt besuchen.

Diese Gottesdienste gehören zu den wenigen Momenten, in denen die vier Syrer Kontakt zu anderen bekommen. Darunter leidet ganz besonders Mohamad Ali — der 17-Jährige ist zwar mit seinem Onkel und seinen beiden Vettern zusammen, „aber er vermisst doch seine eigenen Eltern sehr und ist deshalb oft traurig“, berichtet Ghiath Alsuleiman. Mohamad Ali war in seiner Heimatstadt auch ein begeisterter Fußballspieler — doch diesen Sport kann er nicht ausüben, weil der Weg zum nächsten Verein oder zum nächsten Sportplatz einfach zu weit ist.

„Vielleicht gibt es ja schon bald eine Möglichkeit, für die vier Männer eine Wohnung in Reinfeld zu finden oder auch in einem anderen Ort, der eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hat.

Diese Wohnung darf natürlich nicht zu teuer sein“, sagen Annelie Bischoff-Buchholz und Vera Heßler. Das wäre für die Flüchtlinge ein schönes Geschenk zu Weihnachten. „Und wenn wir wieder mit Mutter und Schwester in Jordanien telefonieren können“, fügt Ghiath Alsuleiman hinzu.

Michael Thormählen

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