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Stormarn Reinfeld ruft zur Einwohnerversammlung
Lokales Stormarn Reinfeld ruft zur Einwohnerversammlung
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16:12 23.10.2018
Luftbild Reinfeld 2018
Luftbild Reinfeld 2018 Quelle: Manfred Giese
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Reinfeld

 „Bei meiner Wiederwahl habe ich gesagt, ich würde gern das Instrument der Einwohnerversammlung öfter hinzuziehen“, teilt Bürgervorsteher Gerd Herrmann (SPD) mit. In Absprache mit Bürgermeister Heiko Gerstmann habe er vereinbart, dass es in nächster Zeit eine Reihe von Einwohnerversammlungen geben solle, die sich verschiedenen Schwerpunkten rund um Reinfelds Entwicklung widmen.

6. November um 19 Uhr in der Aula der IKS

Der Reigen startet am 6. November um 19 Uhr in der Aula der Immanuel-Kant-Schule – zum Thema „Wohnraum schaffen“. „Wir haben auch Ausschüsse, in denen sich Bürger zu Wort melden können. Aber bei Einwohnerversammlungen ist die Form weniger starr, sodass man mehr in die Nähe eines Gesprächs mit den Bürgern kommt“, so Herrmann.

Einwohner und Pendler

Aktuell genießen 9135 Einwohner Reinfeld nicht nur als Wohnort, sondern auch als Naherholungsgebiet mit einer Umgebung aus Wäldern, Teichen und Wanderwegen. Mehr als 2800 Pendler leben in Reinfeld. „Die meisten von ihnen pendeln in Richtung Hamburg“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann. , Sie profitieren dabei von der verkehrsgünstigen Lage der Stadt Reinfeld an der Vogelfluglinie mit dem Bahnanschluss Hamburg-Lübeck einschließlich des Anschlusses an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und dem Autobahnanschluss A 1 (Hamburg-Lübeck-Oldenburg) sowie der Nähe zur A 20 (Bad Segeberg-Lübeck-Stettin) und zur A 21 (Bargteheide-Kiel).

Gerd Herrmann wird die Einwohnerversammlung leiten und moderieren. Bürgermeister Gerstmann hat eine Präsentation vorbereitet, die mögliche Entwicklungsräume vorstellt und Lösungsansätze. Dazu gehört Innenverdichtung, aber auch Außenverdichtung.

Viele Anfragen für kleine, bezahlbare Wohnungen

„Wir merken im Rathaus ganz deutlich: Wohnraum ist ein Riesenthema. Wir haben als Verwaltung viele Anfragen für kleine, bezahlbare Wohnungen, aber auch für Einfamilienhäuser. Und wir haben Anfragen von Leuten, die am liebsten gleich 20 oder 50 Häuser auf einmal bauen wollen, weil sie sicher sind, die werden sie hier los. Also, der Bedarf ist sehr groß“, so Gerstmann. Laut einem Gutachten des Kreises müssten 380 bis 540 weitere Wohnungen bis 2030 in Reinfeld geschaffen werden. Auch der demografische Wandel werde zum Tragen kommen, so die Prognosen. Laut Studie steigt die Zahl der über 70-Jährigen bis 2030 um 31 Prozent. „Wir brauchen immer mehr Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte, während die Zahl der größeren Familien abnimmt“, erläutert Gerstmann. Andererseits beanspruchten die Menschen heute viel mehr Fläche für sich. „Daraus entsteht der Wohndruck“, so der Bürgermeister.

Verwaltung muss Voraussetzungen schaffen

Um nicht von dieser Entwicklung überrannt zu werden, möchte die Stadt vorausschauend planen. Zwar könne die Entscheidung, ob und wo Reinfeld wachsen wolle, nur in den politischen Gremien getroffen werden. „Aber die Verwaltung muss die planerischen Voraussetzungen schaffen. Wir müssen überlegen, mit welcher Einwohnerzahl wir rechnen müssen. Dazu gehört auch, die erforderliche Infrastruktur mit einzubeziehen“, fasst Gerd Herrmann zusammen. In welchen Bereichen kann Reinfeld wachsen? Darüber hat man sich im Land bereits vor 20 Jahren Gedanken gemacht, wie aus einem Regionalplan von 1998 hervorgeht. „Der Plan zeigt schon die Grundabsicht, dass wir südlich der Autobahn nicht wachsen sollen“, so Gerstmann. Dort sei eine Wohnbebauung nicht für sinnvoll erachtet worden. Jüngere Landespläne hätten laut Gerstmann zudem einen Grundtenor: „Dass wir gen Norden nicht wachsen können. In Richtung Heidekamp, Zarpen und Rehhorst haben wir Naturschutzgebiete und Biotopverbundachsen. Nach Osten sind wir durch Stubbendorf eingeengt.“

Wohnbebauung nur gen Westen möglich

Somit bleibe neben der Innenverdichtung nach außen nur noch die Möglichkeit der Wohnbebauung gen Westen. „Richtung Bad Oldesloe – Dröhnhorst“, sagt der Bürgermeister. Bereits der alte Flächennutzungsplan von 2005 habe im Gebiet Dröhnhorst eine Wohnbebauung vorgesehen. Ein Beschluss aus Mai 2018 für Vorplanungen eines Neubaugebiets auf dem Acker eines Landwirts hatte im Sommer für Aufregung gesorgt und eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen.

„Wir müssen über Dröhnhorst sprechen“

Bei der Einwohnerversammlung dürfte es somit spannend werden. Es geht um die wenigen Baulücken, die es in Reinfeld gibt, und um Nachverdichtung, wenn der große Garten zum Bauplatz wird. „Da sind haufenweise Flächen vorhanden. Aber man kann ja niemanden zwingen, seinen Nutzgarten zu versilbern“, weiß Herrmann. Deswegen sei das Potenzial dort theoretisch groß, praktisch aber klein. Auch über eine Ansiedlung im Gebiet Dröhnhorst müsse man sprechen. Denn nur dort gebe es noch die Möglichkeit einer neuen Wohnfläche. Auch wenn die Nachbarn nicht alle begeistert sind, weil ihnen die Sicht auf Wiesen und Felder genommen würde. „Aber ich möchte betonen: Es ist eine langfristige Perspektive, die wir nicht im nächsten Jahr umsetzen werden. Es sind nur Gedankenspiele“, macht der Bürgermeister deutlich.  

Britta Matzen