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Stormarn Raiffeisen-Passage in Reinfeld blüht auf
Lokales Stormarn Raiffeisen-Passage in Reinfeld blüht auf
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07:00 07.12.2019
Von Paris nach Reinfeld: Der Parfümeur Tomasz Schmidt bietet in seiner Boutique Duftkreationen für Damen und Herren an. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Kleine Shops groß in Mode! In der Reinfelder Raiffeisen-Passage haben in den vergangenen Wochen neue Läden eröffnet, die Außergewöhnliches zu bieten haben.

Parfümeur aus Paris in Reinfeld

„Essenza“ heißt die Boutique, die Tomasz Schmidt Anfang November eröffnet hat. Der 37-Jährige hat sich mit Parfüms selbstständig gemacht. „Ich habe in Paris studiert und einen Masterabschluss für Duft- und Riechstoffe gemacht“, erzählt der Geschäftsmann. „Master of Scent“ darf sich Tomasz Schmidt nennen. Für verschiedene Unternehmen hat der Mann mit der feinen Nase, die 200 Düfte am Tag unterscheiden kann, bereits gearbeitet. Unter anderem für Beiersdorf und Audi. Für Letztere entwickelte er Auto-Parfüms, die demnächst auf den Markt kommen. „Die Leute haben mich immer gefragt, ob ich auch Parfüms wie die von Chanel, Hugo Boss oder Dior herstellen kann.“ Aber klar. Kann er. All die berühmten Düfte großer Marken kreierte der gebürtige Berliner nach. So entstand seine Geschäftsidee. Ursprünglich wollte der Parfümeur eine Duft-Boutique in Berlin eröffnen. Doch dann zog es ihn der Liebe wegen nach Lübeck. In der Hansestadt feilte er noch zwei Jahre an seinem Konzept. Jedes Produkt brauchte eine Unbedenklichkeitsbescheinigung und wurde dafür geprüft und genormt.

Einer der letzten echten Schuhmacher

Echte Schuhmacher gibt es kaum noch. Das Handwerk ist vom Aussterben bedroht. Thorsten Voß ist einer der Letzten seiner Spezies. In der Raiffeisen-Passage 12 ist der Reinfelder seit zehn Jahren ansässig, erst als Angestellter, 2015 hat er die Schuhmacherei übernommen.

Vorn in seinem Ladengeschäft verkauft Voß Holzclogs, Taschen, Börsen, Gürtel und Pflegemittel. Hinten in seiner Werkstatt ist es urgemütlich. Schuhe aller Art und Größen stehen aufgereiht in einem Regal, dazwischen jede Menge alte Maschinen, Werkzeug und in der Luft der Duft von Leder, Gummi und Kleber. „,Ich mochte den Geruch früher so gern’ – das höre ich von meinen Kunden regelmäßig. Die erzählen mir dann von ihrer Kindheit, wenn sie mit Großvater beim Schuhmacher waren.“

Im Grunde hat sich seitdem nicht viel geändert, nur dass wegen der vielen Billigschuhe weniger Kunden kommen. Voß repariert Sohlen und Absätze, erneuert Nähte, weitet Schuhe. „Gerade habe ich ein Paar Brautschuhe reinbekommen. Der Klassiker: Drückt hier, drückt da. Die mache ich jetzt eine Nummer größer.“

Seinen Beruf übt Thorsten Voß mit Leidenschaft aus. Trotz der Konkurrenz von Supermärkten. „Nur wer das Handwerk erlernt hat, ist in der Lage, fachgerechte Arbeiten auszuführen“, sagt der Schuhmacher. Was ihm auch großen Spaß bereitet, ist der Schnack mit den Kunden. „Schuhmacherei war immer Treffpunkt, wie beim Friseur. Da wurden alle Probleme besprochen. Freitags, wenn wir als Lehrlinge sauber machen sollten, war die Bude immer voll“, erinnert sich der Schuster. Zwei, drei Rentner schauen bei Voß auch heute noch regelmäßig vorbei. Den Treffpunkt in seiner Werkstatt will der Reinfelder Schuhmacher künftig noch mehr ausbauen.

Günstige Mieten in der Passage

Als sich die Gelegenheit mit dem Shop in der Reinfelder Raiffeisen-Passage ergab, zögerte Schmidt nicht lange. „Reinfeld war eine super Option. Die Stadt liegt zentral zwischen Hamburg und Lübeck, wo mich viele Parfümfans schon kennen. Man kann hier gut parken, auch mit der Location hat es bestens gepasst. Die Miete ist relativ günstig, weil die Passage so lange nicht belebt war. Außerdem habe ich noch einen Keller für mein Labor. Alles ist perfekt“, schwärmt Schmidt von seinem Ladengeschäft.

200 Duftkompositionen bietet Tomasz Schmidt in seiner Boutique „Essenza“ an – für Damen und Herren. Alle sind seine Interpretationen der bekannten Marken- und Designerdüfte. Nur günstiger. Sogar seine eigene Marke hat der Reinfelder Parfümeur inzwischen kreiert. Ein Parfüm namens Y für Herren und X für Ladys. Seine Kreationen bekommt man nur in Reinfeld und nicht online.

Auf Erfolgskurs mit Orthopädie-Schuhtechnik

Schräg gegenüber von „Essenza“ hat sich Jens Ruge mit Orthopädie-Technik niedergelassen. Einlagen, Kompressionsstrümpfe, Bandagen, orthopädische Maßschuhe, Bequemschuhe – mit diesem Portfolio hat Ruge in Reinfeld eine Punktladung hingelegt. „Das kommt super an. Alle freuen sich, dass sie nicht mehr nach Lübeck müssen, wenn sie Einlagen brauchen. Hätte ich nicht gedacht, dass das so gut einschlägt“, sagt der Orthopädie-Schuhmachermeister. In seinem Businessplan hatte der 51-Jährige fünf bis zehn Einlagen monatlich einkalkuliert. „Jetzt ist es ein Vielfaches.“ Ruges Ehefrau hilft im Verkauf bereits mit, und gerade hat er noch eine Rentnerin zur Unterstützung eingestellt. „Zum nächsten Jahr werde ich auf alle Fälle noch jemanden für die Werkstatt brauchen“, sagt Ruge.

Von der Selbstständigkeit hat Jens Ruge schon immer geträumt. „Ich war vorher Abteilungsleiter eines großen Sanitätshauses in Hannover, dann war ich vier Jahre in der Schweiz, danach in Bad Schwartau und in Hamburg. Aber die Zugfahrerei hat mich irgendwann genervt.“ Zwei Jahre ist Jens Ruge immer sonntags an dem leeren Ladengeschäft in der Reinfelder Passage vorbeigeschlichen. „Irgendwann habe ich gesagt, jetzt probiere ich es.“ Ein Business-Plan wurde geschrieben, anschließend ging er zur Bank, die auch von seiner Geschäftsidee angetan war. Voller Elan startete Jens Ruge durch. Er mietete den Shop an, baute seine Ladeneinrichtung selbst und nahm Kontakt zu den Ärzten in Reinfeld und Umgebung auf. Der Rest war ein Selbstgänger. Die Kunden sind zufrieden und freuen sich, dass sie gleich hinter der Passage parken können und trockenen Fußes zum Orthopädie-Schuhtechnik-Shop kommen. Lokal shoppen im Aufwind.

Dampfshop und Reinigung

Zum Shoppen muss man nicht mehr nach Lübeck oder Hamburg fahren. Reinfeld hat neue Läden und Boutiquen, wo man Service und Besonderes findet.

In der Raiffeisen-Passage gibt es noch weitere Neuzugänge. Stefan Kock und Timo Madsen sind das Team vom neuen Dampfshop „Vapeart“. Sie verkaufen E-Zigaretten und Zubehör wie Premium Liquids und Aromen. In diesem Geschäft ist allerdings erst Leuten ab 18 Jahren der Zutritt erlaubt. Ein Paar Meter weiter ist der neue Standort der City-Textilreinigung, die von der Paul-von-Schoenaich-Straße in die Raiffeisen-Passage 18 umgezogen ist. Außerdem ganz neu in der Raiffeisen-Passage: Wiege Sozialräumliche Hilfen. Wiege ist ein Träger für ambulante Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen und im Auftrag der Jugendämter in den Familien tätig. Aufgabe ist das Konzipieren individueller, sozial-, heilpädagogischer und familientherapeutischer Maßnahmen für Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und deren Familien.

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Von Britta Matzen

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